Die britische Sängerin und Musikerin Lily Allen bei einem Auftritt in Hamburg (Quelle: Imago))
Audio: Inforadio | 5.12.2018 | Susanne Bruha | Bild: Imago

Konzertkritik | Lily Allen im Kulturhaus Astra - Mit wilder Freude hinweg über den Trennungsschmerz

Nach einer musikalischen Pause hat Lily Allen ein neues Album veröffentlicht: In "No Shame" verhandelt die Britin, die früher mit Partyexzessen von sich Reden machte, völlig schamlos ihre gescheiterte Ehe - und begeistert damit ihre Fans im Astra. Von Susanne Bruha

Das Intro besteht aus eingespielten "Lily-Fuckin'-Allen"-Sprechchören. Als die Sängerin am Dienstagabend dann aus dem Nebel auf der Bühne hervortritt, wird sie von den Fans im Astra kreischend bejubelt. Lily Allen - im weißen Synthetik-Overall mit schwarz-goldenem Muster, die blondgefärbten Haare straff zu einem Dutt nach oben gebunden -  präsentiert ihr neues Album "No Shame".

Gleich mit dem ersten Song fällt sie sozusagen thematisch mit der Tür ins Haus: Das Lied heißt "Come on Then" ("Komm schon!") und richtet sich an den Ex-Mann. Allen verhandelt hier wenig subtil ihre gescheiterte Ehe und Familie: "Yeah, I'm a bad mother/I'm a bad wife/You saw it on the socials/You read it online." Die Beats sind elektronisch, die Stimme effektbeladenen, zwei Musiker unterstützen Lily Allen, drücken Knöpfe, einer hackt auf ein Tablet ein - das ist das Schlagzeug.

Abrechnung mit dem Ex-Mann

Auch der zweite Song "Waste" stammt vom neuen Album, auf dem Allen das Auf und Ab ihres Privatlebens besingt. Immer wieder geht es um die Trennung vom Vater ihrer Kinder. Gnadenlos offen rechnet sie mit dem Ex ab: "I can't wait to see you go/Can't wait to see you break/Breaking your back/ 'Cause all you do is take/Never give back."

Trotz Untiefen in den Texten bleibt der Abend fröhlich, tanzbar, ja geradezu lebensbejahend. Das liegt an einem frischen, wilden Sound, den die Jungs an Klavier und Gitarre produzieren und der verspielt aus ihren Geräten sprudelt. Ganze Backgroundchöre und Duettpartner werden eingespielt und bereiten ironische Betten für Allens klug-witzige Texte. Die beinhalten nach der Wut auf den Ex auch Strategien zum Drüber-weg-kommen. In "My One" geht es zum Beispiel darum, um die Welt zu reisen und mit Leuten zu schlafen. In "Party line" reflektiert Frau Allen höchst selbstkritisch ihr Feierverhalten. "Every single time/I cross the party line."

Lilys Mutter kam im "Orgasm is a humans right"-T-Shirt

Lily Allen tanzt so halbherzig und beiläufig, wie man selbst es zu Hause vor dem Kleiderschrank tut. Das ginge nicht mehr anders nach den Geburten ihrer Kinder, scherzt sie. Und sie flirtet mit dem Berliner Publikum: Sie wolle gar nicht weiterspielen, damit der schöne Abend nicht so bald ende.

Im Publikum ist auch Lily Allens Mutter. Eine ganze Gruppe von Frauen sei da, rund um ihre Cousine, die 18. Geburtstag feire, erzählt Lily. Als sie die Mutter etwa fünf Meter vor der Bühne entdeckt, freut sie sich: "Hallo Mum! Du trägst ja ein 'Orgasm is a humans right'-T-Shirt!" Das Publikum grölt vor Freude.  

Zwei Töchter hat die 33-jährige Lily Allen. Ihnen hat sie den Song "Three" gewidmet. Der ist aus der Perspektive eines Kindes geschrieben, das seine Mama vermisst, während die ständig auf Tour ist. Das Stück berührt sehr in der Ambivalenz, dass die Mami, die das singt, eben gerade auf Tour ist. Aber auf dieser Tour-Station in Berlin hat sie knapp 1.500 Leuten einen lustigen, tanzintensiven, wundervollen Abend bereitet.

Sendung: Inforadio, 5.12.2018, 6:55 Uhr

Beitrag von Susanne Bruha

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren