Circa's Peepshow im Chamäleon (Bild: Andy Phillipson)
Audio: 14.09.2018 | radioBerlin88,8 | Anke Friedrich | Bild: Camäleon/Andy Phillipson

Kritik | Zirkusshow im Chamäleon - Rückenschmerzen nur vom Hinsehen

"Circa's Peepshow" heißt die neue Zirkusshow, die am Donnerstag Premiere im Berliner Chamäleon feierte. Ästhetisch, athletisch, anmutig, erstaunlich. Von Anke Friedrich

"Circa's Peepshow" - der Name erinnert an früher, als man Geld in einen Automaten geworfen hat, sich dann ein Vorhang lüftete und eine Dame sich langsam und lasziv auszog. So aber wird es an diesem Abend nicht. Ja, es wird gestrippt. Und ja, es gibt viel nackte Haut und Erotik. Anrüchig ist es aber nicht eine Sekunde.

Der rote Samtvorhang hebt sich, eine halbrunde, schwarze Bühne kommt zum Vorschein. Ein silberner Vorhang, der an Weihnachtslametta erinnert, spiegelt sich im roten Licht. Erst sind zwei Frauen auf der Bühne. Sie stehen im Lichtkegel umgeben von Nebel, bewegen sich schlangenartig, tanzen langsam, verbiegen Ihre Körper, sodass man schon beim Hinsehen Rückenschmerzen bekommt.

Das Publikum wird Teil der Show

Zwei weitere Frauen und zwei Männer kommen dazu. Aus dem Stand machen sie Flickflacks, greifen nacheinander, finden sich wie fehlende Puzzleteile und werden eins. In der nächsten Sekunde sind drei von ihnen übereinander geklettert, bilden einen menschlichen Turm, der fast bis an die Decke reicht. Das Publikum wird Teil der Show.

Eine der rothaarigen Artistinnen kommt durch den silbernen Vorhang und beginnt sich langsam auszuziehen. Vier Männerhände in roten Satinhandschuhen wandern über Ihren Körper, und bedecken ihre nackten Brüste. Sie sucht sich einen Mann aus dem Publikum aus, lässt ihn auf die Bühne holen. Jetzt soll er ihre Brüste mit seinen Händen bedecken, ihr den BH wieder anziehen. Besonders clever stellt er sich dabei nicht an. Das Publikum lacht. Er verschwindet danach aber nicht wieder von der Bühne, denn er ist Teil der Show.

Keine Hände im Spiel

Einen Moment später stemmt er, mit nichts außer einem silbernen Pailletten-String bekleidet, seinen fast nackten Körper auf nur einem Arm ausgestreckt in die Luft. Dabei lächelt er und flirtet mit dem Publikum. Wie geht das, fragt man sich? Überhaupt sieht es alles so spielerisch aus, als wären ihre Körper leicht wie Federn.

Mal bewegen sie sich wie von Computerhand gesteuert, dann klettern sie aneinander hoch, springen übereinander - und alles in so rasantem Tempo, dass man die Luft nicht nur bei den Stunts anhält. Körper, die wie Spinnen über die Bühne krabbeln, kopfüber in einer Brücke.

Ein Raunen geht durch den Saal, als eine der Artistinnen barfuß über die Köpfe der drei stehenden Männer läuft. Die Männer gehen langsam auseinander und sie macht Spagat. Niemand hält sie fest. Es sind nur ihre Füße auf den Köpfen der Artisten. Keine Hände im Spiel.

Dann wieder stehen drei oder sogar vier Frauen auf den Schultern nur eines einzigen Mannes. Eine Artistin klettert elegant wie eine Katze an einem Seil hoch. Eine andere lässt einen Hula-Hoop-Reifen auch dann noch an Ihrem Fuß kreisen, als sie von Ihren Partnern hochgehoben und einem anderen zugeworfen wird. Ästhetisch, athletisch, anmutig, erstaunlich.

"Circa's Peepshow" im Chamäleon ist eine Show, die in eine andere Welt entführt. Eine Welt voller Vertrauen, wo man sich fallen lassen kann und aufgefangen wird. Eine Welt in der keine Schwerkraft zu existent scheint.

Sendung: radioBerlin88,8, 14.09.2018, 8 Uhr

Beitrag von Anke Friedrich

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