Konzert Ivy Flindt (Bild: Micha Tuschy/marlandrecords.com)
Micha Tuschy/marlandrecords.com
Audio: Inforadio | 12.09.2018 | Anke Friedrich | Bild: Micha Tuschy/marlandrecords.com

Konzertkritik | Ivy Flindt in der Berghain-Kantine - Ruhige Songs, verhaltenes Publikum

Das Hamburger Duo Ivy Flindt ist noch ein Geheimtipp. Ihre ruhigen, warmen Songs könnten der Soundtrack für den Herbst 2018 werden. Auf dem Konzert in der Berliner Berghain-Kantine kam am Dienstag aber keine große Stimmung auf. Von Anke Friedrich

"Guten Abend", haucht Frontfrau Cate,  als sie auf die kleine, feine Bühne der Berghain-Kantine kommt, neben ihr Micha, der Gitarrist. Seit acht Jahren gibt es das Duo Ivy Flindt, aber erst dieses Jahr, Ende August, haben sie ihr erstes Album rausgebracht, "In Everey Move". Zwölf Songs sind darauf, die eher ruhig, teilweise sogar melancholisch angehaucht sind. Perfekt für die ersten verregneten Herbsttage, die vor uns liegen. Die Songs sind wie eine Tasse Kakao mit Sahnehaube – warm uns süß.

Die warme, dunkle Stimme kommt aus der zierlichen Cate, die mit den langen honigblonden Haaren und ganz in Schwarz gekleidet neben Micha steht, der einen grauen Anzug mit dazu passendem Hut  trägt. 

Viel Platz zum Tanzen

Noch sind sie ein Geheimtipp. Das merkt man spätestens, wenn man ohne jemanden anzurempeln durch den fast leeren Saal geht. An die 40 Leute sind nur gekommen. Teilweise sitzen sie an der Bar oder an der Seite auf Hockern. Direkt vor der Bühne ist es fast leer. Gut, da hat man Platz zum Tanzen.

Wobei man zu dieser Musik wohl eher kuscheln kann. Genau das machen die wenigen jungen Pärchen, die gekommen sind. Sonst sind einige Männer um die 50 plus da. Vielleicht drei Leute tanzen, bewegen sich wie Blätter im Wind hin und her.

Man bekommt schon fast Mitleid mit den vier Menschen auf der Bühne. Neben Cate und Micha stehen da auch noch ein Schlagzeuger und ein Bassist. Bis auf Gitarrist Micha, der in sein Spiel vertieft ist, strahlen alle. Besonders der Bassist sieht aus, als wäre er frisch verknallt, wie mit 14. Die Band hat Spaß.

Perfekter Sound - aber nur verhaltene Stimmung

Leider sind die Songs fast alle sehr langsam. Mehr Abwechslung im Tempo wäre ganz gut gewesen. Denn nur ruhige Lieder hört man vielleicht gerne, wenn man nebenbei arbeitet. Auf einem Konzert aber möchte man doch begeistert werden.

Entsprechend verhalten ist auch das Publikum. Es mag keine richtige Stimmung aufkommen. Das ist schade, denn die Musik ist wirklich hochwertig und Ivy Flindt schaffen es, den perfekten Sound des Albums genauso auf die Bühne zu bringen, nur eben ohne Streicher.

Dennoch erinnert das Konzert an die Schulaufführungen damals in der Aula. Nur die Musik ist besser und die Leute sind ein bisschen älter.

Beitrag von Anke Friedrich

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