Archivbild: Helge Schneider auf seiner "Ene mene mopel"-Tour am 24.02.2018 in Dortmund (Quelle: picture alliance)
Audio: Inforadio | 12.12.2018 | Nadine Kreuzahler | Bild: picture alliance

Konzertkritik | Helge Schneider im Konzerthaus Berlin - "Ach, jetzt komm' ich doch wieder ins Erzählen"

Auf seiner "Ene mene mopel"-Tour beglückte Helge Schneider am Dienstagabend das Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Musikalisch war der Abend ein Triumph. Und endlich erfuhr man etwas über die Besitzerin des berühmten "Katzeklo". Von Nadine Kreuzahler

"Katzeklo" war vor 25 Jahren ein Überraschungserfolg und noch immer ist es Helge Schneiders größter Hit. Eine Anti-Nummer eigentlich, mit schräger Melodie und Nonsens-Text. Am Dienstagabend lässt er das Publikum mitsingen und mitklatschen, bevor er die Geschichte der Katze, die immerzu fressen will, weiterspinnt. Es ist die Geschichte von der Oma, die wegen ihrer kleinen Rente und der hohen Miete Katzenfutter klauen muss, indem sie es, in ihren Dutt geschmiert, an der Kasse vorbeischmuggelt. Dieses Lied und diese Geschichte tauchen immer wieder leicht verändert und aktualisiert in einer Helge-Schneider-Show auf. Trotzdem ist keine Show gleich.

Humor und musikalische Klasse

Das Publikum auf den Arm nehmen, Ironie verbreiten und einen ganz eigenen Humor, der auch von Improvisation und Spontaneität lebt - das ist das Erfolgsrezept des Entertainers. Davon lebt auch dieser Abend, er lebt aber auch von der musikalischen Klasse. Helge Schneider hat drei Musiker dabei: Henrik Freischlader an der Gitarre, Rudolf Olbrich am Kontrabass und am Schlagzeug Peter Thoms, fast 80 Jahre alt, ein Weggefährte seit den Neunziger Jahren.

Schneider selbst wechselt zwischen Hammond-Orgel, Gitarre und Vibraphon hin und her, spielt gleichzeitig auf dem Flügel und dem analogen Synthesizer und greift auch zum Saxophon. Außerdem singt er natürlich. "Texas" direkt am Anfang, die Klassiker "Telefonmann", "Fitze Fitze Fatze", "Meisenmann" und eben "Katzeklo".

Auf Kommando Durcheinander

Dazu zappelt, stolziert und tanzt Helge Schneider extra ungelenk über die Bühne wie eine Mischung aus Huhn und Hengst. Er trägt einen tiefblauen Anzug, dazu eine große Sonnenbrille. Seine Nasenlöcher zucken, sein Mund grinst. Helge Schneider ist in Höchstform. Täuschend echt parodiert er Udo Lindenberg und Howard Carpendale. Er imitiert Flamenco und singt dazu in einem Fantasiespanisch, macht sich aber auch über sich und sein eigenes Musikerleben lustig oder über Bühnen-Gepflogenheiten und Spielarten.

"Und jetzt nur für die Jazzfans", sagt er zum Beispiel und bricht - er am Vibraphon -  gemeinsam mit seinen Musikern in ein improvisiertes gekonntes Durcheinander aus. Immer wieder zwischendurch, mitten in einem Stück, spielt er kurz Weihnachtslieder an. Helge Schneider und seine Band spielen auch Jazzstandards von Thelonious Monk und Duke Ellington.

Die Pointe kommt auf Umwegen und sitzt dennoch

Zu Duke Ellington – seinem Idol – erzählt Helge Schneider eine seiner Geschichten, wobei es immer so wirkt, als schüttle er sie spontan aus dem Ärmel. Wie er in den Siebzigern in West-Berlin Bus gefahren ist und dabei fast sein Idol Duke Ellington getroffen hätte. Er es am Ende aber gar nicht war, sondern nur eine Frau mit Salatgurke in der Hand. Nebenbei geht's auch um Bodyguards, Autogrammjäger, Giraffen im Zoo und Schlüpfer von Milva. "Ach, jetzt komm ich aber wieder ins Erzählen", sagt Schneider. Er erzählt so, wie es viele tun: auf Umwegen und abschweifend. Aber bei ihm ist das lustig, sein Markenzeichen auch, und die Pointe - ist sie auch noch so "bekloppt" - sitzt.

Immer wieder baut er kleine Witze über Berlin ein: "diese große Baustelle Unter den Linden". Über das Konzerthaus: "heute Morgen dachte ich noch: Na, ein bisschen schmuddelig ist das hier. Aber dann haben wir uns den Saal schön hergerichtet". Und über den Weihnachtsmarkt vor der Tür auf dem Gendarmenmarkt: "Jetzt kommt bald auch der Niko-Christ".

Helge Schneider, "die singende Herrentorte" aus dem Ruhrpott, hat sich am Dienstagabend in Berlin nicht neu erfunden, trotzdem war diese Show wieder ganz anders als seine letzte. Er hat zwar Hits wie "Telefonmann" und "Katzeklo" abgeliefert, die aber in besonderen Versionen. Es wurde improvisiert, gejazzt und gebluest. Die Musik stand im Vordergrund, aber eben nicht als einfaches Hitfeuerwerk.

Sendung: Inforadio, 12.12.2018, 06:55 Uhr

Beitrag von Nadine Kreuzahler

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

1 Kommentar

  1. 1.

    "Die Pointe kommt auf Umwegen und setzt dennoch"

    War das "setzt" jetzt die Pointe? :-)

Das könnte Sie auch interessieren