Die Sängerin Kovacs während eines Konzertes in Jena (Bild: imago)
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Audio: Inforadio | 17.10.2018 | Magdalena Bienert | Bild: imago

Konzertkritk | Berliner Huxleys - Sharon Kovacs ist ein Knaller

Eine wirklich außergewöhnliche Stimme konnte man am Dienstagabend in Berlin-Neukölln erleben: Die niederländische Sängerin Kovacs war im Huxleys zu Gast. Selbst Schuld, wer das verpasst hat! Von Magdalena Bienert

Sharon Kovacs ist sowohl eine optische als auch eine stimmliche Erscheinung. Seit sie 17 Jahre alt ist, rasiert sie sich den Kopf. An diesem Abend sind die raspelkurzen Haare blond gefärbt, dazu trägt sie eine schwarze, elegant-coole Marlene-Hose und ein transparentes Oberteil, durch das der schwarze BH schimmert.

Bei den ersten Lieder ihres neuen Albums meidet sie Fan-Kontakt und ist schwer einzuschätzen. Mit ihrer samtig-dunklen Stimme könnte die 28-Jährige eine Diva sein - oder auch ziemlich schüchtern.

Aber dann beginnt die Holländerin in gutem Deutsch eine Konversation und alle Zweifel sind weggewischt. "Ich spiele gern in Berlin, ich habe auch ein Jahr in Berlin gewohnt." Applaus, die Sängerin muss lachen. Mit charmantem Akzent und kleinen grammatikalischen Fehlern geht es weiter: "Ja, aber dann ich musste zurück und eine neue Band finden und das habe ich getan!"

"Ach, ist die süß", raunt eine Frau ihrer Freundin neben der Kritikerin ins Ohr. Tatsächlich hätte man Kovacs zu gern in ihrer Berlin-Zeit mal auf ein Kaltgetränk getroffen, das wäre sicher ein lustiger Abend geworden. Dass Sharon Kovacs zurück nach Eindhoven musste, um sich eine neue Band zu suchen, weil ihr Produzent nebst der alten plötzlich weg war, mag in dem Moment tragisch gewesen sein, aber ihre neue Crew ist auch hervorragend. Keine Spur davon, dass die acht Musiker noch gar nicht so lange zusammen Musik machen.

Düstere Stimmung, sparsame Visuals

Mehrere Songs verschwimmen ganz organisch zu einem. Der Basslauf schmiegt sich an Kovacs Stimme, während die Trompete als Geländer dient. Zwei Backgroundsängerinnen, eine Gitarristin und zwei Schlagzeuger runden diese regelrechte Konzertinszenierung ab. Die Lichtstimmung ist mystisch-düster, dunkelrot bis dunkelgrün oder nur schwarz-weiß, Nebel wabert vor sparsamen Visuals, die in einer Art Bullauge im Hintergrund laufen - unaufdringlich, aber passend.

Kovacs klingt mal nach orchestralem James-Bond Soundtrack ("My Love" vom Debut aus dem Jahr 2015), dann verarbeitet sie die krankhafte Beziehung zum Ex ("Adickted", ein Wortspiel, von ihrem aktuellen Album "Cheap Smell"), der ein Junkie war, oder das schwierige Verhältnis zu ihren Eltern ("Mama & Papa"). Ein anderes Mal geht es um mitternächtlichen Sex ("Midnight Medicine") oder sie huldigt in einem der fluffigsten Lieder dem Wochenende ("It's a Weekend").

Immer wieder quasselt sie auf Deutsch los, verheddert sich in den Vokabeln und der Grammatik und hängt sich gespielt beschämt an den Mikrofonständer. Sharon Kovacs ist ein Knaller. Das Huxleys ist nicht ausverkauft, der Oberrang geschlossen. Selbst Schuld, kann man da nur sagen, wer die Chance auf den Abend mit dieser sympathischen Sängerin mit der besonderen Stimme verpasst hat.

Sendung: Inforadio, 17.10.2018, 06:55 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

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