Computergrafik zeigt den gemeinsamen Entwurf von Sasha Waltz und Milla & Partner für das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal (Quelle: Milla & Partner/Sasha Waltz/dpa)
Audio: Inforadio | 08.09.2018 | Nachrichten | Bild: Millak und Partner

Neues Gutachten zum Einheitsdenkmal - "Eine wackelige Schale auf schwabbeligem Grund"

Ein neues Gutachten stellt das geplante Einheitsdenkmal vor dem Berliner Stadtschloss erneut in Frage. Einem Medienbericht zufolge bemängeln Denkmalschützer vor allem, dass die "Wippe" auf Pfeilern auf Spreesand stehen soll.

Ein neues Gutachten stellt die Errichtung des seit 20 Jahren umstrittenen Einheitsdenkmals vor dem Berliner Stadtschloss erneut in Frage. Das Landesdenkmalamt erhebe darin gegen den Bau "aus fachlicher Sicht der Denkmalpflege erhebliche grundsätzliche Bedenken", berichtete der "Berliner Kurier" am Samstag. Das neue Gutachten sei notwendig geworden, weil die 2015 erteilte Baugenehmigung am 9. Oktober auslaufe, hieß es.

Die Bedenken richten sich vor allem gegen die von den Designern Milla Partner geplante Bauweise, sieben Betonpfeiler von 1,50 Meter Dicke in den sandigen Spreeufergrund zu treiben, um der begehbaren riesigen Wippe Standfestigkeit zu verleihen. Das Denkmal sei "eine wackelige Schale auf schwabbeligem Grund", so das Gutachten.

Schäden an denkmalgeschütztem Sockel befürchtet

Zudem werden Schäden an dem denkmalgeschützten Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals, auf dem die Wippe stehen soll, und dem darunter liegenden Gewölbe befürchtet. Ferner befürworteten die Denkmalschützer die Rückkehr der geborgenen, gut erhaltenen Mosaike des Sockels.

Das Fazit laute eindeutig: "Die Eingriffe und der damit verbundene Verlust an Denkmalsubstanz und Denkmalqualität" stehen einer "denkmalschutzrechtlichen Genehmigung entgegen".

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte erst am vergangenen Wochenende erklärt, sie möchte, dass noch in diesem Herbst mit dem Bau des Einheitsdenkmals vor dem Berliner Stadtschloss begonnen wird.

Große begehbare Waage geplant

Nach langer Debatte über das Einheitsdenkmal hatte der Bundestag 2017 beschlossen, dass das Freiheits- und Einheitsdenkmal gebaut werden soll. Zuvor wollte der Haushaltsausschuss das Projekt wegen einer Kostensteigerung von zehn auf 15 Millionen Euro stoppen.

Geplant ist derzeit eine große begehbare Waage vor dem Berliner Schloss. Unter dem Motto "Bürger in Bewegung" soll sie an die Friedliche Revolution in der DDR 1989 und die Wiedergewinnung der Deutschen Einheit erinnern.

Inzwischen hat das Land Berlin das Grundstück bereits an den Bund übertragen. Eine Berliner Bürgerinitiative fordert jedoch, dass das Denkmal vor dem Reichstag gebaut werden soll.

Sendung: Abendschau, 08.09.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Och naja, über den Denkmalschutz wird sich ja in Berlin gerne hinweggesetzt - in einer Stadt, wo man nicht mal die letzten Reste der Mauer vor Verzwergung, Banalisierung, Zerstörung schützen will. Und schauen Sie sich an, was mit der Friedrichwerderschen Kirche passiert ist - wozu der Landeskonservator übrigens wenig zu sagen wußte (wagte).

    Zum Ausgleich für die Demolierung der echten Denkmalsubstanz am Spreekanalufer bastelt man ja nebenan gerade eine Barockfassade nach.

    Und Frau Grütters scheinen irgendwelche Details ohnehin nicht zu interessieren. Warum auch? Wenn die Bürgerschaukel irgendwann mal fertig wird, nach Kostenexplosion und mehrjähriger Verzögerung, wird sie vermutlich sowieso nicht mehr im Amt sein.

  2. 8.

    So ein hässliges sinnloses Ding . Für das Geld könnte mehr Schulen renovieren oder andere sinnvolle Sachen.

  3. 7.

    Wozu brauchen wir nach 28 Jahren noch ein Einheitsdenkmal....schaut euch mal um in der Stadt...an jeder Ecke steht doch irgendwie ein Einheitsdenkmal....schade ums Geld..unsere maroden Schulen könnten das Geld sooo dringend gebrauchen...

  4. 6.

    Die Pfeiler sollen 1,5 Meter _dick_ sein. Die _Tiefe_ der Gründung ist noch völlig unklar - es können 20 oder aber auch 40 Meter sein. Es wurde bis jetzt noch nichts untersucht und wie das mit dem komplex aufgebauten wilhelminischen Denkmalsockel zusammenpassen soll, ist nicht nur mir schleierhaft.

    Sockel verschönern, Wippe vergessen und stattdessen eine Birne und eine Banane drauf! Schön in Bronze, Reiben bringt Glück.

  5. 5.

    Baut das Ding, dreht es um und fertig ist die neue Elsenbrücke...

  6. 4.

    Wie Recht Sie haben, diese Wippe ist so schrecklich für ein Kropf. Das Geld für wichtiger Dinge ausgeben Schulen, Kitas und Sanierungen der Brücke !!!!

  7. 3.

    Ja! Bitte! Bitte sagt dieses fürchterliche Ding ab. Wenn dieses grottenhässliche Ding gebaut wird, so ist der ganze Platz verschandelt. Ein paar Wochen später wird es dann mit Farbschmierereien versehen sein, irgendwann wird jemand aufgrund des Wippmechanismus verletzt. Dann wird die Schale mit den allerorts herumstehenden Bauzäunen abgesperrt und gammelt es vor sich hin.
    Von den Kosten, die garantiert noch nach oben gehen, ganz zu schweigen. Den Bezug zur Einheit sehe ich auch nicht. Steht und stand diese denn auf wackeligen Füßen?

  8. 2.

    Also wirklich. Muss man einem Statiker jetzt seinen Job erklären?

    Was macht Sand in Verbindung mit Wasser? Er wird zu Schlamm... Was macht ganz viel Wasser mit Sand? Es trägt ihn ab. Ergo; Nicht 1,5 Meter tief sondern 5 Meter Tiefe Pfeiler. Und das ist das Mindeste an Belastungstiefe.

    Belastungstiefe heißt: Wie tief ein Pfeiler oder Pflock in den Untergrund geschlagen werden muss, damit er die zu tragende Last an den Untergrund abgibt aber auch trägt. Dabei zählt auch wie breit und massiv er ist.

    Grundkurs für Studium eines Statiker...

    An die Politiker kann man da nur sagen: Ein Bauer möchte die Statik beim Bau beaufsichtigen, ein Klempner möchte die Elektronik im Aufsichtsrat übernehmen, und ein Bananenverkäufer die Verkehrsführung leiten? Vielleicht mal nachdenken bevor man was macht.

  9. 1.

    Eine Wippe als Einheitsdenkmal suggeriert den Gedanken, es sind etliche Mitbürger verschaukelt worden. Und sie werden es auch weiter, wenn das Ding dort hingestellt wird und den Blick auf das Schloß verschandelt.
    Der Platz dort hat doch auch keinen historischen Bezug zur deutschen Einheit.

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