Hayley Kiyoko auf der Bühne (Quelle: imago/MediaPunch)
Audio: Inforadio | 06.11.2018 | Susanne Bruha | Bild: imago/MediaPunch

Konzertkritik | Hayley Kiyoko im Huxleys - Gefeiert als "Lesbian Jesus"

Glitzer, Glamour, Regenbogenflaggen - alles sieht aus wie bei einer Demo für LGBTIQ-Rechte, es ist aber das Konzert von Hayley Kiyoko in Berlin. Mit ihren Liedern über die Liebe zu Frauen füllt die 27-Jährige Konzerthallen - nicht nur in den USA. Von Susanne Bruha

Das Publikum im Huxleys sieht aus, als wäre es zu einer Demo für LGBTIQ-Rechte zusammengekommen: junge Frauen gehüllt in Regenbogenflaggen, die Gesichter voll mit Glitzer. Viele lesbische Pärchen und einige schwule sind zum Konzert der Popmusikerin Hayley Kiyoko gekommen.

Zu fett und bombastisch

Als Hayley Kiyoko in Berlin um kurz nach 21 Uhr auf die Bühne kommt - in grüner Camouflagehose mit glitzerndem schwarzen Sweatshirt, die langen Haare blond gefärbt - fliegt ihr zunächst der Sound um die Ohren. Zu fett und bombastisch ist das alles produziert, Kiyokos Stimme viel zu leise eingestellt. Sie und ihre Band, bestehend aus Schlagzeugerin, Keyboarderin und Gitarrist, brauchen den ganzen ersten Song lang, um sich in dem Geschepper zurechtzufinden und auf der Bühne anzukommen.  

Unter dem Kreischen der Menge quetscht sich Kiyoko ans Keyboard, spielt ein paar Tasten, twerked und tanzt aufreizend mit der Keyboarderin. Mit Song zwei haben sich Sound und Saal eingespielt. "What I need" ist eines von mehreren Liebesliedern vom Debütalbum "Expectations", der adressiert ist an eine Frau. Und auch die Frauen im Publikum des Huxleys sind textsicher.

Sie wird gefeiert als "Lesbian Jesus"

Hit folgt auf Hit. Der nächste Song "Girls Like Girls" stammt von der EP "This Side of Paradise" (2015). Dieser Song war Kiyokos Durchbruch in den USA.

Als Schauspielerin erlebt die 27-jährige Kalifornierin Highschool-Abenteuer in Filmen auf dem Disney-Channel - als Musikerin geht sie andere Wege: Offen singt Kiyoko über ihre Liebe zu Frauen. Das füllt im prüden Amerika eine Nische - und Kiyoko die Konzerthallen.

Und auch in Berlin fliegen ihr jetzt die Herzen und Textzeilen aus dem Saal nur so zu. In den ersten Reihen werden ausgedruckte A4-Plakate hochgehalten. Sie zeigen Kiyoko als Jesusfigur. Als "Lesbian Jesus" wird die Kalifornierin seit dem Erscheinen des Videos von "Girls Like Girls" 2015 von der queeren Community verehrt. In dem Video vermöbelt Kiyoko einen Jungen, der etwas gegen ihre Liebe zu einem Mädchen hat. Sie gewinnt und knutscht am Ende mit der Angebeteten am Pool.

"Sei wer du bist und liebe, wen du willst!"

Im Huxleys fliegen jetzt BHs auf die Bühne, der ganze Saal schwenkt die Arme von links nach rechts und spätestens jetzt ist klar: Dieses Konzert ist eine Demo. Sie feiert die lesbische Sichtbarkeit im Mainstream-Pop. Der Rest des Abends ist eine Mischung aus knackigen Popsongs mit eingängigen Hooks und ruhigeren Liedern. Textlich geht es bei Hayley Kiyoko viel um Selbstliebe, Empowerment und die Botschaft: "Sei wer du bist und liebe, wen du willst!" Ein echtes Role-Model, diese Frau.

Sendung: Inforadio, 06.11.2018, 07:55 Uhr

Beitrag von Susanne Bruha

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