Ein Model läuft bei der Modenschau "Neo.Fashion" von jungen Designern verschiedener Hochschulen im Umspannwerk Alexanderplatz über den Laufsteg (Quelle: DPA/Jens Kalaene)
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Audio: Inforadio | 15.01.2019 | Magdalena Bienert | Bild: dpa

Nachwuchsschau auf der Fashion Week Berlin - Aufbruch mit Mooskapuze

Erstmals haben sich vier Hochschulen zusammengetan, um Arbeiten ihrer Absolventen auf der Fashion Week zu zeigen. Bei "Neo Fashion" waren Mäntel zu sehen, die an Betten erinnerten, Kapuzen aus Moos - und typischer Berlinstyle. Von Magdalena Bienert

Es war die wahrscheinlich längste Modenschau in der Geschichte der Berliner Fashion Week: Innerhalb von zwei Stunden präsentierten am Montagabend 44 Absolventen von vier deutschen Hochschulen ihre Abschlussarbeiten. Bei einer regulären Schau ist meist nach 20 Minuten schon wieder alles vorbei.

Zum ersten Mal haben Absolventen von Mode-Studiengängen ihre Entwürfe auf der Fashion Week Berlin 2019 gezeigt. Die Show trug den Titel "Neo Fashion". (Bild: rbb/Magdalena Bienert)
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Die erste "Neo Fashion" geriet dennoch kurzweilig: Los ging es mit sechs Talenten von der Fachhochschule Bielefeld, dem einzigen staatlichen Modestudiengang in Nordrhein-Westfalen. Viel Volumen und kantige Oversize-Looks dominieren, die Models kommen mit deckenartigen Mänteln, eines trägt die passenden Kopfkissen dazu direkt auf dem Rücken.

Auffällig ist, wie divers die Models sind: Frauen und Männer tragen die androgynen, oft asymmetrischen Arbeiten unabhängig von ihrem Geschlecht. Alles ist wenig körperbetont oder im Alltag tragbar. Das müssen die Teile natürlich auch nicht sein. Verglichen mit den konventionellen Entwürfen mancher Designer, die auf der Modemesse vor allem ihre Kollektionen der übernächsten Saison bewerben wollen, ist diese Show deutlich anders.

Oversize, Androgynität, Formenspiele

Auch die Absolventen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) sind experimentierfreudig. Eine Kollektion zeigt einen Mantel mit moosbewachsener Kapuze - gegen den Feinstaub. Auch aus der Hansestadt kommen Entwürfe, bei denen wohl ein kuschliges Bett die Inspirationsquelle zu sein scheint: rote, voluminöse, gesteppte Manteldecken.

Jede Kollektion will eine Geschichte erzählen: Mal diente Kandinsky als Muse, mal Frauen des 18. Jahrhunderts, es geht um Selbstoptimierung oder kulturelle Einflüsse - das kann man alles im Programm nachlesen. Selten erschließt sich der ganze Plot in den wenigen Entwürfen und manchmal scheitert eine Idee auch - so wie der Versuch das omnipräsente Social-Media-Thema aufzugreifen und die Entwürfe auf in Weiß gekleidete Models zu projizieren. Von weiter weg ist aber ohnehin kaum etwas zu erkennen.

Zum ersten Mal haben Absolventen von Mode-Studiengängen ihre Entwürfe auf der Fashion Week Berlin 2019 gezeigt. Die Show trug den Titel "Neo Fashion". (Bild: rbb/Magdalena Bienert)

Von der Bremer Hochschule für Künste kommen grober Riesen-Strick und endlich auch mal figurschmeichelnde, tragbare Kleider. Während der ersten Stunde ähneln sich die Motive. Immer wieder verschwimmen die Gendergrenzen. Männliche Models tragen Pumps und Kleider genauso selbstverständlich, wie manche weiblichen Models raspelkurzes Haar und maskuline Workwear. Das Spiel mit Volumen und Formen wiederholt sich, genauso wie die Angst vor Farben oder Aufdrucken.

Der Berlinstyle ist unverkennbar

Den Abschluss der knapp zweistündigen Show bilden 20 junge Talente der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Es ist erstaunlich, wie sehr sich ihre Kollektionen von den anderen Hochschulabsolventen unterscheiden: Plötzlich ist alles viel gradliniger, ein bisschen cooler, moderner, die Musik scheint direkt aus dem Berghain geklaut worden zu sein. Vieles könnte man direkt anziehen.

Models laufen am 14.01.2019 bei der Modenschau "Neo.Fashion" von dem Designer Marcel Rosenberg über den Laufsteg. (Quelle: rbb/Magdalena Bienert)
Bild: rbb/Magdalena Bienert

Natürlich überspitzt das Muster der U-Bahn-Sitze auf einem dicken Mantel den Berlinstyle. Aber zusammen mit einem blau-weißen-Rock, der an die Hertha-Farben erinnert oder einem Look in Aldi-Streifen, gerät das zur perfekten Großstadtkollektion. Jungs tragen auf dem Catwalk Radlerhosen mit grafischem Muster und Bauchtaschen quer über der Brust. Mädchen zeigen viel Haut, dürfen auch feminine Looks tragen oder Unterwäsche. Sie bleiben trotzdem urban und lässig. Filigrane Handarbeiten werten detailverliebte Kleider auf - bei den Vorgängern wurden einfach viele vermeintliche Fetzen hängengelassen. Ja, Berlin ist im direkten Vergleich unverkennbar.

Zum ersten Mal haben Absolventen von Mode-Studiengängen ihre Entwürfe auf der Fashion Week Berlin 2019 gezeigt. Die Show trug den Titel "Neo Fashion". (Bild: rbb/Magdalena Bienert)
Bild: rbb/Magdalena Bienert

Die rund 450 Zuschauer im Umspannwerk sind nach der vermutlich längsten Modenschau der Fashion Week begeistert. "Ich fand es voll gut. Es ist das erste Mal, dass ich bei so etwas war, und es ist beeindruckend, was die Designer geleistet haben", sagt eine junge Frau und eine andere fügt hinzu: "Ich fand die Berliner am Besten."

Die "Neo Fashion" war ein cooler Auftakt zu einer neuen Runde Fashion Week im zwölften Jahr. Für manches neue Design-Talent wird es bestimmt nicht der letzte Auftritt in diesem Rahmen gewesen sein.

Sendung: Abendschau, 15.01.2019, 19:30 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

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1 Kommentar

  1. 1.

    Zukünftige Kleidung für einen bestimmten Personenkreis? Ich muß spontan an die Weißkittel der Hinterwäldler in den USA denken. Schlecht ausgeführt. Ist halt meine Meinung.

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