F.W. Bernstein, Fritz Weigle Bernstein posiert 2013 in seiner Ausstellung im Caricatura Museum in Frankfurt (Quelle: dpa/Kammerer).
Video: rbb24 | 21.12.2018 | Bild: dpa/Bernd Kammerer

Nachruf auf den Karikaturisten F.W. Bernstein - Ein fast schon kriminell bescheidener Mann

Der Zeichner, Dichter und Satiriker F.W. Bernstein ist tot. Der Künstler, der in Berlin lebte, starb am Donnerstag nach langer Krankheit mit 80 Jahren. Bernstein war der erste und einzige Professor für Karikatur an der Hochschule der Künste. Ein Nachruf von Steffen Brück

Wo er ging, saß oder stand, hat er gezeichnet. Die Skizzenbücher von F.W. Bernstein müssen Regalkilometer füllen. Und wenn er mal nicht gezeichnet hat, hat er gedichtet:

Die schärfsten Kritiker der Elche
waren früher selber welche.

Der zum Sprichwort mutierte Zweizeiler von den Elchen ist berühmt, nicht aber sein Autor. Insgeheim sei er aber schon stolz darauf, dass dieser Spruch Volksgut geworden ist, sagt Bernstein: "Es kann eigentlich nichts Schöneres geben für einen Dichter als das Sprachgut bereichert zu haben. Mit dem Nachteil dabei, dass keine Tantiemen fließen."

Bernstein rühmte lieber andere

F.W. Bernstein war ein schon fast kriminell bescheidener Mann. Er hat immer lieber andere gerühmt, als an seinem eigenen Ruhm oder Nachruhm zu arbeiten. Dementsprechend bescheiden fällt auch seine Bilanz aus.

Viele der Gedichte Bernsteins, und seien sie auch noch so kurz, hätten  eigentlich einen Nobelpreis oder zumindest den Büchnerpreis verdient. Aber dafür waren sie eben zu komisch.

Sowohl als Zeichner wie auch als Dichter sprühte Bernstein nur so vor Einfällen, vor Verspieltheit, vor Freude am Nonsens. Und seine Reimkunst schrammte schon hart ans Geniale:

Der Untergang des Abendlandes
– grad war´s noch da, und dann verschwand es.

F.W. Bernstein

Zeichnen auf Zimmermannsplatten

Geboren wurde F.W. Bernstein 1938 als Fritz Weigle in Göppingen. Die Freude am Zeichnen zeigte sich schon sehr früh, erzählt Bernstein. Weil sein Vater in der Holzfabrik gearbeitet habe, habe die Familie zur Verdunklung immer Sperrholzplatten benutzt, die abends vor die Fenster geklemmt wurden: "Der Vater nahm mich auf den Arm und jeder von uns hatte einen Zimmermannsbleistift und wir zeichneten die Zimmermannsplatten voll. Und es freut mich heute noch, wenn ich daran denke. Ich meine mich zu erinnern, dass das nicht die schlechteste Zeichenstunde war."  

Als  Schüler begann Weigle, seine  Lehrer zu karikieren. Aus dieser Zeit stammt auch sein Künstlername Bernstein, den er sich aus einer Affinität zum Jiddischen zulegte.

Lehrer statt Freiberufler

Während des Studiums an der Stuttgarter Kunstakademie lernte er Robert Gernhardt kennen, wie er eine herausragende künstlerische Doppelbegabung. Die beiden wurden Freunde und ließen sich vom Satiremagazin "Pardon" nach Frankfurt locken. Dort taten sie sich mit dem Zeichner F.K. Waechter als Trio zusammen und revolutionierten gemeinsam das, was es bisher an Witzseiten in deutschen Zeitschriften gegeben hatte - mit Helligkeit und Schnelligkeit, mit Geist und Witz und Geistesblitz.

Während die meisten Mitglieder dieser sogenannten "Neuen Frankfurter Schule" als freie Künstler arbeiteten, wurde Bernstein Lehrer. Er habe sich einfach nicht getraut, in die "freie Wildbahn" zu gehen, sagt er: "Insofern bin ich in allem, was ich mache, immer noch ein Amateur. Ein Nebenberufszeichner und -gedichtemacher."

Erster und einziger Professor für Karikatur

Da ist sie wieder, diese maßlose Bescheidenheit. Gott sei Dank haben wenigstens andere seine Fähigkeiten erkannt. So wurde Bernstein auch zum ersten und einzigen Professor für Karikatur und Bildgeschichte an der Berliner Hochschule der Künste.

Der Titel Professor stand ihm auch gut: Groß gewachsen, weiße Haare, weißer Schnurrbart - er sah aus wie ein Herr, der Herr Bernstein. Er sprach leise, umso überraschender waren sein Witz und seine liebenswürdigen Frechheiten.

Gedichte für die Ewigkeit

Fürs Alter hatte sich F.W. Bernstein  vorgenommen, "den unwürdigen Greis" zu geben. Das ist ihm nicht gelungen. Dafür aber haufenweise Gedichte für die Ewigkeit.

20 Stückchen Käsebrot, 31 Veilchen
biet ich Dir, Gevatter Tod,
verschon mich noch ein Weilchen.

F.W. Bernstein

Leider glaubte der Tod, humorlos wie immer, auch bei F.W. Bernstein  das letzte Wort haben zu müssen.

Sendung: Inforadio, 21.12.2018, 11:07 Uhr

Beitrag von Steffen Brück

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Tschüss Fritz Weigle, du warst außerdem ein sehr sehr guter Professor!

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