Ann Sophie Duermeyer in einer der "Flashdance" Titelrollen, und zwar der Tanzerin Gloria beim Vortanzen (Quelle: Imago, Ralf Mueller)
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Audio: Inforadio | 12.12.2018 | Cora Knoblauch | Bild: imago stock&people

Bühnenkritik | "Flashdance" im Admiralspalast - Sexy Aerobic Moves und Beinstulpen der Achtziger

Eine Schweißerin träumt vom Ballett, und darf sogar vortanzen. Cora Knoblauch erlebte die Musicalversion des Megakinohits der Achtzigerjahre im Admiralspalast - mit einem schwungvollen Ensemble, das ausgerechnet durch die Soundqualität ausgebremst wurde.

"What a Feeling" - dieser Megahit von Irene Cara, mit einem Oscar prämiert und prominent auf dem Soundtrack des Tanzfilms "Flashdance" (1983) platziert, trägt Tänzer und Publikum auch durch die neueste Musicalversion. Am Dienstag feierte die schwedisch-deutsche Inszenierung von 2Entertain im Admiralspalast seine Berlin-Premiere.

Ich bin ein "Maniac"

Der im Grunde dünnen "Flashdance"-Story kann und will auch die Musical-Variante aus Hamburg keine Tiefe hinzufügen. "Flashdance" liefert gewohnt-sexy Aerobic Moves gepaart mit 80er-Jahre-Smashhits wie "Maniac" und "Gloria". Film und Musical erinnern an eine Zeit, als Frauen beim Modern Dance neben Beinstulpen und Schweißbändern Trikots trugen, deren Beinausschnitte locker bis zur Taille reichten. Ganz so drastisch kommen die Kostüme bei dieser Musical-Adaktion aber nicht daher.

Im Zentrum der Geschichte steht die junge Alex, gespielt und getanzt von Hannah Leser, die tagsüber als Schweißerin in einer Fabrik arbeitet und abends als Tänzerin in einem Nachtclub. Es ist ihr Traum, an einer renommierten Ballettschule aufgenommen zu werden. Doch dafür muss sie eine Einladung zum Vortanzen ergattern. Dabei hilft ihr neuer Lover, der zufällig auch noch der Boss aus der Fabrik ist. Nach knapp drei Stunden ist es soweit: Alex darf vortanzen. Dass sie sich an einer klassischen Ballettschule mit einer waschechten Modern Dance-Nummer bewirbt - sei's drum.

Hier tanzen noch "Mädels"

Auch in der Flashdance Geschichte von 2018 werden Frauen konsequent "Mädels" genannt und eben jene "Mädels" erreichen eigentlich nur etwas mit der Hilfe von Männern. Der Traum, als Tänzerin berühmt zu werden, geht natürlich für viele junge Frauen nicht in Erfüllung - auch nicht für Alex' Freundin Gloria. Sie landet in einem zwielichtigen Stripclub.

Von ihrem Zuhälter mit Koks bei der Stange gehalten, kann Gloria gerade noch von ihrer Freundin Alex gerettet werden. Hier sorgt der Auftritt der ehemaligen ESC-Kandidatin Ann Sophie Dürmeyer als unglückliche Gloria für einen berührenden Moment: erschöpft und desillusioniert singt sie den großartigen Song "Gloria" von Laura Branigan.

Apropos Musik: die wurde live und mit viel Tempo und Wums von einer sechsköpfigen Band gespielt. Leider schafft es der Admiralspalast nicht, die großartigen "Flashdance"-Hits ins Publikum zu transportieren. Der Sound ist schlecht gemischt, der Ton bleibt auf der Bühne hängen, der Gesang der Schauspieler und Tänzer ist kaum zu verstehen. Das ist sehr schade, denn das Ensemble ist mit viel Schwung dabei.

Schwarze pudelartige Perücke

Einen besonderen Auftritt liefert zudem Gitte Haenning. Ja, genau, die "Ich will 'nen Cowboy als Mann"-Gitte. Sie mimt die Mentorin und Freundin von Alex und spielt diese gebrechliche Dame mit einer Leichtigkeit und Würde, dass man sich wünscht, Gitte Haenning in einer größeren Bühnenrolle zu erleben.

Mit der bei weitem nicht ausverkauften Premiere versucht das schwedische Musicalunternehmen 2Entertain, im hart umkämpften deutschen Musical-Markt ein Bein auf den Boden zu bekommen. Es erweist sich dabei als gute Idee, die Hauptrolle mit der noch eher unbekannten, aber frischen Stage-School-Absolventin Hannah Leser zu besetzen. Nur hätte man ihr für ihre Rolle als Alex keine schwarze, pudelartige Perücke verpassen müssen. Die soll vielleicht an die Haarpracht der  Filmshauspielerin Jennifer Beals erinnern, die mit "Flashdance" ihren Durchbruch feierte. Das könnte Hannah Leser auch ohne künstliche Locken gelingen.

Sendung: Inforadio, 12.12.2018, 12 Uhr

Beitrag von Cora Knoblauch

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Vermutlich lag es auch an den zu überteuerten Eintrittspreisen. Ich war einmal im Admiralspalast und das wars dann auch. Zu teuer. Zudem finde ich die Bühne viel zu klein für Musical Veranstaltungen.

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