Archivbild: Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika (Quelle: dpa/Daniel Bockwoldt)
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Audio: Inforadio | 03.01.2019 | Bild: dpa/Daniel Bockwoldt

Vorschlag für Raum der Stille von Hermann Parzinger - Wie das Humboldt Forum des kolonialen Unrechts gedenken will

Völkermord, Raub und Totschlag: Auch das Deutsche Reich hat seinen Kolonien Gewalt angetan. Im Humboldt Forum sollen Besucher darüber nachdenken, findet Hermann Parzinger. Der Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz fordert dafür einen Gedenkraum.

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, will im künftigen Humboldt Forum mit einem Raum der Stille an das koloniale Unrecht erinnern. "Die Besucher werden in dem Haus sehr viele Informationen über die Zeit des Kolonialismus bekommen", sagte Parzinger der Deutschen Presse-Agentur. "Aber es wäre wichtig, irgendwo auch einen Ort zu schaffen, der darüber hinaus nachdenklich macht und eigene Gedanken und Reflexion zulässt."

Archivbild: Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz am 13.12.2018 in Berlin (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
| Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Humboldt Forum zeigt vor allem ethnologische Objekte

Das Humboldt Forum im rekonstruierten Berliner Schloss soll ab Ende 2019 vor allem ethnologische Objekte und asiatische Kunst zeigen, die häufig aus der Kolonialzeit stammen. Ein guter Anstoß für die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte ist Parzinger zufolge das Kunstwerk "Statue of Limitations", mit dem der Berliner Künstler Sunkoo Kang, ein Mitarbeiter des chinesischen Menschenrechtsaktivisten Ai Weiwei, einen der Kunst-am-Bau-Wettbewerbe gewonnen hat.

"Statue of Limitations": Die Arbeit des Künstlers Sunkoo Kang soll im Humboldt Forum entstehen. (Quelle: Sunkoo Kang)
| Bild: Sunkoo Kang
"Statue of Limitations": Die Arbeit des Künstlers Sunkoo Kang soll im Humboldt Forum entstehen. (Quelle: Sunkoo Kang)
"Statue of Limitations": Die Arbeit des Künstlers Sunkoo Kang soll im Humboldt Forum entstehen. | Bild: Sunkoo Kang

Eine schwarze Flagge auf halbmast

"Diese Bronzeplastik ist ein eindringliches Symbol zur Erinnerung an den Kolonialismus. Sie wird das Nachdenken darüber anregen", sagte der Präsident. Der Entwurf sieht eine schwarze Flagge auf halbmast vor, deren untere Hälfte im zentralen Treppenhaus des Humboldt Forums steht. Die obere Hälfte ragt dagegen am Nachtigalplatz des "Afrikanischen Viertels" im Berliner Stadtteil Wedding heraus.

In den Ausstellungen des Humboldt Forums soll das Thema Kolonialismus anhand der außereuropäischen Kunst-Objekte erläutert werden. So will die Stiftung die umstrittenen Benin-Bronzen, die aus einem Kriegszug der Briten stammen, trotz ihrer historischen Belastung zeigen. In einer Videoinstallation sollen afrikanische Museumsexperten und der König von Benin den Kontext zu den Bronzen liefern und die Geschichte des Raubes sowie die Bedeutung der Objekte erklären.

Eröffnung ab Ende 2019 scheibchenweise

Die Preußenstiftung ist mit ihren Sammlungen außereuropäischer Kunst der Hauptnutzer des Humboldt Forums. Daneben bekommen auch das Land Berlin und die Humboldt-Universität Ausstellungsflächen. Parzinger rechnet nicht damit, dass die Dauerausstellungen der Stiftung im zweiten und dritten Stock gleich zur Eröffnung Ende 2019 zu sehen sind. "Wir werden nach dem derzeitigen Stand wohl Anfang 2020 starten", sagte er. "Aber wir sind auch an der Sonderausstellung im Erdgeschoss beteiligt, die schon 2019 öffnen soll."

Die Eröffnung des Humboldt Forums ist in mehreren Schritten geplant. Die Kosten des Mammutprojekts sind auf knapp 600 Millionen Euro veranschlagt, Hauptgeldgeber ist der Bund.

Sendung: Inforadio, 03.01.2019, 08:40 Uhr

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7 Kommentare

  1. 7.

    Trotzdem meine Anerkennung dass sie den Kommentar gebracht haben gebracht haben.

  2. 6.

    Eine solche Gleichstellung wäre eine Schande. Aber ihre Antwort verkennt dennoch antropologische Gegebenheiten mit der Simplifizierung von Totschlagargumenten .

  3. 5.

    Es geht in der Diskussion um damaliges koloniales Unrechts. Bitte stellen Sie nicht " Wissenstransfer" mit Völkermorden gleich, falls das Ihre Absicht mit dieser Frage gewesen sein sollte.

  4. 4.

    Wie sieht's mit dem unglaublichen Wissenstransfer aus der ebenso stattgefunden hat wie der koloniale Ausraub? Wer in den einstigen Kolonien gedenkt dessen z B mit einer Statue?

  5. 3.

    Sollte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Herr Parzinger eine klare Haltung haben, ob man die Kuturgüter aus der Kolonialzeit zurück geben soll oder nicht.
    Dies muß in einer öffentlichen Diskussion mit allen gesellschaftlichen Gruppen in Deutschland entgültig entschieden.
    Sein jetziger Vorschlag, mit einem Raum der Stille, verschiebt die Entscheidung auf den Sankt Nimmerleinstag. Dies wird nicht zur Lösung des Problems führen.

  6. 2.

    Gähn!

  7. 1.

    Nachdenken ... Die Politik sollte handeln, zurückgeben und angemessen entschädigen.

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