Antonia Bill und Ensemble in einer Szene von "Haußmanns Staatssicherheitstheater" an der Volksbühne Berlin. (Quelle: imago/Martin Müller)
Audio: Radioeins | 15.12.2018 | Gespräch mit Cora Knoblauch | Bild: imago/Martin Müller

Theaterkritik | "Haußmanns Staatssicherheitstheater" - Stasi in der Puppenstube

Regisseur Leander Haußmann verbindet eine beinahe lebenslange Geschichte mit der Berliner Volksbühne. Schon sein Vater arbeitete dort, Haußmann selbst inszenierte mehrfach. Nun meldet er sich zurück, mit einem eigenen Stück: "Haußmanns Staatssicherheitstheater". Von Cora Knoblauch

Berlin-Prenzlauer Berg. Zwischen Lychener Straße, Schliemann- und Dunckerstraße vermutet die Staatssicherheit der DDR die schlimmsten Auswüchse der versifften Künstler-Bohéme. Also gründet sie die Sondereinheit LSD.  Junge Spitzel sollen ein Leben als Künstler führen und auf diese Art alle suspekten Randfiguren observieren. Leander Haußmann interessiert sich für den mittelmäßigen Jedermann der Stasi. Die kleinen Petzer und spießigen Allerwelts-Typen, die lediglich auf einen eigenen Vorteil aus sind.

Jeder Mensch hat seine Lügen

Die Volksbühne kündigt "Haußmann Staatsicherheitstheater" als Komödie an. Streckenweise ist sie das auch. Die Geschichte beginnt im Hier und Jetzt. Ein erfolgreicher Schriftsteller lässt sich seine Stasiakte aushändigen. Seine Frau schaut in die Akte, und da fallen ihr zwei Liebesbriefe in die Hände, die nicht von ihr stammen. Sie deckt eine alte Affäre ihres Mannes auf und das ist nur die eine Lebenslüge. Die vielleicht größere: Ihr Mann wurde eigentlich nur durch seine Stasi-Tätigkeit zum Schriftsteller. Als junger Mann wurde er angeworben, um eben jene junge Frau zu bespitzeln, die er schließlich geheiratet hat.

Große und kleine Lebenslügen, die sind Haußmanns Thema an diesem Abend. In üblichem Haußmann-Humor: Der junge Stasi-Spitzel versteckt sich im Kleiderschrank der Frau, die er beschatten soll. Dann kommt plötzlich deren Liebhaber zu Besuch, der sofort einen Nebenbuhler in der Wohnung vermutet. Der Liebhaber ist, oh Wunder, der Vater des Lauschers im Schrank. Natürlich fliegt alles auf. Das ist nicht besonders originell, aber gut gespielt.

Ensemble während der Fotoprobe zu "Haußmanns Staatssicherheitstheater" in der Volksbühne Berlin. (Quelle: imago/Martin Müller)
imago/Martin Müller

Video: rbb Kultur | 15.12.2018 | Lutz Pehnert

Ein Abend voller Selbstreferenzen

Haußmann besetzt den Abend mit Weggefährten und Freunden wie Uwe Dag Berlin, Waldemar Kobus und Horst Kotterba, Schauspieler aus seinen Filmen wie "Sonnenallee" und "Hai-Alarm am Müggelsee". Auch Frank-Castorf-Schauspielerin Silvia Rieger ist dabei. Frank Castorf saß übrigens im Publikum, genauso wie Henry Hübchen. Detlev Buck gibt am Ende noch einen kurzen Cameoauftritt seines Obermeisters aus der "Sonnenallee".

Ein Spiel mit der Enge

Bemerkenswert ist neben der durchweg großartigen Schauspielleistung das Bühnenbild von Lothar Holler. Ein dreistöckiges Puppenhaus wird aus dem Boden der Volksbühne ausgefahren und bespielt. Die Schauspieler müssen sich in die Räume teilweise beinahe reinquetschen, was dem Spiel mit der Enge große Komik verleiht. Und wunderschön anzuschauen sind natürlich die hellbraunen Herrenhandtaschen, die beständig an den Handgelenken der Stasi-IMs baumeln.

Schade, dass Haußmann sein Prenzlauer-Berg-Setting nach gut 2,5 Stunden aufgibt und dann noch eine ganz neue Spielebene einzieht. Die Stasi-Klamotte verlegt er an den Hof eines barocken Sonnenkönigs. Dann geht der Abend noch einmal eine gute Stunde. Und die Zuschauer versinken nach knapp vier Stunden langsam ermüdet in ihren Sitzen.

Freitagabend war die Premiere von "Haußmann Staatsicherheitstheater" an der Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz. Drei weitere Termine sind im Dezember und Januar.

Sendung: Radioeins, 15.12.2018, 8:40 Uhr

Beitrag von Cora Knoblauch, Radioeins

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Sie scheinen betroffen zu sein. Was finden Sie schlimm daran? Wie hätte er es „besser“ machen können?

  2. 1.

    Schlimm dass heute jemand mit diesem Thema via Komödie Geld machen kann. Typisch linke Volksbühne.

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