Standbild aus "Dogs of Berlin" (Quelle: Netflix/Kuhl)
Bild: Netflix/Kuhl

Serienkritik | "Dogs of Berlin" auf Netflix - Fußball, Neonazis und Berliner Clans

Zwei Polizisten müssen nach dem Mord an einem türkischstämmigen Fußballstar in Berlin wider Willen zusammenarbeiten: Die Spuren führen den Ex-Neonazi und den Deutsch-Türken direkt in die Clan-Szene. Am Freitag startet "Dogs of Berlin" auf Netfilx. Von Frauke Gust

Nach der Serie "Dark" ist mit "Dogs of Berlin" ist am Freitag bereits die zweite deutsche Netflix-Serie gestartet. Regisseur Christian Alvart hat die Hauptstadt schon mit dem Genrethriller "Steig.nicht.aus!" in den Actionfilm-Modus versetzt. Mit "Dogs of Berlin" erzählt er jetzt die klassische Geschichte von zwei Polizisten, die wider Willen zusammen arbeiten müssen. Eine breitangelegte Serie, die in Marzahn ihren gruseligen Anfang nimmt.

Mitten im Hochhausviertel liegt ein Toter im Gebüsch, die jungen Polizisten, die zuerst eintreffen, haben ihn nicht erkannt, aber Kurt Grimmer (gespielt von Felix Kramer) weiß, wen er da blutüberströmt vor sich hat. Grimmer hat mal in diesem Viertel gelebt und zu den berüchtigten Neonazis im Kiez gehört. Sein Bruder und seine Mutter (großartig: Katrin Sass) sind noch immer bei den Rechtsextremen aktiv.

Kommissar mit Spielschulden

Grimmer aber hat der Szene den Rücken gekehrt. Er ist jetzt Kriminalbeamter, verheiratet und hat zwei Kinder - und er hat eine Geliebte (Anna Maria Mühe), die er gerade für ein heißes Sexdate in ihrer Plattenbauwohnung besucht hat. Nach dem Mord ist Grimmer auch der erste Kriminalbeamte am Tatort. Der Tote ist ein türkischstämmiger Fußballstar, ein Torjäger der deutschen Nationalmannschaft. Das mit Spannung erwartete Spiel der Türkei gegen Deutschland soll am nächsten Tag stattfinden. 

Aber Grimmer ist auch selbst Spieler: er setzt auf Sportwetten und steckt wegen Spielschulden in großen Schwierigkeiten. Bevor er die Ermittlungen in dem Mordfall offiziell einleitet, will er eine Wette platzieren.

Fußballsequenzen wie im Videospiel

Seinem Chef wird derweil schnell klar, dass in dieser heiklen Angelegenheit ein türkischstämmiger Polizist politisch von Vorteil ist. Er will den ehrgeizigen Deutsch-Türken Erol Birkan mit dem Fall betrauen, aber der ist mit Ermittlungen zur Clan-Kriminalität beschäftigt. Als klar wird, dass der tote Fußballstar etwas mit den türkischen und kroatischen Clans in Berlin und mit manipulierten Fußballergebnissen zu tun haben könnte, steigt Birkan ein.

Allerdings: Die Story von "Dogs of Berlin" hakt immer mal wieder. Außerdem gibt es auch lose Enden in dieser breitanlegten Geschichte. Die nachgestellten Fußballsequenzen überzeugen nicht wirklich, sie sehen fast so aus, als seien sie von einem Videospiel abgefilmt.

Serienstart mit Sexszene

Dazu kommt Fahri Yardim als deutschtürkischer Kriminalbeamter, der in Kreuzberg aufgewachsen ist. Anders als Tatort-Partner von Til Schweiger ist Yardim in "Dogs of Berlin" nicht fürs Komische zuständig. Er spielt einen schwulen Türken und ist so schon im Ansatz ein vielschichtiger Charakter: schon früh gedemütigt - ein Mann, der seine Homosexualität nicht nur vor der eigenen Familie verteidigen muss, sondern auch vor seinen Kollegen.

Absolute überragend ist Anna Maria Mühe. Als alleinerziehende Mutti mit langen verfilzten blonden Haaren und Tigerleggings muss sie sich mit Schwierigkeiten im Sozialamt herumschlagen, arbeitet für ein Internet-Sex-Portal und hat ihr Herz an den verheirateten Grimmer verschenkt. Dabei ist sich Anna Maria Mühe für nichts zu schade: Gleich in der ersten Szene sehen wir sie in einer Sexszene mit ihrem Lover.

Von Abhängigkeiten in Berliner Milieus

Echte Hunde spielen in "Dogs of Berlin" auch mit: Sie stehen symbolisch für alle Serien-Figuren, die glauben, sie seien frei. "Das ist die große Frage nach dem freien Willen", erklärt Hauptdarsteller Fahri Yardim. "Gibt es so etwas wie Entscheidungsfreiheit, oder sind wir Hunde? Haben wir die Leine in der Hand, oder sind wir instinktgesteuert und bilden uns nachträglich ein, entschieden zu haben? Das sind die Fragen, die über dieser Serie schweben."

"Dogs of Berlin" macht dabei etwas Spannendes sichtbar: Die Abhängigkeiten in den unterschiedlichsten Lebensmilieus unserer Stadt, die mit jedem Kiez einen eigenen Mikrokosmos hat. Genau das fängt die Serie ein - mit atmosphärisch dichten Bilder aus Marzahn, aus Prenzlauer Berg, aus Schöneberg und Kreuzberg.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    "Dabei ist sich Anna Maria Mühe für nichts zu schade: Gleich in der ersten Szene sehen wir sie in einer Sexszene mit ihrem Lover."

    Dabei ist sie sich nicht zu schade? Oh boy, Es ist 2018. Und statt hier sowas mal (zumindest dramaturgisch) hinterfragt wird, heißt es die Schauspielerin sei sich nicht zu schade.

    Armes Deutschland.

  2. 1.

    Nach der hiesigen Beschreibung, bedient die Serie die üblichen politisch korrekten Klischees. Liest sich nicht so, als ob man sich dafür ein Netflix-Abo kaufen müsste, für das hier nebenbei unentgeltlich Werbung gemacht wird.

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