Christoph Jungmann als Angela Merkel (Quelle: David Baltzer, Agentur Zenit)
Audio: Radioeins | 05.12.2018 | Interview mit Christoph Jungmann | Bild: David Baltzer, Agentur Zenit

Interview | Kabarettist Jungmann spielt Merkel seit 1997 - "Irgendwie ist Angela Merkel über mich gekommen"

Als der Kabarettist Christoph Jungmann 1997 das erste Mal Angela Merkel in seinem Programm parodierte, war sie kaum bekannt. 21 Jahre später gibt die Kanzlerin am Freitag den CDU-Vorsitz ab. Was das für seine Rolle bedeutet, erzählt er im rbb-Interview.

rbb: Sie moderieren seit 1997 den kabarettistischen Jahresrückblick im Kreuzberger Mehringhof-Theater und schlüpfen in die Rolle von Angela Merkel. Dabei war sie vor 20 Jahren noch nicht CDU-Vorsitzende und Kanzlerin, sondern Bundesumweltministerin. Warum sind Sie gerade auf Angela Merkel aufmerksam geworden?

Christoph Jungmann: Das kann ich Ihnen gar nicht mehr so genau sagen. Irgendwie ist Angela Merkel über mich gekommen. Ich kann mich noch erinnern, ich bin Auto gefahren und habe ihre Stimme im Radio gehört. Dabei dachte ich, dass diese Frau irgendetwas hat und ich habe angefangen, wie sie zu sprechen. In einem ersten Kabarettprogramm habe ich sie ausprobiert, als sie noch recht unbekannt war. Im Publikum haben sich die Leute gefragt, wen ich da parodiere. Und irgendwie hat es mich begleitet und es begleitet mich bis heute.

Sie machen das auf eine sehr liebenswürdige Art. Bei Ihnen ist die Kanzlerin humorvoll, selbstironisch und gelassen. Sie selbst kommen eigentlich aus der linken Kreuzberger Szene. Man könnte meinen, dass diese Frau Ihnen nicht unbedingt sympathisch sein sollte. Warum machen Sie das so nett?

Gute Frage. Das frage ich mich sich selber manchmal. Ich bin vielleicht auch ein Mensch, der versucht auf subtile Art und Weise, Menschen zu kritisieren und karikieren. Ich bin sicherlich in vielem nicht mit Angela Merkel einer Meinung und ich glaube, dass merkt man auch auf der Bühne. Eine Parodie funktioniert nur, wenn man eine gewisse Verbundenheit zu einer Figur hat, und wenn man die Figur selber denunziert, funktioniert eine Moderation nicht.

Sie sagen, Sie sind nicht immer einer Meinung. Hat sich die echte Merkel in den Jahren verändert?

Ich glaube, die Wahrnehmung von Angela Merkel ist unfassbar interessant und hat sich radikal verändert. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis beispielsweise haben andere Frauen Respekt davor, was sie geschafft hat und was sie für Frauen in dem Land gemacht hat. Ich habe auch Respekt davor, was sie im Flüchtlingsjahr 2015 gemacht hat und wie sie sich verhalten hat. Auch aus unseren Kreisen bekommt Angela Merkel in Maßen auch Anerkennung.

Über kurz oder lang wird sie nicht mehr Kanzlerin sein. Was machen Sie dann eigentlich? Bleiben Sie zum Beispiel in der Rolle der Merkel beim Jahresrückblick im Mehringhof-Theater?

Das kann ich wirklich noch nicht sagen. Ich werde immer wieder gefragt, weil es ja schon öfter mal auf der Kippe stand, wie es mit Merkel weitergeht. Ich muss das von Jahr zu Jahr abhängig machen. Sie wird natürlich immer ein Mensch der Zeitgeschichte bleiben und ich denke, dass sie auch immer mal wieder in unseren Programmen auftauchen wird.

Das Gespräch mit Christoph Jungmann führte Nancy Fischer für Radioeins. Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben im Beitrag im Interview hören.

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