Kurator Felix Hoffmann in der C/O Galerie Berlin vor Beginn der Ausstellung "Das letzte Bild" (Quelle: rbb)
Video: rbb Kultur - Das Magazin | 08.12.2018 | Sascha Hilpert | Bild: rbb

Ausstellung | "Das letzte Bild" - C/O Berlin zeigt die Endlichkeit in der Fotografie

Fotos, die sich mit toten und sterbenden Menschen auseinandersetzen: Die Galerie "C/O Berlin" widmet sich dem Thema "Fotografie und Tod". Noch immer ein Tabu, das wohl niemanden unberührt lässt - auch nicht Kurator Felix Hoffmann. Von Magdalena Bienert

"Das ist ja eine anthropologische Konstante: Wir werden alle sterben", sagt Kurator Felix Hoffmann ganz nüchtern am Anfang des Rundgangs durch die Ausstellung "Das letzte Bild" in der Galerie C/O Berlin. Und er erklärt weiter: "Die, die übrig bleiben, müssen sich damit auseinandersetzen." Interessant sei, dass das das auch bei der Fotografie so sei: Unmittelbar nach der Erfindung der Fotografie habe ihre Auseinandersetzung mit dem Tod begonnen.

Hoffmann beschäftigt das Thema bereits seit zehn Jahren. In der Ausstellung selbst wird schnell klar: Kalt lässt sie den Besucher nicht. Schon das Ausstellungs-Plakat am Eingang signalisiert: Hier wird nichts beschönigt. Es zeigt einen Fuß mit blutiger Schnittwunde - aufgenommen im Leichenschauhaus.

Felix Hoffmann Kurator der Ausstellung <<Das letzte Bild>> im C/O Berlin. (Quelle: rbb/Kultur)
Felix Hoffmann Kurator der Ausstellung "Das letzte Bild" in der C/O Berlin. | Bild: rbb/Kultur

Sterben, töten, überleben

Die Ausstellung wirke sehr unterschiedlich auf Menschen, sagt Kurator Hoffmann. Die einen fänden das Bild von dem Fuß mit der Schnittwunde ekliger als andere Abbildungen. Außerdem frage man sich hier, woher eigentlich so ein Schnitt komme bei jemandem, der an Rattengift gestorben ist. Bei anderen seien es die Bilder von toten Kindern, die sie sehr emotional reagieren ließen. Und wieder andere sagten: "Ich finde es unerträglich, was ihr hier an Leichenbergen aus dem Holocaust ausstellt." All das sei mit dem Thema verbunden.

Die Ausstellung mit rund rund 900 Werken ist in drei Kapitel unterteilt: sterben, töten, überleben. Mal sind es sanfte Schwarz-Weiß-Portraits aus einem Hospiz, in dem Walter Schels und Beate Lakotta Menschen kurz vor und kurz nach ihrem Tod fotografiert haben. Oder ganz lebendige, bunte Bilder von Nan Goldin, die ihre an Aids erkrankten Freunde noch zu Lebzeiten festgehalten hat. 

Brutal erwischt vom Tod

Dann erwischt einen der Tod brutal mit Fotos aus den 30ern, als etwa der Ku-Klux-Klan brutale Morde beging. "Kaltblütig verstümmelt, in Fetzen gerissen" oder "23 Jahre alter Neger, gelyncht von einem Mob", lauten die Beschreibungen dazu. 

Aufnahmen aus dem Polizeihistorischen Archiv zeigen guillotinierte Männer: ein Körper in weißem Hemd, der abgetrennte Kopf davor. "Wir haben den Original-Hemdkragen da von 1920", erklärt Kurator Felix Hoffmann.

"Glücksgriff für die Ausstellung"

Leichenberge aus dem KZ, Totenmasken, die Selbstmorde der RAF-Anführer in Stammheim werden aufgearbeitet - sowie die Ermordung Kennedys als rein fotojournalistische Darstellung.

"Das ist der einzige Fall, wo man alles hat: vom Tatort über die Tatwaffe, Opfer, Täter, Medialisierung", sagt Hoffmann. "Das stammt alles aus einer Privatsammlung und ist ein echter Glücksgriff für die Ausstellung."

Ein CNN-Bericht erzählt die Geschichte des kleinen Jungen, der 2015 an der türkischen Küste angeschwemmt wurde und zum Symbolbild für den starken Flüchtlingszuzug wurde.

Gerahmte Fotografien der Ausstellung <<Das letzte Bild>> im C/O Berlin. (Quelle: rbb/Kultur)
Gerahmte Fotografien der Ausstellung "Das letzte Bild" in der C/O Berlin. | Bild: rbb/Kultur

Der eigenen Endlichkeit ins Auge schauen

Es ist viel, was es in der Ausstellung zu verarbeiten gibt. Die durchgängig in Grautönen gehaltenen Räume sorgen für Ruhe, trotz der unterschiedlichen Formate - und das tut gut. 

Dennoch ist "Das letzte Bild" gewiss keine Ausstellung für einen netten Ausflug mit Freunden. Aber sie bringt ein in Deutschland noch immer tabuisiertes Thema zur Sprache. Und am Ende wird kein Besucher verhindern können, dass die ausführliche Betrachtung des Todes etwas mit ihm macht.

So ist es auch bei Kurator Felix Hoffmann: Er merke, wie stark ihn das mitnehme. "Man schaut sich ja quasi immer selbst ins Auge, weil es auch darum geht, dass man selbst endlich ist." Deshalb nehme ihn diese Ausstellung mehr mit als es bei anderen der Fall war.

Beitrag von Magdalena Bienert

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