Archiv - Der Berliner Schriftsteller Horst Bosetzky liest während seines Sommerurlaubes am 02.08.2001 in einem Strandkorb am Strand von Goehren / Rügen (Bild: imago/ Jens Koehler)
Audio: Inforadio | 17.09.2018 | Ulrike Bieritz | Bild: imago/Jens Koehler

Nachruf auf Berliner Autor Horst Bosetzky - Der Soziologie-Professor mit dem Bestseller-Pseudonym

Urberliner, Autor von mehr als 60 Büchern und Erfinder des Sozio-Krimis: Das war Horst Bosetzky, bekannt unter seinem Pseudonym -ky. Bis zuletzt hat er jeden Tag geschrieben, obwohl er schon lange schwer krank war. Nun ist er gestorben. Ein Nachruf von Ulrike Bieritz

Manche nannten ihn abschätzig Vielschreiber. Für Horst Otto Oskar Bosetzky war das Schreiben ein Lebenselixier: "Ich kann nicht leben, wenn ich nicht schreibe. Das ist wirklich so." Um halb sechs stehe er auf, um halb sieben sitze er dann am Computer, sagte er über seine Morgenroutine.

Krimis, Romane, Familiengeschichten, Historisches über den Berliner Nahverkehr, das Wandern in Brandenburg und Sachbücher. Und das alles schrieb er quasi nebenbei. Denn eigentlich war Horst Bosetzky von 1973 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 Professor für Soziologie an der Berliner Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege - ein Fachmann für Organisationssoziologie. 

Soziologie-Professor als Kabarettist und Schauspieler

"Ich bin gelernter Siemens-Industriekaufmann. Wäre ich dort geblieben, hätte ich das X-fache von dem verdient, was ich in meinem Beruf als Soziologe verdient habe", erinnerte er sich. "Aber ich hätte keine Zeit zum Schreiben gehabt - und das hatte ich als Soziologe. Ich habe auch gerne im Hörsaal gestanden. So ein bisschen wäre ich auch gerne Kabarettist und Schauspieler geworden." Diese Neigung habe ihm im Hörsaal genutzt. Er habe seinen Job als Professor genossen - abgesehen von den vielen Klausuren, die er kontrollieren und der Zeit, die er in Ausschüssen verbringen musste. "Die Arbeit mit Studierenden - das war schon schön", fand Horst Bosetzky.

Zufällig zum Krimi gekommen

Aber noch schöner war das Schreiben. Dazu kam der 1938 in Berlin-Neukölln Geborene eher durch Zufall. Eigentlich wäre er gerne Sportler oder Geschichtslehrer geworden. Zum Krimi kam er während seines Studiums, als er in den Semesterferien bei Siemens Geld verdienen musste. "Ich musste damals um vier Uhr aufstehen, weil ich in Neukölln wohnte und um sechs Uhr in Siemensstadt anfangen musste zu arbeiten", erinnerte er sich.

Das gefiel ihm nicht - Bosetzky suchte sich einen anderen Job: "Da war eine Anzeige im FU-Spiegel - der Bastei-Verlag suchte Leute zum Schreiben. Ich hätte da Arzt-Romane schreiben können, Liebesromane, Western und nein, sie haben mich genommen für den Krimi - ganz zufällig."

1971 erschien der erste Krimi - unter dem Pseudonym -ky. Nicht mal seine Mutter, erzählte er gern, habe gewusst, dass er sich dahinter verberge. Erfunden haben den Namen er und sein deutsch-amerikanischer Lektor in einer Whiskey-Laune: "-ky wie 'the key to success'. Da sind wir hängengeblieben", erzählte der Autor. "Wir haben uns auf die letzte Silbe meines Nachnamens geeinigt. Das war ein PR-Gag, mit dem wir total richtig lagen."

Erst in den 1980er Jahren wurde das Geheimnis gelüftet. Als einer seiner Krimis verfilmt werden sollte, gab Horst Bosetzky seine Identität preis. Die Bücher wurden Bestseller. "Vom Schreibstil her kann ich nicht anders", sagte er. "Alles, was Hochliteratur ist, kann ich nicht. Darum habe ich den ein oder anderen Literaturpreis nicht bekommen - weil es eben Entertainment ist. Ich möchte unterhalten."

Klassenkampf auf Neuköllns Straßen

Und auch aufklären wollte Horst Bosetzky. In keinem anderen Genre als dem Krimi könne man so gut Ängste verarbeiten und Aggressionen abbauen, sagte er selbst. Bosetzky hat den sogenannten Soziokrimi erfunden. Neben der Unterhaltung ging es ihm immer auch darum, die sozialen und politischen Zustände zu beleuchten. 

"Ich komm ja vom Neuköllner Hinterhof, bin zur Rütli-Schule gegangen", erinnerte er sich. "Da war für mich ein Satz wichtig: Krieg den Palästen, Friede den Hütten. Ich hab diesen klassenkämpferischen Impuls, dieses Umstürzlerische auf den Neuköllner Straßen aufgenommen." Deshalb seien die 68er für ihn immer eine Bewegung gegen das Establishment gewesen.

Dass Krimiautoren oft als Schrifsteller zweiter Klasse angesehen werden, hat ihn dann doch geärgert. "Das macht einen aggressiv, wenn man merkt, dass die auf einen herabgucken. Auf der anderen Seite bin ich aber auch erhaben und sage: Guck dir meine Auflagen an und was ich damit verdient habe!" Je älter er wurde, desto mehr konnte er sich über solche Klischees amüsieren.

Beitrag von Ulrike Bieritz

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

3 Kommentare

  1. 3.

    Seit Monaten (in etwa die Zeit, wo er verstorben ist) möchte ich Herrn Bosetzky ein Foto von einem alten Haus senden, welches ich hier in Biesdorf entdeckt habe und ihm schreiben, dass ich mir so das Haus seiner Großmutter in Schmöckwitz vorstelle, wo er bis zum Mauerbau einen Großteil seiner Kindheit und Jugend verbracht hat. Das Haus und die Geschichte seiner Großmutter und Schmöckwitz erinnern mich so sehr an meine eigene. Heute will ich ihm endlich das Foto senden und lese, dass er verstorben ist. Das macht mich sehr betroffen und traurig. Seine Familien Geschichte berührte mich sehr. So gerne hätte ich erfahren, ob es das Schmöckwitz Haus noch gibt. Demnächst werde ich mit der Schmöckwitz-Grünauer Ufer-Straßenbahn Linie 68 (früher 86)fahren und in Gedanken an Herrn Bosetzky sein. Seine Bücher sind für mich und Berlin von großer Bedeutung. Danke -ky

  2. 2.

    1990 bis 1993 war Bosetzky mein Dozent an der Fachhochschule. Unvergessen seine Vorstellung im ersten Seminar: Ich heiße Bosetzky, aber ihr könnt auch Horst zu mir sagen oder Hotte. Wie ihr wollt. Ein völlig uneitler Alt 68er stand vor uns. Seine Kurse waren ein echtes Highlight. Er dozierte wie er Krimis schrieb, also spannend und in einfacher Sprache gehalten.
    Das letzte Mal sah ich ihn in einem Regionalzug von Berlin aus vor etwa 15 Monaten. Ich hatte überlegt, ob ich mich als sein Ex-Student oute, habe es dann aber nicht getan. Warum eigentlich nicht? Hotte du warst ne ziemlich coole Sau. RiP.

  3. 1.

    Sehr schade

Das könnte Sie auch interessieren