Modell des Freiheits- und Einheitsdenkmals (Quelle: Imago/Prange)
Audio: Inforadio | 01.10.2018 | Annette Miersch | Bild: imago/Prange

Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals - Eine "Wippe", viele Gerüchte und Missverständnisse

Nachdem die Gelder für das Berliner Einheitsdenkmal bewilligt sind, könnten die Bauarbeiten doch sofort beginnen. Oder? Falsch, sagt der Architekt. Und räumt gleich mit weiteren Gerüchten um die "Wippe" auf. Von Annette Miersch

"Bei diesem Projekt haben wir eins gelernt, nämlich warten", sagt Johannes Milla. Der Geschäftsführer des Kommunikations- und Architekturbüros Milla & Partner kann seinen Unmut nur schwer drosseln. Seit seine Firma vor sieben Jahren den Wettbewerb für das Einheits- und Freiheitsdenkmal gewonnen hat, gibt es immer wieder Gegenwind und viele Missverständnisse.

Wann wird denn nun gebaut?

Eines der neuesten: Der Bau könne jetzt sofort beginnen. Kann er nicht, erläutert Milla. Der positive Bescheid des Haushaltsausschusses von Ende September gehe nun über das Finanzministerium und das Bauministerium zur Bundesbehörde für Bauwesen und Raumordnung. "Die ist unser Vertragspartner. Von denen erwarten wir jetzt in den nächsten Tagen oder Wochen grünes Licht. Dann geht es erst mal los mit der Ausführungsplanung und dann wenn wir nächstes Jahr mit dem Bau beginnen können."

Auch die Gerüchteküche brodelt munter weiter, ärgert sich Johannes Milla. Die "Berliner Zeitung" berichtete von einem neuen Gutachten des Landesdenkmalamtes. Das würde erhebliche Bedenken anmelden. "Dieses Gutachten ist eine Zeitungsente", sagt Milla. "Es gibt kein neues Gutachten. Die Landesdenkmalbehörde hat ihre Bedenken, die sie vor drei Jahren bereits geäußert hat, natürlich bei der Verlängerung der Baugenehmigung noch einmal hinterlegt."
 

Der Sumpf von Berlin

Diese Bedenken lauten: Der sumpfige Standort an der Spree sei gefährlich instabil. Außerdem würden die Bauarbeiten für das Denkmal den historischen Sockel und das Gewölbe darunter gefährden, ja sogar zerstören.

Milla dazu: "Seit Menschengedenken ist bekannt, dass der Berliner Baugrund sumpfig ist. Aber der historische Sockel muss unser Denkmal gar nicht tragen, sondern das Denkmal wird auf einem stählernen Tisch stehen, der wiederum sieben Tischbeine hat und in 40 Meter Tiefe, dort wo dier Berliner Grund fest wird, verankert sein wird."  

Online-Petition für anderen Standort

Auf Nachfrage bei der Senatsbauverwaltung, ob es den nun ein neues Gutachten oder neue Erkenntnisse gibt, zuckt man in der Pressestelle mit den Schultern, man wisse nichts darüber. Nur, dass die Rechts- und Sachlage sich nicht verändert habe. Deshalb wurde im September auch die ausgelaufene Baugenehmigung verlängert.

Die Öffentlichkeitskampagnen der Denkmalgegner hören derweil nicht auf. Die sammeln nun Unterschriften für eine bundesweite Online-Petition gegen den Standort vor dem Schloss. Architekt Sebastian Letz von Milla & Partner hält weiter dagegen: Der Standort sei alternativlos, zudem sei dieser Auswahl eine breite Diskussion im Deutschen Bundestag vorausgegangen, sagt Letz. "Es gab verschiedene Standorte und dieser Standort ist gewählt worden weil er im Osten liegt, weil hier der Palast der Republik gestanden hat, weil hier die Volkskammer der DDR den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland beschlossen hat, weil die größte Demonstration, die stattgefunden hat in der friedlichen Revolution genau an diesem Ort vorbeigegangen ist. Und deshalb ist dieser Standort richtig."

Die Baugenehmigung für das Freiheits- und Einheitsdenkmal ist nur ein weiteres Jahr gültig. Die Oberste Bauaufsicht des Landes kann sie noch zwei Mal verlängern, dann verfällt sie.
 

Sendung: Inforadio, 01.10.2018, 17.00 Uhr

Beitrag von Annette Miersch

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Liebe Politiker,

    ihr wollt immer näher am Menschen sein aber hier wird der Wille des Volkes scheinbar missachtet. Bei einer Umfrage möchte ein Großteil der (Berliner) Bevölkerung dieses Denkmal nicht, auch Politiker, der BUND Naturschutz und das Berliner Landesdenkmalamt kritisieren das geplante Denkmal. Was macht aber der Haushaltsausschuss, er gibt die Gelder für dieses Denkmal frei.

    Unseren Politikern ist es egal, ob der Sockel beschädigt oder die Fledermäuse vertrieben werden. Hauptsache die "Obstschale" kommt vor das neue Stadtschloss. Hinter dem Schloss die moderne Ostfassade und die Rathausbrücke, vor das Schloss eine viel zu große "Obstschale". Es kommt mir manchmal vor wie ein großer Spielplatz, nur keine Schönheit (Rossbändiger, Adlersäule, Neptunbrunnen) zulassen.

  2. 7.

    Selbstbeweihräucherung von angeblichen Volksvertreterern. Anders kann man das nicht ausdrücken.
    Noch ein Millionengrab mehr und auf den Straßen des Landes frieren und hungern Menschen weil sie kein Geld haben.
    Es gibt so viel sinnvolle Möglichkeiten das Geld einzusetzen (z.B. Arche und Strassenkinder e.V.). Bessere jedenfalls als die Kohle irgenwelchen, dahergelaufenen Möchtegernarchitekten in den nimmersatten Hals zu werfen.
    Wer das entschieden hat, sollte bitte dieses“Denkmal“ auch selbst bezahlen!

  3. 6.

    Es gibt noch keine Einheit ; man soll diesen Unsinn lassen und das Geld für soziale Projekte ausgeben !

  4. 5.

    Da kann man nur mit dem Kopf schütteln! Wozu braucht man ein dermaßen aufgeblasenes Einheitsdenkmal. Das Geld kann man anderweitig (z.Bsp. für Kindergärten, Schulen, Pflegekräfte) besser verwenden. Die verantwortlichen Politiker, die hier zugestimmt haben, sollten auch persönlich dafür bezahlen. Vielleicht werden die Damen und Herren dann mal wach....

  5. 4.

    Hallo,

    vielleicht sollte man mal eine Volksbefragung starten, ob die Berliner Bürger dieses Denkmal überhaupt wollen.
    Ich persönlich kann mit diesem Entwurf überhaupt nichts anfangen. Außerdem ist der Platz wirklich falsch, denn architektonisch passt das gar nicht zum Schloss. Wenn unser Palast der Republik noch stehen würde, dann vielleicht. Aber so ist es nur Geldverschwendung und Verschandelung der Landschaft, genauso wie das Holocaustdenkmal in der Nähe vom Brandenburger Tor. Das passt auch nicht ins Stadtbild und hätte m.E. eher in Grunewald aufgestellt werden sollen, von wo die Züge in die Lager fuhren.

  6. 3.

    Blast diesen Unsinn endlich ab und verwendet das Geld für sinnvolle Aufgaben. Im Jahr der eventuellen Fertigstellung braucht das kein Mensch mehr um der angeblichen Einheit zu Gedenken.

  7. 2.

    Hallo,

    vielleicht sollte man mal eine Volksbefragung starten, ob die Berliner Bürger dieses Denkmal überhaupt wollen.
    Ich persönlich kann mit diesem Entwurf überhaupt nichts anfangen. Außerdem ist der Platz wirklich falsch, denn architektonisch passt das gar nicht zum Schloss. Wenn unser Palast der Republik noch stehen würde, dann vielleicht. Aber so ist es nur Geldverschwendung und Verschandelung der Landschaft, genauso wie das Holocaustdenkmal in der Nähe vom Brandenburger Tor. Das passt auch nicht ins Stadtbild und hätte m.E. eher in Grunewald aufgestellt werden sollen, von wo die Züge in die Lager fuhren.

  8. 1.

    Diesen Mist braucht kein Mensch. Aber Berlin bekommt wieder einmal einen vermeintlichen Touristenmagneten. Ein Land das mehr entzweit als Einheit ist und nur auf dem Papier und Fläche eins ist, solchen in Beton gegossenen Blödsinn hinzustellen zeugt davon, wie weit Realität und Wunsch noch immer entfernt voneinander sind. Und kassieren und ausführen werden es sicher welche, dienmituder Stadt wieder einmal nichts zu tun haben ausser Geschäftsräume und Profit. Echte Berliner würden so etwas nie entworfenen haben.

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