09.11.2018, Berlin: Eine glänzende Fahne mit der Aufschrift „Die Vielen" hängt bei der Pressekonferenz zur „Berliner Erklärung der Vielen" hinter Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast, und Kathrin Röggla, Vizepräsidentin Akademie der Künste (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: rbb24 | 09.11.2018 | Bild: dpa/Christoph Soeder

"Erklärung der Vielen" - Berliner Kultureinrichtungen gründen Bündnis gegen Rechts

In Berlin haben sich mehr als 140 Kulturinstitutionen zu einem Bündnis gegen Rechts zusammengeschlossen. Die Initiatoren stellten am Freitag eine "Erklärung der Vielen" vor, in der sie sich zum Engagement gegen Nationalismus und Intoleranz sowie für die Freiheit der Kunst verpflichten.

Angeschlossen haben sich in Berlin die meisten großen Kulturinstitutionen wie die drei Opernhäuser, die großen Theater, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Berliner Festspiele der Aktion. Auch zahlreiche kleinere Häuser und freie Initiativen sind vertreten.

"Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteure dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber", heißt es in der Erklärung. Die Unterzeichner wollten "kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda bieten". Stattdessen würden sie sich solidarisch mit Menschen zeigen, "die durch eine rechtsextreme Politik immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden".

Rettungsdecke als Symbol

Der Anstoß kam von dem 2017 gegründeten Verein "Die Vielen". Ähnliche Bündnisse starteten am Freitag auch in Düsseldorf, Hamburg und Dresden. Den Veranstaltern zufolge haben sich bundesweit rund 300 Kulturinstitutionen angeschlossen.

Gemeinsames Symbol ist eine gold-glitzernde Rettungsdecke, die von allen als Erkennungszeichen genutzt werden soll. Nach lokalen und selbstorganisierten Veranstaltungen in ganz Deutschland sind im Mai 2019 bundesweit "Glänzende Demonstrationen" geplant.

"Wer einen angreift, hat 140 an der Backe"

"Ich hoffe, wir werden den Rechten von heute an das Leben deutlich schwerer machen", sagte Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, der Dachorganisation von mehr als 250 Bundeskulturverbänden, in Berlin. Gerade in kleineren Orten sei der Druck von Rechts dramatisch gewachsen.

Dietmar Schwarz, Intendant der Deutschen Oper Berlin, sagte die Unterstützung der gesamten Deutschsprachigen Opernkonferenz zu. Kai Uwe Peter von der gastgebenden Stiftung Brandenburger Tor erinnerte an die besondere Verpflichtung der Deutschen, nach den Verbrechen der Nazizeit für Freiheit und Toleranz einzustehen: "Jeder von uns unterstützt mit der Kultur die Demokratie", sagte er.

Wie Theater-Intendantin Annemarie Vanackere (HAU) rief auch der Chef des Friedrichstadt-Palasts, Berndt Schmidt, zum Zusammenhalt untereinander auf. "Wer einen von uns angreift oder herausgreift, hat ab sofort 140 an der Backe", sagte er. "Ab heute sind wir nicht mehr allein auf weiter Flur. Ab heute sind wir viele." Schmidt hatte im vergangenen Jahr nach seinem Eintreten gegen Rechtsextremismus sein ganzes Haus wegen einer Bombendrohung räumen lassen müssen.

Sendung: Abendschau, 09.11.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Wie gut könnte es uns allen nur gehen, wenn jeder Acht auf den Nachbarn nähme, egal ob links, rechts oder in der Mitte, und mal darüber nachdenkt, was und verbindet, statt unterscheidet?

    Wenn jeder mal kurz über sein verletztes Ego steigt, drei Schritte zurück macht und versucht zu sehen, wo das ganze hinführt? Was kann ich geben statt nehmen?

    Wo kann ich meine wertvolle Energie investieren statt sie im Kapf jemandem anderen zu stehlen?

    Haben wir etwa vergessen, Menschen zu sein?

  2. 5.

    So wenig ununterscheidbar im Zweifelsfall Linksextremisten und Rechtsextremisten in ihrem Auftreten sind - hier Springerstiefel, schwarze Kapuzenjacke und Schiebermütze, dort Springerstiefel, weiße Kapuzenjacke und Glatze - so sehr unterscheiden sie sich doch in ihrer Zielsetzung.

    Das Vorgehen wir nicht bagatellisiert, wenn an das Ziel angeknüpft wird und sich dann im nächsten Schritt von unlautbaren Methoden derjeniger distanziert wird, die Ziele mit unerträglichen Mitteln durchsetzen wollen. Was die Ziele angeht, steht die Gleichheit der Menschen voreinander tausendmal vor der Theorie der Rassen, der wertvolleren und wertloseren Rassen, der Theorie, dass es zwischen Wertschaffenden und Wertraffenden zu unterscheiden gelte.

    Letztgenanntes, was nicht nur die Springerstiefel-Bewehrten mit Glatze, sondern auch diejenigen in Tweedjackets, diejenigen in Schlips & Anzug auf dem Börsenparkett vertreten. - Kultur war immer schon "größer" als die Enge eines Nationalstaates.

  3. 4.

    Wie wäre es mal mit einem "Bündnis gegen Links"??
    Hier gäbe es auch eiiges zu tun.
    Siehe Rigaer Strasse usw.

  4. 3.

    Wenn sie wieder mal gutes Theater machen würden, wäre uns allen mehr geholfen. Die Opern- und Theaterszene at gruselig geworden.

  5. 2.

    Wie man sieht sind die Damen und Herren auf dem Linksextremistischen/Terroristischen Auge blind. Das Problem sind nicht die rechten Aktivisten, sondern die, die jeden als rechts denunzieren nur weil man sich erlaubt eine eigene Meinung zu haben, außerhalb der Staatspropaganda.

  6. 1.

    „Berliner Kulturschaffende gründen Bündnis gegen Rechts“, wäre die zutreffende Überschrift. Denn die Intoleranz gegen die sie sich angeblich wenden, ist im Sinne von „linientreuer Haltung gegen Rechts“ ganz auf ihrer Seite. Wen wunderts, hängt deren Lebensunterhalt doch ganz überwiegend von staatlichen Subventionen, also von rot-rot-grüner Politik ab. Wes Brot ich es, des Lied ich sing. Parallelen zur DDR sind unverkennbar, nicht nur bei Preisverleihungen.

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