Sri Ganesha Hindu Tempel e.V. (Quelle: rbb|24)
Audio: Inforadio | 08.09.2018 | Ursula Voßhenrich | Bild: rbb|24

Hindutempel in Neukölln soll 2019 fertig sein - Der Elefantengott bekommt ein Zuhause in der Hasenheide

Vor zehn Jahren setzte Heinz Buschkowsky - blumenbekränzt und mit rotem Punkt auf der Stirn - den Spatenstich für den Neuköllner Sri-Ganesha-Hindutempel. Nun feilt ein Tempelbaumeister an den letzten Details. Ursula Voßhenrich hat die Baustelle besucht.

In leuchtendem Gelb ragt der Königsturm des Sri-Ganesha-Hindutempels zwischen den Bäumen der Neuköllner Hasenheide hervor. Der 17 Meter hohe Turm soll einmal das Portal bilden. Rund um die Spitze sind schon Hunderte von Ornamenten und kleinen Götterfiguren zu erkennen.

Sri Ganesha Hindu Tempel e.V. (Quelle: rbb|24)
Die Baustelle des Tempels in der Hasenheide | Bild: rbb|24

Der untere Teil des Gebäudes ist eingerüstet, hier wird gearbeitet. Ein Plakat an der Baustelle zeigt, was hier genau entsteht: ein Tempel für mehrere Hundert gläubige Hindus, der dem elefantenköpfigen Gott Ganesha gewidmet ist. Ganesha stehe für Weisheit und Bildung, erklärt Vilwanathan Krishnamurthy vom Vorstand der Gemeinde: "Wir müssen anderen zuhören und davon lernen, das ist die Bedeutung von Sri Ganesha für uns."

Tempelbaumeister aus Indien am Werk

Er inspiziert den Fortgang der Bauarbeiten. Endlich geht es voran, nach Jahren des Stillstands. Das Fundament der Tempelhalle ist gegossen, bis Ende November soll der Rohbau stehen – für den größten Ganesha-Tempel der Welt, wie er stolz sagt. Für die Feinheiten der Tempelarchitektur wurde Govinda Ravishankar aus Indien eingeflogen, ein studierter Tempelbaumeister. 

Tempelbaumeister Ravishankar am Sri Ganesha Tempel
Tempelbaumeister Govinda Ravishankar | Bild: rbb/Vosshenrich

Mit den bloßen Händen und ganz feinen Spachteln formt Ravishankar Lilienrosetten und Götterfiguren. Über 200 werden es allein am Eingangsportal. Die Kunst des Tempelbaus hat er in Indien studiert und sie an inzwischen 400 Tempelbauten weltweit praktiziert. Das könne sonst niemand in Deutschland, sagt Gemeindevorstand Vilwanathan Krishnamurthy. Neben dem Turm wurde bereits das Fundament für die Tempelhalle gegossen.

Spendensammlung im Ganesha Tempel
Spendensammlung im Ganesha-Tempel | Bild: rbb/Vosshenrich

Feier und Spenden für Ganesha

Bislang nutzt die Gemeinde eine historische Turnhalle auf dem gleichen Gelände provisorisch als Tempel. Als man Anfang September Krishnas Geburtstag feierte, wurde es richtig voll: Festlich gekleidete Familien kamen zum Tempel, herausgeputzte Kinder, die Lieder vortrugen, Götterfiguren im Inneren der Halle an der hinteren Wand, Krishna in verschiedenen Erscheinungsformen und blumenbekränzt, davor auf dem Boden Schalen mit Obst.  

Krishna-Fest im Sri Ganesha-Tempel
Krishnafest im Tempel | Bild: rbb/Vosshenrich

Krishnas Geburtstagsfest war zugleich eine gute Gelegenheit, Spenden für den weiteren Bau des Tempels zu sammeln. 850.000 Euro soll er insgesamt kosten. Auf einem Tapeziertisch waren Schmuckreliefs aus Gips aufgestapelt, für 5 bis 50 Euro konnten die Gäste die Patenschaft für ein Schmuckelement übernehmen. 

Die Sri Ganesha-Gemeinde besteht aus etwa 200 Familien, sie stammen aus allen Landesteilen Indiens. Seit einiger Zeit wächst die Gemeinde: Es seien viele junge Leute, Studenten und IT-Spezialisten mit ihren Familien nach Berlin gezogen, erzählt Gemeindevorstandsmitglied Krishnamurthy.

Für den inzwischen berenteten Familienhelfer ist der Tempelbau sein großer Traum. Seit 13 Jahren setzt er sich dafür ein und lobt den ehemaligen Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) in höchsten Tönen. Der habe das Projekt immer unterstützt und der Gemeinde diese Baufläche an der Hasenheide angeboten. Es ist das Flurstück Nummer 108, und das sei eine ganz besondere Zahl: "Weil es 108 Flüsse gibt in Indien. Das war Zufall, da haben wir gesagt, da nehmen wir den Platz für unseren Hindutempel."

Vilwanathan Krishnamurthy, Vorstand der Berliner Sri-Ganesha-Gemeinde (Quelle: rbb/Ursula Voßhenrich)Vilwanathan Krishnamurthy, Vorstand der Berliner Sri-Ganesha-Gemeinde

Im nächsten Jahr soll der Tempel fertig sein und eingeweiht werden – also im Jahr 2019. Auch die 19 stehe unter einem guten Stern, so Krishnamurti: "Neun und eins ergibt ja zehn. Und die Eins ist die Sonne. Devendra, das ist der Gott der Sonne, der Ministerpräsident von allen Göttern, und der soll uns Kraft geben mit seinen Zahlen, dass wir den Tempel eröffnen können."

Beitrag von Ursula Voßhenrich

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Neukölln ist groß. Britz,Rudow........Gründe für einen Wegang können vielfältig sein. Ansonsten freue ich mich schon auf einen Besuch im neuen Hindu Tempel.

  2. 4.

    Ja, das ist mir bewusst. Und dass diese Dealer schon so lange dort ihr Unwesen treiben macht die Sache besser?
    Dass das Tiergehege klein ist, mag den dortigen Tieren ein Trost sein, doch ehrlich gesagt sehe ich auch darin nicht unbedingt ein Argument für das Verursachen von Lärm.
    Innere Einkehr? Gute Idee. Z. B. durch einen ruhigen und beschaulichen Herbstspaziergang im Park?
    Ich habe 19 Jahre lang in Neukölln gelebt und bedaure meinen Weggang weiß Gott (egal welcher) nicht.
    Und ich finde, an dieser Stelle wäre eine Polizeistation angemessener und nutzbringender.
    Auch wenn Rauschgifthändler und viele andere Kriminelle die Deutsche Justiz allenfalls für ein Ärgernis halten.

  3. 3.

    Ihnen ist sicherlich bewusst, Kleindealer gab es in der Hasenheide schon i.d.70er Jahren und niemanden hat’s gestört und den Sonnenhungrigen Menschen schon gar nicht. Dieses Tiergehege ist im Vergleich zum Park eine winzige Fläche nahe der Straße. Auch schon seit Ewigkeit vorhanden. Das Freilichtkino ist im Sommer obendrein ein Anziehungspunkt. Buddhistische Mönche haben wir in Berlin auch, nur rennen die nicht auf den Straßen herum, sondern haben ihren Tempel in Frohnau. Sollten Sie auch mal aufsuchen, zur inneren Einkehr vielleicht? Jeder ist dort herzlich Willkommen. Der Hermannplatz war und ist schon immer ein zentraler Punkt in Neukölln mit seinem Karstadt. Den Wochenmarkt nicht zu vergessen. Mit meiner Bemerkung, die Hasenheide mal wieder zu betreten bezieht sich auf meinen jetzigen Wohnsitz, der ziemlich abseits von Neukölln liegt. Habe 16 Jahre sehr gerne i.Neukölln gewohnt. Jetzt ziehe ich eine ruhige dem Alter entsprechende Wohngegend vor.

  4. 2.

    Berlin IST tolerant. Und in der Hasenheide besonders gegenüber Dealern.
    Auch die eigene Toleranz darf man dort gern erproben, wenn laute Musik (gern unmittelbar neben einem Tiergehege) einen beschaulichen Wochenendspaziergang unmöglich macht.
    Und nun wird dieser Tempel für weiteren Zulauf sorgen: Durch Gläubige (die das Zuhausebeten irgendwie nicht hinkriegen), buddhistische Mönche (die ich im Stadtbild bislang nicht vermisst habe) und Besucher (die ansonsten das Umfeld des Hermannplatzes eher meiden).

  5. 1.

    Vielen Dank für diesen schönen Beitrag. Ein Grund mal wieder die Hasenheide zu betreten. Da sage noch einer, Berlin sei nicht tolerant.

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