Nord- und Ostseite des Humboldt-Forums in Berlin-Mitte (Quelle: imago/Peter Meissner)
Bild: imago/Peter Meissner

Kulturstaatsministerin Grütters - Freier Eintritt im Humboldt-Forum soll als Pilotprojekt dienen

Ab Ende 2019 soll das neue Humboldt-Forum schrittweise eröffnet werden. Der Eintritt soll kostenlos sein. Kulturstaatsministerin Monika Grütters sieht das als eine Art Pilotprojekt auch für andere Häuser. Doch viele der benachbarten Museen sind auf Eintritt angewiesen.

Ab Ende des Jahres soll es losgehen im neuen Humboldt-Forum. Das Museums- und Kulturzentrum im Herzen der Stadt soll schrittweise eröffnet werden - und zunächst mal keinen Eintritt kosten. Für Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ist das auch ein Test für andere Museen.

Freien Eintritt nach drei Jahren "evaluieren"

"Der freie Eintritt in diesem Haus soll ein Pilotprojekt sein, das nach drei Jahren evaluiert wird", sagte die CDU-Politikerin der Nachrichtenangentur dpa am Wochenende. "Dann wird man sehen, wie die Effekte im Haus waren, welche Auswirkungen es auf die Publikumsströme hat und wie sich das auf andere Einrichtungen auswirkt."

In dem rund 600 Millionen Euro teuren Bau sollen einmal mehr als 20.000 Objekte aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien zu sehen sein. Grütters verwies auf den besonderen Charakter des Forums: Es sein kein Museum klassischen Typs, "sondern eine interdisziplinäre Bildungseinrichtung mit mehreren beteiligten Akteuren." Auch in dieser Hinsicht sei es ein Pilotprojekt. "Wenn man also generell über freie Eintritte bei öffentlichen Ausstellungshäusern nachdenkt, dann eignet sich ein solches nicht klassisches Projekt als Pilotversuch dafür sehr gut."

Erfahrungen auf andere Museen übertragbar?

Auch wegen der unmittelbaren Nähe zur Museumsinsel gilt der freie Zugang als problematisch. "Es stimmt, auf der gegenüberliegenden Museumsinsel muss Eintritt bezahlt werden", räumte Grütters ein. "Es lohnt sich aber auch da, später einmal zu fragen: Sind Erfahrungen aus dem Humboldt-Forum übertragbar? Gibt es in Bezug auf das Publikum einen Unterschied zwischen Kunst- und Geschichtsmuseum?"

Die Kulturpolitikerin verwies auf grundsätzliche Fragen: "Wollen wir in Deutschland staatlich geförderte Museen, auch kommunale und Landesmuseen, mit freiem Eintritt oder nur symbolisch niedrigen Eintrittsgeldern?" Im Gegenzug drohen dann neue Lücken in öffentlichen Haushalten. "Zur Gegenfinanzierung müssten wir ja mehrstellige Millionensummen auf den Tisch legen."Die planmäßige Eröffnung des Humboldt-Forums sieht Grütters nicht in Gefahr. "Wir sind noch im Zeit- und Kostenplan. Der Kostenplan macht derzeit weniger Sorge als der Zeitplan. Das will ich auch gar nicht beschönigen."

Für die Öffnung sei "ein eher dramaturgisches Konzept seit eineinhalb Jahren verabredet". Mehrere Etappen erstrecken sich von der Fertigstellung des Gebäudes in der zweiten Jahreshälfte 2019 über Eröffnungen der einzelnen Dauer- und Sonderausstellungen über das ganze Jahr 2020. Auch ohne fertige Ausstellungen hofft Grütters auf einen frühen Gesamteindruck: "Mein Wunsch ist es immer, dass man das Gebäude als solches erleben kann."

Sendung: Inforadio, 06.01.2019, 11.00 Uhr

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7 Kommentare

  1. 7.

    Bis vor einigen Jahren war der Eintritt in ALLE Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Sonderausstellungen zum Teil ausgenommen) kostenlos. Dann war man, im neoliberalen Rausch der "Kostenoptimierungen" und Einsparungen, der Meinung, das könne man sich nicht mehr leisten und Kultur müsse schließlich auch etwas kosten (dies war kurz nach der Einführung der Jahresgebühr für die Nutzung der öffentlichen Bibliotheken - eine Maßnahme, die wir einer Finanzsenatorin der SPD zu verdanken haben, die mit solchen Nummern eifrig am Niedergang ihrer Partei mitwirkte).

  2. 5.

    Lieber rbb, die Begriffe UMSONST und KOSTENLOS kann man ganz einfach mit einer Eselsbrücke auseinanderhalten: Meine Schulbildung war kostenlos, und Ihre?
    Das hilft schnell sich zu entscheiden.

  3. 4.

    In Museen gehen Menschen, die sich ihre Neugierde auf die Welt abseits des unmittelbaren Umfeldes bewahrt haben. Und die die Zeit des Museumsbesuchs erübrigen können und wollen. Das ist somit querbeet.

    Mit Arm und Reich hat das insofern zu tun, als ein zu hoher Eintritt in der Tat einen Abschreckungseffekt besitzt. Deshalb die Diskussion um den freien Eintritt.

  4. 3.

    Was für ein Unsinn. Gerade Einkommensschwache Einwohner sollten auch die Möglichkeit bekommen die Museen zu besuchen. Denn die Museen haben natürlich ganz klar einen Bildungsauftrag. Diese aus "staatshoheitliche" Hände abzugeben -nur mit der Ausrichtung auf streng marktwirtschaftliches Interesse wäre fatal.

  5. 2.

    Für den BER waren auch Milliarden da, also?

  6. 1.

    In Museen gehen doch eh nur Menschen, die auch Geld haben. Wozu also unnötig den Haushalt belasten. Ganz im Gegenteil, die Preise sollten erhöht werden. Wo wenn nicht bei den Museen soll Berlin denn an den Touristen verdienen?

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