In Memoriam: Berliner Locations die 2019 verschwinden
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Rückblick Club-Szene | Rosi's, Bassy und Co. - RIP - Diese Berliner Clubs und Läden mussten 2018 gehen

Auch 2018 sind wieder zahlreiche Berliner Institutionen gestorben, weil sich die Inhaber die Mieten nicht mehr leisten konnten - oder ihre Clubs, Bars, Läden und Kulturstätten nicht mehr ins Konzept passten. 2019 trifft es weitere. Von Vanessa Klüber

"Auf gut Deutsch: Der Drops ist gelutscht." Das sagt eine Mitarbeiterin im Kraftkombinat: Das inhabergeführte Sportstudio im Gleimkiez, Schönhauser Allee, muss zum 31. Januar 2019 nach rund 20 Jahren raus, ohne Ersatz. "Wir hätten gerne weitergemacht, aber der Vertrag wurde nicht verlängert."

Gefeiert, getanzt, gegessen - gekündigt

So geht es in Berlin also 2019 weiter, wie schon die Jahre zuvor: Die Mieten steigen, die Kieze wandeln sich, Gewerbemietverträge sind leicht zu kündigen - für sie gibt es keine Mietpreisbremse und keine Bindung an den Mietspiegel. Und so werden weitere Berliner Institutionen begraben. Inhabergeführte Stätten, Bars, Clubs und Läden, die wir über die Jahrzehnte liebgewonnen haben, in denen wir gekauft, getrunken, getanzt haben. Wir sagen Tschüß und Rest in Peace.

Schließungen in Friedrichshain-Kreuzberg

Wer Was   Wann   Wo
Eiszeit 🎞️ Kino ⭐ 1985
✝️ Mai 2018
Zeughofstraße 20,
Kreuzberg
Jonny Knüppel 🎨Kulturstätte ⭐ 2015
✝️ 01.05.2018
Schleusenufer 4A,
Kreuzberg
Weltrestaurant/
Herr Lehmann-Kneipe
🍽️ Restaurant ⭐ 1993
✝️ 01.08.2018
Kreuzberg
Eisenbahnstraße 42/43
Rosi's 🍹 Bar und Club ⭐ 2003
✝️01.01.2019
Revaler Str. 29
Friedrichshain
Kamil Mode 👗 Bekleidung ⭐ 2002
✝️ 01.01.2019
Kottbusser Damm 9
Kreuzberg

Punkhaus Potse-Drugstore

Das Punkhaus Potse-Drugstore muss seinen Schlüssel am 31. Dezember abgeben. Das autonome Jugendzentrum ist eine Institution in Schöneberg, seit 1972 dröhnen sich dort Punks und Linksalternative mit Gitarrenmusik zu. Hier ist nicht ganz Schluss: Die Institution zieht in ein anderes Haus in der Potsdamer Straße ein, allerdings wird sie flächenmäßig halbiert. Auch werden die Gitarren verstummen: Konzerte sind dort aus Lärmschutzgründen nicht erlaubt.

Bars und Clubs

Eine Reihe von Bars und Clubs machen zu: Bassy Club in Prenzlauer Berg, das Rosi's in Friedrichshain, das Jonny Knüppel in Kreuzberg, das Hafen in Schöneberg, das Syndikat in Neukölln, die Bar Babette in Mitte - sie hat aber eine neue Bleibe in Neukölln gefunden. Ungeklärt ist laut Clubcommission noch die Situation des von Schließung bedrohten Privatclubs an der Skalitzer Straße in Kreuzberg.

Auch alteingesessene Gemüseläden, Mode, Kinderläden sind bald weg vom Fenster. Oft ist das unfreiwillig, weil die Mieten steigen, nicht mehr gezahlt werden können oder weil die Vermieter ein neues Konzept wollen.

Schließungen andere Bezirke

Wer Was Wann Wo
Kapelle 🍽️Lokal ⭐ um 1990
✝️ 09.2018
Zionskirch Str. 22 - 24
Mitte
Punkhaus Potse-Drugstore 🎸 Autonomes Jugendzentrum ⭐09.1972
✝️01.01.2019
Potsdamer Straße 180 Schöneberg
Café Orange 🍽️ Restaurant ⭐ 1993
✝️25.10.2018
Oranienburger Straße 32
Mitte
Musik-Oehme 🎵 Musikladen ⭐ 1951
✝️01.08.2018
Onkel-Tom-Straße 3
Zehlendorf
Hafen 🍹 Bar und Club ⭐ 1990
✝️03.01.2019
Motzstraße 19
Schöneberg
Syndikat 🍺 Kneipe ⭐ 1985
✝️01.01.2019
Weisestraße 56
Neukölln

Obst & Gemüseladen

Manchmal hat eine Schließungnicht nur schlechte Seiten für die Betreiber, wie beim "Obst & Gemüseladen" in der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Der Laden muss grundsaniert werden. Die langen Arbeitszeiten von 4 Uhr morgens bis 21.30 Uhr abends seien belastend für seine Eltern, sagt der Sohn der Betreiber, Duc Ngo Ngoc.

Auf der anderen Seite wird die Miete nach der Grundsanierung voraussichtlich ansteigen, so dass sich der Betrieb für die Besitzer nicht mehr lohnt. "Die Urberliner, die wir vor 10 Jahren als Kunden hatten, sind gar nicht mehr da, weil sie weggezogen sind. Die waren ja vor allem unsere Hauptkunden, die immer so für 30 Euro pro Tag eingekauft haben."

Zudem hätten die Supermärkte länger auf und die Biomärkte seien gefragter. "Das Stadtbild in Prenzlauer Berg ist jetzt ein anderes. Da passt unser alter Obst & Gemüseladen nicht mehr rein", sagt Ngoc.

Schließungen in Pankow

Wer Was Wann Wo
Café Niesen ☕ Café ⭐ 2005
✝️ Oktober 2018
Schwedter Str. 78
Prenzlauer Berg
Bassy Cowboy Club 💃🏻 Club ⭐ 2006
✝️ 01.05.2018
Schönhauser Allee 176A
Prenzlauer Berg
Obst & Gemüse 🍎 Lebensmittel ⭐ 2003
✝️ 01.01.2019
Schönhauser Allee 89
Prenzlauer Berg
Kraftkombinat 🏋️ Sportstudio ⭐ 1998
✝️ 01.02.2018
Gleimstraße 36

Kamil Mode

Für andere dagegen ist so eine Schließung eine Katastrophe: Kamil Mode, ein kleiner Laden am Kottbusser Damm, soll auch zum 31.12. raus. Der 60 Jahre alte Ladenbesitzer Hassan Qadri leitet seit Mai 2002 das Geschäft für Damen-Oberbekleidung, Übergrößen und Accessoires mit hauptsächlich türkischer und arabischer Kundschaft.

Der Vermieter habe ohne Begründung gekündigt. Abgeben will Qadri seinen Schlüssel vorerst nicht. "Ich weiß nicht wohin ich soll", sagt er, "einen neuen Laden zu finden, ist sehr schwer." Die Sachen können nirgendwo einlagern, dazu habe er keinen Platz. Er hoffe noch auf Unterstützung.

Die Liste toter Institutionen ist nicht vollständig. Welche vermissen Sie schmerzlich? Schreiben Sie es in die Kommentarspalte! Dankeschön.

Beitrag von Vanessa Klüber

Kommentar

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31 Kommentare

  1. 31.

    ..hab gerade nochmal hier reingeschaut und Ihre Antwort gelesen..Ihre Zustimmung hat mich gefreut (Dank dafür) , aber ..eigentlich sollten wir uns empören über all das, was um uns herum in dieser Stadt "falsch" läuft ( z.B. Bildung, Mieten, Kneipen-ClubSchließungen und... und) Ja, wir sollten uns viel mehr wehren und laut unsere Meinung sagen. Wir alle haben es ja selbst in unserer Hand, ob sich etwas ändert ( welche Partei wählen wir..wo und wie engagieren wir uns und wie, z.B. in Gewerkschaften oder..oder..) Wo und wann machen wir unseren Mund auf ..auch im Alltag, wenn z.B. in unserer Gegenwart "Unrecht" geschieht. Mögen wir 2019 alle etwas bewusster mit uns und dem, was uns begegnet umgehen. Auch Ihnen ein gutes neues Jahr!

  2. 30.

    Der wunderbare Dharma-Buchladen in der Akazienstraße in Schöneberg schließt Ende Januar. Nach 39 Jahren. Wegen verdoppelter Miete. Sehr sehr betrüblich, mein Buch-Eldorado mit Antiquariatsecke.

  3. 29.

    Typischer Reflex derer, die mit einer anderen Meinung nicht umgehen können/wollen. "Geh doch ....". Erinnert mich an den Aufschrei der "getroffenen Hunde" nachdem OB Palmer seine überaus stimmige Analyse über den Zustand Berlins postete. "Geh doch ..." - wie erbärmlich.
    Eines wird doch klar sein: die Welt wird sich weiter drehen, mit und ohne diese Läden. Leider auch mit Leuten, wie Ihnen.

  4. 28.

    Liebe Frau Roth, Ihr Beitrag macht mich echt stolz, denn Sie schreiben mir von der Seele und das obwohl ich nichteinmal ein gebürtiger Berliner bin, aber schon recht lange hier lebe. Danke hierfür. Ich wünsche Ihnen ein gesundes, friedvolles neues Jahr.

  5. 27.

    bissel schmunzeln musste ich schon..denn..woher wissen sie das denn, wenn sie das nicht "gehört" haben oder war es der immer wieder gern genommene "Freund", der ihnen das erzählt hat ? Nichts für ungut, aber diese Vorlage konnte ich nicht unkommentiert lassen..

  6. 26.

    Ohje, ohjemine..wenn ich das hier so lese..Ich bin seit über 40 Jahren in Berlin, habe "alles" mitgemacht und..es ist halt so (gewesen ! ein Glück und meine Freude ! ) Berlin war und sollte eben nicht das "schicke" München sein und ja, es tut weh, mit ansehen zu müssen, wie diese Stadt mehr und mehr durch all diese Schließungen und "Neubauten" langweilig wird. Berlin war immer so wunderbar unvollkommen und die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner lebten von der Ungezwungenheit in den vielen Clubs und Eckkneipen..denn so konnte sich Punk und diese und jene Kunstform entwickeln..in dieser neu gewonnenen Sterilität ist das kaum noch möglich. Ich find's schade, wenn ich so durch die "alten" Straßen gehe.. aber.. das kommt ja nicht von ungefähr.. Die Freiheit, das Ungestüme.. das Unerwartete.. lang, lang ist her..nun ist "Ordnung" und "Sauberkeit" in dieser Stadt eingekehrt. Mit einer Träne im Knopflock.

  7. 25.

    Danke für diese Replik. Ich mag das Bashing gegen Neue und Veränderungen nicht. Eine reaktionäre Sichtweise finde ich eher kontraproduktiv.

  8. 24.

    Ach herrje, habe ich da etwa ins Wespennest gestoßen? Aber mal so nebenbei erwähnt, scheiße fand ich schon immer die sturen ehem. Raucher*innen. Anderen vorhalten wie se leben sollen, das waren und sind mir die Richtigen. Ätz! Im übrigen gehe ich nicht in „ meine verqualmten Lieblingsläden“ sondern nur ein Lokal meiner Wahl. Hier treffen aufgeklärte Nichtraucher auf Raucher. Noch etwas zur Güte, ich halte mich für einen höflichen, rücksichtsvollen Raucher. Selbst wenn ich draußen stehe und Paffen tu. Aber gehört auch nicht zum Thema.

  9. 23.

    Rauchen war auch schon vor 30 Jahren scheisse - auch als Altberliner. Dann geh halt in Deine verqualmten Lieblingsläden. "Ätz!" Ignorante Raucher gab es schon immer. Aber so richtig viel hat das mit dem Thema des Artikels irgendwie nicht zu tun.

  10. 22.

    Genau! In Berlin war es schon lange so, dass viele Lokale schlißen mußten und neu entstanden sind. Derzeit hat Berlin 14.000 Lokale und Bars.

  11. 21.

    @Radfreund Martin. Dann zieh weg, wenn die Stadt zu laut ist. Gentrifizierung ist Kacke. Und die Dörfler die das nicht aushalten mit dem Stadtleben, nimm am besten gleich mit. Wozu in die Stadt ziehen, wenn dort nix mehr los ist!?

  12. 20.

    Man muss dann aber die ganzen Neueröffnung erwähnen, die sich gerade im angesagten Prenzlauer Berg dadurch ergeben: x Bioläden, drei, viel Nagelstudios, u.v.m.
    Die zugezogen Neubürger in der Stadt wollen ihre Ruhe haben.
    Und, wenn ich ehrlich bin, ich auch.
    Gentrifizierung hat auch seine guten Seiten.

    Danke Andreas, dass Sie das ansprechen. radioeins hat viel von seiner Qualität eingebt, geht es nur noch um Zurechtweisung, Meinungsbildung, Maßregeln. Ich höre diesen Sender, den ich von Anfang an hörte, auch nicht mehr.

  13. 19.

    Der Anstoß ist also gelungen. Als Raucher gehe ich weiterhin in mein Lieblingslokal im Kiez. Ja auch diese gibt es noch. Brauche keine Nachhilfestunden in Sachen Nichtraucherpiefigkeit in Kneipen. Ätz! Mit den Neuberlinern habe ich nicht gemeint diese nicht zu mögen. Das unterstellen Sie mir. In Clubs gehe ich schon längst nicht mehr, da Schlangestehen und Eingangskontrollen nicht mein Ding. Aber Sie müssen auch zugeben, das es eben die Neu hinzugezogenen sind, die sich über Clubs und Kneipen echauffieren und sogar dagegen vorgehen. Soviel zur Klischeedenke.

  14. 18.

    Sehr populistisch sogar. Der rbb hat sich in den letzten Monaten sehr verändert, was die journalistische Neutralität betrifft.
    Hier wird gegen alles gewettert was Aufmerksamkeit erregt.
    Fast schon wie bei einem Privatsender.
    Am schlimmsten ist das bei radioeins zu merken, finde ich als langjähriger (ex) Hörer.
    Berichterstattung geht anders!!!!

  15. 17.

    Rauchverbot? Oh man... wer redet denn darüber? Nichtraucher sind also „piefig“? Und neue Berliner mögen Sie nicht? Sie wollen Berlin wohl abschotten? Die Clubs sind für alle da, nicht nur für Alteingesessene. Selten soviel Klischeedenke gelesen... Traurig.

  16. 16.

    Nichts ist so beständig wie der Wandel. Alte Läden machen zu, neue Läden machen auf. Mir erschließt sich nur nicht was daran eine Meldung wert ist.

  17. 15.

    Gibt es auch eine Statistik wie viele Mieter ihre Miete nicht mehr zahlen konnten und deshalb ihre Wohnung verlassen mussten?

  18. 14.

    Die besagte typische Berliner Kneipenkultur gibt es doch nur noch vereinzelt, ohne Rauchverbot, kaum ein Wirt kann den neu hinzugezogenen“ Berlinern“ viel abgewinnen. Hinzu kommt das Rauchverbot. Da geht doch kaum mehr jemand rein. Und mit Nichtrauchern zusammen in einer piefigen Kneipe abhängen bringts schon mal gar nicht.

  19. 13.

    Die Jägerklause im Friedrichshain wird übermorgen leider auch das Zeitliche gesegnet haben.

    Ich finde es sehr ärgerlich, wenn Menschen erst neben einer stattbekannten lauten Kneipe oder einem entsprechenden Club einziehen und dann anschließend den Betreiber wegen Ruhestörung rausklagen.

  20. 12.

    Kapitalismuskritiker verteidigt Gewerbe... Das ist der Witz des Tages. Sie widersprechen sich selbst. Herrlich. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Läden etc. alle zum Spaß betrieben wurden und keinen Gewinn machen wollten?

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