Die Bühnenaufbauten werden zusammengeräumt (Symbolbild; Quelle: Imago)
Audio: rbb | 12.09.2018 | Tobias Veit im Interview | Bild: Imago

Nach Meinungsfreiheits-Eklat - Berliner Schaubühne muss ihre China-Tournee abbrechen

Die Berliner Schaubühne muss nach einem Eklat während einer Aufführung in Peking ihre China-Tournee abbrechen. Das kritische Stück "Ein Volksfeind" führte zu Debatten und Absagen weiterer Aufführungen. Die Bundesregierung äußert ihr Bedauern.

Nachdem ihr Stück "Ein Volksfeind" in China heftige Debatten ausgelöst hat, muss die Berliner Schaubühne ihre Tournee in der Volksrepublik vorzeitig beenden. Tobias Veit, Direktor der Schaubühne, bestätigte am Mittwoch, dass die übrigen zwei Vorstellungen in der ostchinesischen Stadt Nanjing nicht stattfinden werden, weil das dortige Theater eine Absage erteilt habe. Zuvor hatten bereits mehrere Medien über den Abbruch der Tournee berichtet.

Die chinesischen Behörden hatten die Absagte der letzten beiden Aufführungen mit technischen Problemen in den Häusern begründet. "Ich gehe da fest davon aus, dass das ein vorgeschobener Grund ist", sagte Veit dem rbb. Technische Gründe anzugeben sei wohl eher der Versuch der chinesischen Gastgeber, mit einer gewissen Art von Gesichtswahrung "da rauszukommen". Die Absage nun sorge für "einen ganz tiefen Frust" in seinem Ensemble, so Veit.

In Henrik Ibsens "Ein Volksfeind" geht es um die Manipulierbarkeit der Massen und um die Frage, was eigentlich Wahrheit ist. Bei der Schaubühnen-Inszenierung von Thomas Ostermeier treten die Darsteller am Ende der Vorführung in einen offenen Dialog mit dem Publikum.

Die Bundesregierung äußerte ihr Bedauern über den Abbruch der Tournee. Die deutsche Botschaft in China habe dies bei einem Besuch im dortigen Kulturministerium zum Ausdruck gebracht, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Zuschauer beklagen offen die Zustände in China

Bei der Premiere in Peking hatten sich die Zuschauer offen über die Zustände in China geäußert. Sie beklagten sich etwa über Zensur, die Verlogenheit der Staatspresse und Umweltskandale. Teilnehmende berichteten ebenfalls von einer emotionalen Stimmung im Theatersaal. Auch online, auf diversen Social-Media-Kanälen, fanden sich entsprechende Einträge.

Veit hatte dann im Deutschlandfunk Kultur erklärt, es sei sensationell, dass "Ein Volksfeind" in China gespielt werden könne. "Weil das Stück verhandelt, wie die Macht mit einer unbequemen Wahrheit umgeht und wie ein Einzelner um seine Meinungsfreiheit kämpft. Das ist unglaublich politisch aufgeladen, und das war auch im Publikum sehr stark spürbar." 

Zweite Aufführung nur in entschärfter Version

Die Debatten im Anschluss an die ersten Inszenierungen waren der chinesischen Staatszensur offensichtlich zu weitgangen. Es habe Änderungswünsche vom gastgebenden National Centre for the Performing Arts gegeben. Eine zweite Aufführung durfte in Peking dann nur in einer entschärften Version gespielt werden.

Seit sechs Jahren gastiert die Berliner Schaubühne mit Ibsens "Ein Volksfeind" in Theatern rund um die Welt. Das Stück des norwegischen Dramatikers aus dem Jahr 1882 erzählt die Geschichte des Kurarztes Stockmann, der daran gehindert wird, einen Umweltskandal öffentlich zu machen.  

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Die „technischen Probleme“ liegen wahrscheinlich darin begründet, dass man noch nicht das gesprochene Wort direkt im Theater live während der Aufführung automatisiert zensieren kann....

  2. 1.

    Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing, kommt nicht aus China, aber aus Deutschland! Aber die Chinesen kennen das Sprichwort, davon bin ich überzeugt.

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