Der Komponist Ennio Morricone bei seiner "The Farewell Tour" in der Mercedes-Benz Arena Berlin (Bild: dpa/Christoph Soeder)
Audio: Inforadio | 06.07.2020 | Lothar Jänichen | Bild: dpa/Christoph Soeder

Aus dem Archiv: Konzertkritik von 2019 - Ennio Morricone nimmt furios Abschied

Der italienische Filmkomponist Ennio Morricone ist tot. Er starb am Montagmorgen in Rom im Alter von 91 Jahren in seiner Heimatstadt Rom. Lesen Sie hier noch einmal die Kritik zu seinem fulminanten letzten Konzert in Berlin am 21. Januar 2019.Von Alexander Soyez

Weit über fünf Jahrzehnte Filmmusikgeschichte hat Ennio Morricone geschrieben. Er gewann zahlreiche Preise - von Golden Globes bis hin zum Grammy. Fünf Mal war er für den Oscar nominiert und nach seinem Lebenswerk-Oscar bekam er ihn dann auch endlich - bei seiner sechsten Nominierung für Quentin Tarantinos Western "Hateful 8". Es war Morricones Rückkehr zum wilden Western nach 34 Jahren Abstinenz.

500 Filmmusiken komponierte der Maestro, darunter legendäre Klassiker wie "Spiel mir das Lied vom Tod", 70 Millionen Tonträger verkauften sich. Aber nach 60 Jahren als Musiker verabschiedete sich der 90-Jährige nun Montagabend von den großen Konzertbühnen dieser Welt.

In der Mercedes-Benz-Arena stand der italienische Komponist noch einmal selbst auf der Bühne und dirigierte seine eigenen Werke, begleitet von 200 Musikern. So viele Superlative einem bei Morricone einfallen, so bescheiden wirkte er dabei: Verneigte sich nach fast jedem Applaus und zeigte sich dankbar für die Wertschätzung seiner Musik, die mehr ist als Filmgeschichte.

Bilder, die im Kopf entstehen

Im Konzert sieht man förmlich die durchs Bild rollenden Steppenläufer-Büsche vor sich, die Männer mit den Fingern am Abzug. Man spürt die Spannung - selbst wenn man nie einen Western von Sergio Leone gesehen hat, mit dem Morricone eng zusammengearbeitet hat.

Und man wird von Morricones Soundtracks in den wilden Westen getragen. Seine Musik steht für den Western, weil sie so viel stärker und überspitzter ist, als alles was davor im Western-Genre zu hören war. Und genauso reicht es eben, die Musik ohne den Film zu hören. Bei dieser Musik braucht es die Bilder nicht, auch wenn Morricones Kompositionen nie Selbstzweck waren, sondern immer den Bildern seiner Regisseure dienten.

Ein Meister verlässt die Bühne

Jedes der Stücke, die Morricone auf seiner Abschiedstour erklingen lässt, hat eine eigene Dramaturgie: Einleitung, Höhepunkt, Finale. Jedes Stück erzählt eine Geschichte. Man kann darin baden, fast so wie die Filme in seiner Musik baden konnten, ohne je von ihr zugekleistert zu werden.

Abgesehen davon, dass die Bühnentechniker es in der riesigen Halle nicht hinbekommen haben, die Nahaufnahmen der Musiker auf den beiden riesigen Monitoren über der Bühne synchron mit dem Ton laufen zu lassen, war es ein großer, fast andächtiger Konzertabend: der Bühnen-Abschied einer Legende.

Sendung: Inforadio, 22.01.2019, 06.55 Uhr

Beitrag von Alexander Soyez

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1 Kommentar

  1. 1.

    Schade, einer der ganz Großen.

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