Vertreter dreier Religionen: Präsidiumsmitglied Imam Kadir Sanci, der Vorsitzende des Stiftungsrates, Rabbiner Andreas Nachama, und Pfarrer Gregor Hohberg (Quelle: imago/Rolf Zoellner)
Video: rbb|24 | 16.01.2019 | Bild: imago/Rolf Zoellner

House of One in Berlin-Mitte - Der Info-Pavillon macht Platz für das Haus der drei Religionen

Das in Berlin geplante Drei-Religionen-Haus House of One nimmt weiter Gestalt an. Am Mittwoch wurde ein Pavillon abgebaut, der seit einem Jahr als Platzhalter diente, wie die
Stiftung House of One mitteilte. Mit dem Abbau der Holz-Plexiglas-Konstruktion würden die Vorbereitungen der Bauphase für den neuen Sakralbau beginnen. Am 14. April 2020 soll laut Stiftung der Grundstein für das weltweit vielbeachtete Projekt gelegt werden. Das House of One soll unter einem Dach eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee beherbergen.

Standort der St. Petri-Kirche aus dem 13. Jahrhundert

In den kommenden Monaten werden Archäologen den künftigen Bauplatz untersuchen und die Gründungsarbeiten für das House of One beginnen, hieß es weiter. Unter anderem müssten rund 70 Betonpfeiler, jeweils über 30 Meter lang, in den Boden gebohrt werden, um den Baugrund in der einst sumpfigen Flussaue in der Berliner Mitte zu stabilisieren. Erst dann könne der Bau des House of One auf den Fundamenten der einstigen St. Petri-Kirche beginnen.

Bereits im 13. Jahrhundert stand an dieser Stelle die St. Petri-Kirche, die mehrmals um- und neugebaut wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zerstört, in den 1960 Jahren ließ die DDR-Regierung die Gebäudereste sprengen. Auf den Grundmauern soll nun das Drei-Religionen-Haus entstehen.

Lücke von fünf Millionen Euro soll mit Spenden geschlossen werden

Für die Errichtung des House of One werden den Angaben zufolge eine Bauzeit von drei Jahren sowie insgesamt 43,5 Millionen Euro veranschlagt. Weltweit seien bislang rund 8,5 Millionen Euro Spenden eingegangen. Weitere zehn Millionen Euro stellt der Bund zur Verfügung, wenn das Land den gleichen Betrag zahlt. Zudem hätten mehrere Mäzene weitere Großspenden zugesagt. Die verbleibende Lücke von fünf Millionen Euro solle mit Crowdfunding und Spendenaktionen geschlossen werden, erklärte die Stiftung.

Tag der Grundsteinlegung nimmt Bezug auf Lessing

Der Vorsitzende des Stiftungsrates, Rabbiner Andreas Nachama, betonte auf der Finissage am Mittwoch, der Abbau des Pavillons sei "ein wichtiger Schritt hin zur baulichen Vollendung unseres interreligiösen Friedensprojekts". Weiter betonte er, dass die Initiatoren, also Juden, Christen und Muslime, bereits seit mehreren Jahren im interreligiösen Dialog aktiv seien und damit einen "Beitrag zu mehr Verständnis, Toleranz und Miteinander in unserer Gesellschaft" leisten wollten.

Der Tag der geplanten Grundsteinlegung fällt auf den Jahrestag der Uraufführung des Theaterstücks "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781). Das Stück um Humanismus, Aufklärung und Toleranz zwischen den drei Religionen wurde am 14. April 1783 keine 100 Meter vom Berliner Petriplatz entfernt aufgeführt.

Einladung zum Dialog - auch an Atheisten und Religionssucher

"Damals öffnete sich Berlin für die erste Aufführung von Lessings wichtigem, damals sehr umstrittenen Werk, heute sind wir dankbar dafür, dass sich Berlin wieder öffnet, dieses Mal für das House of One" sagte Präsidiumsmitglied Imam Kadir Sanci. Pfarrer Gregor Hohberg, betonte, dass diese Offenheit über die drei Religionen hinausgehe, ins House of One seien auch Atheisten, Religionssucher sowie andere Religionen zum Dialog eingeladen.

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1 Kommentar

  1. 1.

    So kann es nie bewiesen, wohl aber empfunden werden:
    Alle Geschiedenheit, alle Zerwürfnisse rühren vom Menschen her, nicht von "Gott", nicht von einer "Höheren Weisheit", wie es Buddhisten bezeichnen, nicht von einem "Kollektiven Unterbewussten" her.

    Auch Flüsse und Berge trennen nicht, sie sind einfach nur "da". Trennend sind sie nur demjenigen, der, von Eile getrieben, sie sperrig in seinem Weg glaubt. Von daher kann das "House of One" ein bleibendes Haus der überreligiösen Besinnung sein, bezeichnenderweise an diesem abGESCHIEDENEN, zerrütteten, städtebaulich "geschundenen Ort".

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