Collage: Richard Grenell | Caroline Preuss | Jasmin Schreiber | Jan Josef Liefers
Bild: imago/Chris Emil Janssen | privat | privat | imago/Rüdiger Wölk

Verleihung "Die Goldenen Blogger 2018" - Reden ist Silber, bloggen ist Gold

Der Blog ist nicht tot, es lebe der Blog! Aber nicht nur Blogger, sondern auch Publizisten in anderen sozialen Medien werden am Montag mit dem Preis "Die Goldenen Blogger" geehrt. Viele Berliner sind dabei  - ernste, lustige, und auch ein Störenfried. Von Vanessa Klüber

"Gerda stirbt, deshalb bin ich hier" - so schreibt es Jasmin Schreiber in ihrem Text. Die in Hamburg und Berlin lebende Bloggerin ist mit ihrem Text über eine alte Frau in ihren letzten Tagen nominiert für den besten Blogtext des Jahres, nach dessen Rezeption man schon ziemlich hart drauf sein muss, wenn man keine Tränen in den Augen hat oder nicht wenigstens schluckt.

Der Preis, den sie gewinnen kann, heißt: "Die goldenen Blogger". Er wird am Montag im Telefónica Basecamp in Berlin-Mitte verliehen. Auch "Beste Blogger*in des Jahres" könnte Schreiber mit ihrem Blog über das "Sterben üben" werden.

Hinter Blogs stehen oft Einzelpersonen

74 Kommentare haben Leser zu Schreibers Text "Gerda stirbt" hinterlassen - Blogs können offensichtlich immer noch Leser an sich binden, auch wenn große soziale Medien voll von Texten, Bildern, Videos und Kommentaren sind.

Ein Blog hat ein individuelles Layout, ein Blog "gehört" den jeweiligen Bloggern, meistens stehen Einzelpersonen dahinter und keine Konzerne. Ausgezeichnet werden auch nur nicht-kommerzielle Blogger.

Kategorie "Beste Social Media Präsenz einer Celebrity"

"Blogger*in des Jahres" ist die Hauptkategorie - aber auch in Nebenkategorien wie Twitter-Hashtags und Instagram-Accounts werden Publizisten ausgezeichnet. "#Wir sind Mehr" ist einer dieser Hashtags, der im Zuge eines Konzerts in Chemnitz gegen Nazis entstanden ist und 2018 auf die Schilder vieler Demonstrationen gegen Rechts gekritzelt war.

Die Berliner (zumindest was den Wohnort betrifft) Jan Josef Liefers und Barbara Schöneberger könnten in der Kategorie "Beste Social Media Präsenz einer Celebrity" gewinnen - wenn sich die Community nicht für Dieter Bohlen entscheidet. Schöneberger ist für ihren Comedy-Radiosender "barba radio" aus Tempelhof-Schöneberg nominiert, Liefers mit einer Mischung aus Star-Content, Cat Content und Blödeleien. Auch politische Botschaften finden sich in seinem Wundertüten-Account.

Kategorie "Podcast"

Business, Business, Business, pink, gelb, grün, blau: So ungefähr ist der erste Eindruck von Caroline Preuss' Podcast "Go for it". Preuss will uns lehren, wie man ein profitables Geschäft aufbaut. Denn sie hat es offenbar geschafft und könnte in der Kategorie "Podcast" den Preis holen.

Kategorie "Newcomer"

Wirklich überdurchschnittlich häufig sind Berliner nominiert, sie begegnen uns in weiteren Kategorien: Zu den Newcomer-Nominierten hat sich der "Journalist und Buchautor mit unternehmerischem Ehrgeiz", Gabor Steingart, hochgebloggt. Mit seinem gleichnamigen Blog, auf dem er mit seinem Gesicht wirbt, informiert er journalistisch am Morgen über das Weltgeschehen. "Präzise. Humorvoll. Und garantiert unabhängig", wie es heißt. Mit seiner nachrichtlich-politischen Ausrichtung tritt er in dieser Kategorie gegen völlig andere Blogthemen an: gegen einen "Mädelsschnack"-Blog und einen Blog über das Down-Syndrom.

Kategorie "Bester Twitter-Account des Jahres"

Noch ein Berliner Journalist ist in der Kategorie "Bester Twitter-Account des Jahres" nominiert: Robin Alexander "berichtet für @welt über Kanzlerin und politisches Berlin" - so formuliert er es in seinem klassischem Journalisten-Profil: Porträt, Hemd, ernster Blick. Er hat rund 35.000 Follower, und die Nachrichtenseite "Buzzfeed" bezeichnete ihn einst als den "krassesten Politikreporter Deutschlands".

Auch wenn Buzzfeed inflationär krasse Überschriften produziert, könnte das Magazin Recht haben: Der Journalist ist sehr nah dran oder wahlweise sehr tief drin in der Bundespolitik und zitiert gerne Spitzenpolitiker oder beschreibt, wie er mit Horst Seehofer und Christian Linder Aufzug fährt und was da dann abläuft.

Kategorie "Blogger ohne Blog"

Sogar eine Kategorie "Blogger ohne Blog" gibt es, wobei man sich dann schon fragt, warum diese ausgezeichnet werden sollen. Milena Glimbovski tauchte immerhin in sämtlichen Medien auf: Als Geist der "Zero-Waste-Bewegung" gegen Verpackungsmüll und als Gründerin des Berliner Lebensmittelgeschäfts "Original Unverpackt".

Wie vielfältig die Kategorien und Nominierungen sind, zeigt sich vor allem auch an einem Mann, ebenfalls nominiert in der Kategorie "Blogger ohne Blog", den viele in Berlin sicherlich auch als Störenfried sehen: Nominiert ist der US-Botschafter in Deutschland mit Sitz in Berlin, Richard Grenell. Konservativ, polarisierend, fordernd. Den Deutschen trat er zum Beispiel damit auf den Schlips, indem er sie aufforderte, die Handelsbeziehungen zum Iran unverzüglich zu beenden. Wird er "Blogger ohne Blog" des Jahres 2018?

Negativkategorie "Blocker des Jahres"

Und zuletzt finden sich noch einige Personen aus Berlin unter den "Blockern des Jahres“, eine Negativ-Auszeichnung. Anja Karliczek ist Bundesbildungsministerin und bemerkte kürzlich, Deutschland brauche nicht 5G "an jeder Milchkanne". Das stieß angesichts der "weißen Internet-Flecken" beispielsweise in Brandenburg auf Kritik.

Die Bundeswehr ist für ihr Auftreten bei der Re:Publica 2018 in Berlin nominiert: Einen Rekrutierungsstand auf der Medienkonferenz hatte man der Bundeswehr verweigert, stattdessen warb sie am Rande des Konferenzgeländes und erntete einen Shitstorm.

Beitrag von Vanessa Klüber

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren