Am 3. November 2018 startet die erste Staffel der neuen rbb-Sendereihe "Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt" samstags um 20.15 Uhr. (Bild: rbb/akg-images/Klaus Morgenstern)
Audio: Radioeins | 23.10.2018 | Anton Stanislawski | Bild: rbb/akg-images/Klaus Morgenstern

"Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt" vorgestellt - 2.700 Minuten Berlin

Es ist eine TV-Chronik der Superlative: 30 Episoden à 90 Minuten über das Leben im geteilten Berlin. Jahr für Jahr erzählt, von 1961 bis 1990. Nun wurde "Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt“ im Roten Rathaus vorgestellt. Von Anton Stanislawski

Alexander Kulpok steht auf der Bühne im Roten Rathaus. Früher war er Fernsehjournalist in West-Berlin, jetzt erzählt er von seiner Beziehung zur DDR. "Die DDR war für mich immer auch einfach Teil Deutschlands, deswegen haben wir immer brav an Weihnachten Kerzen in die Fenster gestellt, in Solidarität mit."

Da fängt Bettina Wegner an zu lachen. Sie war Liedermacherin in der DDR und saß wegen einer Flugblattaktion im Gefängnis. "Ich wollte auch Kerzen in die Fenster stellen und meine Mutter hat's verboten. Die ist fast in Ohnmacht gefallen." Das Publikum lacht, unter ihnen der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und rbb-Intendantin Patricia Schlesinger. Auch die vier Zeitzeugen auf der Bühne lachen.

Es beginnt 1961

Sie sprechen über das Jahr 1961. Zum Jahresbeginn wissen damals die Wenigsten, was auf Berlin zukommen wird. Die Grenzen sind noch offen, die Berliner pendeln zwischen den vier Sektoren, leben im Osten und arbeiten im Westen. Bis dann im August 1961 der Mauerbau beginnt.

Mit diesem Jahr beginnt auch die neue rbb-Dokumentationsreihe, die an diesem Abend vorgestellt wird. 30 Episoden à 90 Minuten wird es geben, für jedes Jahr eine, 2.700 Minuten Berliner Geschichte, das sind 45 Stunden. Im ständigen Gegenschnitt zwischen Ost und West wird erzählt, wie sich das Leben und der Alltag in der geteilten Stadt über die Jahre verändern.

Ein Schatz aus Ost und West

"Das waren ganz entscheidende Jahre zwischen 1961 und 1990", sagt rbb-Intendantin Patricia Schlesinger. "Ich freue mich, dass der Archivschatz auf beiden Seiten gehoben ist und weiter gehoben wird. Gerade in diesen Zeiten lohnt es sich, zurück zu schauen und zu fragen: Was macht uns eigentlich aus?"

Am 3. November 2018 startet die erste Staffel der neuen rbb-Sendereihe "Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt" auf prominentem Sendeplatz samstags um 20.15 Uhr. Am 22.10.2018 wurde sie vorab im Roten Rathaus gezeigt. (Bild: rbb/Anton Stanislawski)
Schicksalsjahre wurde vorab im Roten Rathaus gezeigt | Bild: rbb/Anton Stanislawski

Mit dem Archivschatz auf beiden Seiten meint sie das Archiv des DDR-Fernsehens und das des Senders Freies Berlin (SFB) - auf beide konnten die Macher der Dokureihe zugreifen. Sie arbeiteten sich durch Hunderte Stunden Material, sichteten mehr als 500 Beiträge pro Sendejahr und stellten schließlich die interessantesten Ausschnitte zusammen.

Die Archivarbeit lohne sich, sagt Gabriele Denecke, Autorin des Films über das Jahr 1961: "Ich war damals noch ein kleines Kind, natürlich kriegst du mit, was passiert, aber man spürt nicht was es für die Leute bedeutet. Im Archiv erfährst du das plötzlich: Mode, Berliner Slang, die Ruppigkeit - all das war damals ja auch schon da."

Am 3. November 2018 startet die erste Staffel der neuen rbb-Sendereihe "Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt" auf prominentem Sendeplatz samstags um 20.15 Uhr. Am 22.10.2018 wurde sie vorab im Roten Rathaus gezeigt. (Bild: rbb/Anton Stanislawski)
Bürgermeister Michael Müller sah die Dokumentation unter anderen vorab | Bild: rbb/Anton Stanislawski

Berlin zwischen Kiez und Weltgeschichte

Die großen politischen Ereignisse bieten deshalb nur die Rahmenhandlung – der Mauerbau selbst, der Besuch John F. Kennedys oder die Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 in der DDR. Dazwischen ist Platz für die Berlinerinnen und Berliner. Für Musik, Kultur und Ruppigkeit. Der Zuschauer sieht die Bewohner der Stadt beim Tanzen oder beim Skifahren auf dem Teufelsberg. Eine Liebesgeschichte zwischen Ost und West wird erzählt.

Ein SFB-Reporter geht einer "alarmierenden Meldung“ nach: "Die Berliner Schrippe“ wurde wieder einen Pfennig teurer und kostet jetzt acht Pfennig." Bilder und Stimmen aus einer anderen Zeit, die durch Zeitzeugeninterviews von heute ergänzt werden.

"In dem Moment erlebst du ja nicht, dass das jetzt ein Schicksalsjahr ist" sagt Alexander Kulpok heute. "Das merkt man erst ein bisschen später. Aber man war ja mitten drin und hat schon gewusst: Das sind historische Momente.“

So entsteht ein buntes, lebendiges Bild Berlins - obwohl die ersten Jahre noch in Schwarz-Weiß gefilmt sind. Es wird deutlich, dass diese Stadt immer beides war, Schauplatz von großen, weltpolitischen Ereignissen und gleichzeitig Kiez und Heimat ganz normaler Menschen. In mancher Hinsicht hat sich Berlin also gar nicht verändert.

Ein Blick in die Vergangenheiten

   

"Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt" wird ab dem 3. November 2018 ausgestrahlt, immer samstags um 20:15 Uhr. Die 30 Folgen sind auf drei Staffeln verteilt. Im Inforadio vom rbb wird die TV-Chronik mit 15-minütigen Beiträgen begleitet.

Sendung: Radioeins, 23.10.2018, 09:40 Uhr

Beitrag von Anton Stanislawski

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Wird es auch über die Mediathek abrufbar sein?

  2. 2.

    Ein schönes Bild vom Alex, so schön wird er wohl nie wieder.

  3. 1.

    Sehr interessante wie spannende Sache...finde ich. Wird dies auch auf DVD erhältlich sein? Es wäre klasse!!!!

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