Archivbild: Die südkoreanische Boyband Bangtan Boys während eines Konzertes in Seoul im Februar 2014 (Bild: dpa/Yonhap)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.10.2018 | Kathrin Erdmann | Bild: dpa/Yonhap

Konzertkritik | Bangtan Boys in Berlin - Das große Wir-Gefühl

Die koreanische Band Bangtan Boys hat am Dienstag in der Berliner Mercedes Benz Arena gezeigt, wie Popmusik heute funktioniert. Fans campierten seit Tagen vor der Halle, um die sieben Jungs zu sehen. Am Ende flossen Tränen. Von Regina Lechner

Für viele Besucher war es das erste große Konzert in ihrem Leben. Sie sind mit Mutter oder Vater angereist, da sie noch nicht alt genug sind, um den Auftritt alleine zu sehen. Manche haben hunderte Euro für den Abend ausgegeben, für Flug, Hotel, das Ticket und natürlich den Merchandise. Wer die Bangtan Boys, kurz BTS, liebt, dem ist es das wert.

Schon seit Samstag warteten die ersten Fans vor der Mercedes Benz Arena, um beim Konzert in der ersten Reihe zu stehen. Am Dienstagabend war es endlich soweit - und am Mittwoch wird es ein weiteres Konzert geben. Beide sind längst ausverkauft, wie auch der Rest ihrer "Love Yourself"-Tour rund um die Welt. BTS ist ein Phänomen, das weit über die Grenzen Koreas hinausgeht.

Sprache ist zweitrangig

Dazu hat sicherlich beigetragen, dass die sieben Jungs  nicht mehr nur Koreanisch, sondern immer wieder auch einige englische Zeilen singen. "Fake Love", "Idol" und immer wieder "Let’s go": Das versteht jeder, dafür sind keine großen Englischkenntnisse notwendig - und selbst wenn nicht, wird die Botschaft über die Musik und die Performances trotzdem klar.

Eigentlich ist das Rezept für BTS ein wenig zu einfach: gutaussehende Jungs, die gut singen und gut tanzen – und das tun sie auch live und in Farbe. Fans betonen aber immer wieder, dass es gerade die Texte, die Botschaften in den Songs seien, die BTS so einzigartig machen. Und so singt das Publikum nicht nur die eingängigen Textpassagen mit, einige sind sogar in den Rap-Passagen auf Koreanisch textsicher.

Liebt Euch selbst!

In den Songs geht es um Themen wie Selbstliebe und den Umgang mit Depressionen und Ängsten. Aber die Jungs wissen auch, wie man Party macht. Ihre Musik ist eine Mischung aus typischem Boygroup-Pop, Electronic Dance Music und Rap - die koreanische Supergroup deckt viele Musikgeschmäcker ab.

Für ihre unterhaltsame Bühnenshow packen sie mal die Konfettikanone, mal die Seifenblasen- oder die Nebelmaschine aus. Die Umbaupausen ziehen sich oft lange hin. Währenddessen laufen Clips über die Leinwände, in denen die Bandmitglieder V, Suga, Jin, Jungkook, RM, Jimin und J-Hope abwechselnd in Großaufnahme auf die rund 17.000 Besucher herabschauen. Die überlebensgroßen Projektionen reichen aus, um die jungen Mädchen zum Kreischen zu bringen.

Wir sind eine Familie

Doch wirklich besonders an BTS ist, wie sehr sie immer wieder die Nähe zu ihren Fans betonen. Die stellen sie auch über ihre Social-Media-Kanäle her, was sicherlich einen großen Teil ihres Erfolgs ausmacht. Doch vor allem bei ihrem Live-Auftritt wird das deutlich. Nach dem ersten Song haben sich alle Bandmitglieder in einer Reihe aufgestellt und jeder spricht eine kurze Botschaft an die Fans.

Sie betonen, wie sehr es sie bewegt, dass so viele Menschen gekommen sind. Sagen, dass sie und die Fans enge Freunde, ja eine Familie sind. Alle sieben haben "Guten Abend" auf Deutsch gelernt und sie freuen sich sichtlich über den Applaus, den sie dafür bekommen. Am Ende das gleiche Spiel erneut: Minutenlang lässt jeder der sieben den Abend noch einmal Revue passieren, erzählt eine kleine persönliche Geschichte und wie sehr sie sich jetzt schon auf das nächste Deutschland-Konzert freuen.

Die koreanische Band Bangtan Boys posiert am 07.07.2018 auf einer Pressekonferenz in Taipei. (Quelle: dpa/Udndata/Imaginechina)
Die siebenköpfige Band während einer Pressekonferenz in Taipei. | Bild: dpa/Udndata/Imaginechina

Konzept geht komplett auf

Für die letzten beiden Songs haben sie dann auch die immer wechselnden Glitzeroutfits beiseitegelegt und sich in Jeans und weißes T-Shirt gekleidet, quasi von Superman zu Clark Kent. Dann war nämlich "A.R.M.Y-Time": Die Stücke sind den Hardcore-Fans von BTS gewidmet. Ihren Fanclub hat die Band selbst A.R.M.Y (für "Adorable Representative M.C for Youth") genannt. Die Normalo-Kluft macht erneut klar: Wir sind wie ihr - und zusammen sind wir eine Familie.

Dieses Konzept geht komplett auf. Zahlreiche Besucher verlassen die Halle schluchzend. Es sind Tränen vor Freude über den Abend. Draußen vor der Arena bilden sich dann noch einmal große Menschentrauben. Laut werden BTS-Songs gehört und mitgegrölt, viele tanzen die Choreografien der Band nach. Auch hier: ein großes Wir-Gefühl.

Vorfreude auf die Bangtan Boys in der Mercedes Benz Arena einen Tag vor ihrem Aufritt am 16. und 17.10.2018. (Quelle: rbb/Hannah Demtröder)
rbb/Hannah Demtröder

Sendung: Fritz, 17.10.2018, 07:10 Uhr

Beitrag von Regina Lechner

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10 Kommentare

  1. 9.

    BTS haben viele Fans. Natürlich sind darunter auch Menschen die die Privatsphäre verletzen. Aber überall gibt es Fans die dies tun und das nicht nur bei BTS oder anderen Koreanischen Bands. Aber sehr viele Armys finden das nicht gut, sind sehr respektvoll und freundlich. Also nur weil “paar” Fans respektlos sind heißt es nicht das alle so sind. Nebenbei waren diese Fans beim falschen Hotel.
    “Und damit habe ich diese Gruppe auch schon wieder vergessen.” Sie sollten dann am liebsten von niemanden ein Fan werden. Jeder berühmte Mensch hat sowelche Fans! Und außerdem sollten sie nicht nur die Fans mögen, sondern auch die Musik.

  2. 8.

    Vielen Dank für diesen Artikel. Gerade im Vergleich zu anderen Berichten über BTS und K-Pop, die man sonst so im Deutschen Mainstream hört und sieht, scheinen Sie sich schon deutlich mehr Mühe bei der Recherche gegeben zu haben, ohne alles sofort abzustempeln und mit den Backstreet Boys zu vergleichen.
    Eine kleine Korrektur hätte ich allerdings für Sie: Die "ARMY Time" im Konzert hat nichts mit den Liedern zu tun, die als nächstes kommen und diese sind auch nicht den Hardcore-Fans gewidmet. Zu fast jedem Konzert organisiert ARMY gemeinschaftlich ein Fanprojekt, um BTS unsere Dankbarkeit und Wertschätzung zu zeigen. In Berlin war es z.B. ein Banner mit der Aufschrift "Bangtan ist unsere blaue Oase in der Wüste" (das ganze natürlich auf Koreanisch). Jeder Konzertbesucher bekommt einen Banner. Zur "ARMY Time" werden diese dann hochgehalten und den Jungs präsentiert.
    Vielen Dank für Ihre Offenheit und die respektvolle Berichterstattung über BTS und ARMY.

  3. 7.

    Da waren sehr wenige Fans und es hat niemand rumgebrüllt. Sogar 2 Polizisten waren vor Ort und haben mit dem Hotelpersonal gesprochen, da war alles ok. Die Fotos, die rumgeschickt wurden, zeigen größtenteils Touristen, da das Hotel direkt am Brandenburger Tor liegt. Es ist nicht mal sicher, ob die Band überhaupt in eben diesem Hotel war.
    Das ist sehr schade.
    Was viele Fans aufregt, ist die Tatsache, dass immer von durchdrehenden Teenies gesprochen wird, ein sehr großer Teil aber völlig normal und erwachsen ist.

  4. 6.

    ..wenn die Eltern bereit, willens und in der Lage sind ihren Kindern den Eintrittspreis für den Innenraum über 211,00 Euro zu zahlen scheint es uns nicht schlecht zu gehen

  5. 5.

    Sie können oder wollen es einfach nicht lassen. Nochmal für Sie zum Nachdenken: waren Sie niemals jung? Oder hatten Sie vielleicht niemals die Möglichkeit sich Ihren Teenagerträumen hinzugeben? Schon im ersten Satz beweisen Sie dies recht deutlich.

  6. 4.

    Das Schlimmste an solchen Artikeln sind beleidigte Fans, die die große Krise bekommen, wenn irgendwas nicht einhundertprozentig ist. Na ja, hab gelesen, dass die besonders Krassen vor einem Hotel rumgeschrien haben. Tolle Fans, nicht mal Privatsphäre kennen die. Und damit hab ich diese Gruppe auch schon wieder vergessen.

  7. 3.

    Hallo GranatApfel, danke für den Kommentar! Die Konzertkritik ist nicht neutral, sondern eine meinungsäußernde Darstellungsform, sie verbindet Meinung und Information. Den Hinweis zum Fanclub haben wir ergänzt.

  8. 2.

    Davon ab, das leichte Überheblichkeit über der Beschreibung von einem ausgebrüteten BoyBand Konzert herauszuhören ist, ist einiges wohl Geschmackssache, fair enough.
    Wenn man ein paar mehr Artikel als die ersten drei auf google recherchiert, findet man eigentlich sehr schnell heraus wieso dieses "wir sind wie ihr" so stark im Vordergrund steht.
    Das ist nicht nur ein Konzept mit dem man Fans einfangen will. Viele haben BTS in ihren Anfangsjahren begleitet und da waren sie genau das: gewöhnliche Jungs, ohne Geld, nur mit Ambitionen. Das wissen die Jungs selbst am besten - sie bleiben bescheiden, sehen sich kritisch und arbeiten hart.
    Wäre diese Band nur ein gut geglücktes konzipiertes Projekt, würde es nicht die Wellen schlagen, die es tut - es gibt genug tolle Bands in Korea, die alle hübsch aussehen, tanzen, singen, Rappen können.
    "Familie" ist nicht nur ein Konzept, das sich BTS ausgedacht haben und mit dem sie sich promoten. Sie leben es und die Fans leben es mit ihnen.

  9. 1.

    Hallo,
    Zuerst einmal : Kritik ist immer gut, weil man sich dadurch weiterbessern kann. Allerdings finde ich diesen Artikel nicht wirklich neutral gehalten. Meiner Meinung nach ist in jedem Satz ein wenig Sarkasmus enthalten der alles ins lächerliche ziehen soll. Aber vielleicht bilde ich mir ja das auch nur ein.ü
    Was mich allerdings am meisten 'Enttäuscht' ist die Tatsache dass sich nicht wirklich über A.r.m.y informiert wurde. Fans haben sich diesen Namen *nicht* selbst gegeben. Bts hat den Namen an ihre Fans gegeben.
    A.r.m.y steht für : Adorable Representatives of MC youth
    Und diesen Namen trägt ihr Fandome nicht erst seit gestern.
    Mfg GA

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