Baustelle fuer den neuen Turm der Garnisonkirche in Potsdam (Quelle: imago/Rolf Zöllner)
Bild: imago/Rolf Zöllner

Umstrittenes Kirchenbauprojekt - Kritik an ILB-Spende für Garnisonkirchturm

An einer Spende der Brandenburger Investitionsbank (ILB) für die Potsdamer Garnisonkirche gibt es Kritik. So hatte die Bank im Jahr 2017 5.000 Euro für den Wiederaufbau gespendet, wie eine Auflistung nach Anfrage durch den AfD-Abgeordneten Franz Josef Wiese zeigte.

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) sagte dazu nun den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" (Mittwoch), dass der Vorstand der ILB der Garnisonkirchenstiftung 2017 eine Spende in Höhe von 5.000 Euro ausgereicht habe, halte er in Anbetracht der öffentlichen Diskussion über das Bauvorhaben "für unangemessen". Görke, der dem Verwaltungsrat der ILB angehört, sei von der Spende unangenehm überrascht, hieß es. Spenden seien jedoch "ausschließliche Angelegenheit des Vorstandes", so Görke.

Auch die Grünen im Landtag kritisierten die Spende für die Garnisonkirche aus Mitteln des landeseigenen Unternehmens.

Seit einem Jahr finden Arbeiten an dem Turm statt

In Potsdam wird seit einem Jahr am neuen Garnisonkirchturm gearbeitet. Die Kirche war 1945 im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1968 in der DDR abgerissen worden.

Das Wiederaufbauprojekt steht vor allem wegen der Geschichte der evangelischen Barockkirche als Militärkirche und wegen ihrer Nutzung durch die Nazis am "Tag von Potsdam" 1933 in der Kritik. Befürworter argumentieren vor allem mit der Bedeutung des Bauwerks für das Stadtbild und sehen das Projekt auch als Wiedergutmachung für den Abriss der Ruine in der DDR. Kritiker befürchten, dass Neonazis den Platz um die Kirche für Aufmärsche nutzen könnten.

Für den Bau wurden inzwischen Betonpfeiler fast 40 Meter tief in der Erde verankert. Sie sollen einmal das neue Fundament für den 90 Meter hohen Kirchturm tragen.

Sendung: radioeins, 24.10.2018, 13:00 Uhr

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 6.

    Im Nachhinein - im Wissen aller Umstände - sieht die Geschichte immer glatter aus als für jene, die seinerzeit drin steckten. Hitler war da eher einer von vielen. Was wüssten wir denn um die Entwicklung und den Zuspruch bspw. der AfD in 10 oder 20 Jahren?

    Belegt ist, dass HIndenburg auch von der KPD 1925 faktisch mit in den Präsidentenstuhl verholfen wurde, in dem die ihren Ernst Thälmann NICHT zurückzog und die 1,75 Mill. Stimmen für Thälmann im 2. Wahlgang dem demokratischen Lager fehlten. Obwohl sich dies im 1. Wahlgang schon abzeichnete. Das hat aber die KPD nie gekratzt.

    Wenigstens im Nachhinein hätte dieser fatale Irrtum eingestanden werden können. Aber auch da waren diejenigen, die sich als Nachfolger sahen, eben nicht mutig genug und nährten die Mär, als wenn es besonders die KPD gewesen wäre, die heldenhaft gegen Hitler stand. Dabei hatte sie - im Gegensatz zu den völllig anderen Zielen - analoge Strukturen wie die NSDAP.

  2. 4.

    Görke, seit 1985 Mitglied der SED und deren Häutungen, sollte nicht die Schlacht über den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonskirche nochmal schlagen. Die Stadtverordnetenversammlung des Landeshauptstadt Potsdam hat das Vorhaben mit den Stimmen von SPD, CDU, Grünen und Bürgerbündnis unterstützt, die Bundesregierung sagte 12 Millionen Euro zum Wiederaufbau zu und den Aufruf zum Wiederaufbau haben etwa 25.000 Menschen öffentlich unterschrieben.

  3. 3.

    Wenn die deutsche Kirche meint sie brauche noch mehr wenig genutzte Gebäude sollte sie das gefälligst auch selbst bezahlen, den die Kirche gehört mit Sicherheit zu den reichsten der Welt und wird ohnehin Staatlich über gebühr finanziell unterstützt.

  4. 2.

    Es ist historisch falsch, die Nazis hätten die Garnisonkirche "genutzt". Der Tag von Potsdam wurde von jenen konservativen Kreisen um den Reichspräsidenten Hindenburg initiiert, die Hitler zur Macht verholfen hatten. Mit diesem Akt hatte man gehofft die Nazis "einzufrieden" bzw. auf preußische Prinzipien zu verpflichten. Der Korona um Hindenburg, allen voran der Verleger Hagenberg und übrigens der letzte demokratisch legitimierte Reichskanzler Brüning hatten die Schaffung eines autokratischen Staates im Sinn, teils mit, teils ohne Restauration des Kaisers.
    Bei der Garnisonkirche handelt es sich um ein Projekt wie den Stadtschlössern in Berlin und Potsdam: eine Art Brückenbau über das schreckliche Loch, das in unserm Namen von 1933 bis 45 gerissen wurde. Dresden hat mit dem Wiederaufbau der Marienkirche gewonnen. Warum sollte das In Potsdam nicht auch gehen?

  5. 1.

    Es gibt Unterschiede bei der Kritik an der ILB-Spende. Bei den Bündnisgrünen geht es nur um das transparente Verfahren, was in der Tat hinter der Stadtverwaltung zurückbleibt, gleich, wohin die Spende geht. Bei der Partei Die Linke ist es dagegen speziell der Adressat der Garnisonkirche, der die Spende angeblich fragwürdig mache.

    Die ILB hat - unabhängig der Frage der verbesserungsfähigen Transparenz - zahllose Spenden getätigt, sowohl für soziale Projekte als auch für städtebauliche. Dazu gehört dann eben auch die städtebauliche "'Abrundung" zum früheren westlichen Stadtausgang hin, den die Garnisonkirche markierte. INHALTLICH spricht rein garnichts dagegen, das Verfahren sollte allerdings überprüft werden.

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