Pierre Besson und Katharina Thalbach bei der Fotoprobe des Theaterstücks 'Hase Hase' in der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater (Quelle: dpa/Geisler-Fotopres).
Audio: Inforadio | 21.01.2019 | Magdalena Bienert | Bild: dpa/Geisler-Fotopress

Kritik | Hase Hase im Schillertheater - Viele große Namen im Einzelkampf

Drei Generationen Thalbach und mehrere Bessons: Prominent besetzt war das Ensemble von "Hase Hase" beim Auftritt im Schillertheater allemal. Aber große Namen machen eben noch keine große Inszenierung, findet Magdalena Bienert.

Der prominent besetzte Abend zieht sich bis in die vollen Zuschauerränge: Guido Maria Kretschmer plaudert mit Thomas Quasthoff, der gleich neben Klaus Lederer sitzt. Dominik Raacke wird noch mit Anja Kling fotografiert und Klaus Wowereit schüttelt im Foyer Hände - und das, obwohl diese Premiere fast nicht hätte stattfinden können. Theaterchef Martin Woelffer sagt vor Beginn, dass die Hälfte des Ensembles krank geworden sei und auch Katharina Thalbach und Pierre Besson hätte es ziemlich erwischt. Was die beiden genommen haben, um doch auftreten zu können, bleibt ihr Künstlergeheimnis – der Abend findet statt.

Auf den ersten Blick: Normaler Familienwahnsinn

Mama Hase, gespielt von Pierre Besson, wohnt mit Papa Hase (Narkus Völlenklee) und noch zwei Söhnen in einer ziemlich kleinen Wohnung. Der älteste Sohn (Philippe Besson) wird Arzt und der Jüngste (Katharina Thalbach) geht aufs Gymnasium und ist ein Mathegenie. Zwei Töchter sind verheiratet und der dritte Sohn studiert in Belgien. Denkt zumindest Mama Hase. Denn nichts ist, wie es scheint.

Hase Hase kommt von einem anderen Stern

1986 wurde "Lapin Lapin" von Autorin Coline Serreau uraufgeführt. Regie führte damals Benno Besson, ihr Lebensgefährte. Gestern stehen nun vier seiner Kinder auf der Bühne (das Jüngste, Nathanael Serreau, in diversen Nebenrollen). 1992 spielte Katharina Thalbach am Schillertheater schon mal den Jüngsten der Familie: Hase. Wegen der zwei Zähne, die er zur Geburt schon hatte, taufte ihn die Mutter so, und da der Familienname auch Hase ist: also Hase Hase. Und Hase ist eigentlich ein Außerirdischer oder erinnert in dieser Inszenierung mit den roten kurzen Haaren ein bisschen an das Sams. Katharina Thalbach spielt ihn verschmitzt niedlich und hebelt dabei in ihrer dunkelroten Latzhose sämtliche Altersgrenzen mühelos aus.

Drei Generationen Thalbach vereint

Katharina Thalbachs Tochter Anna und Enkeltochter Nellie sind mit von der Partie als hysterische Schwestern, die nach gescheiterter und Fast-Ehe mit Sack und Pack auch wieder zurück nach Hause kehren und sich mit in die winzige Bude quetschen, wo sie ihrer Mutter den letzten Nerv rauben und Kaffee und Suppe immer dünner werden. Auch der dritte Sohn (Raphael Dwinger) ist, von der Polizei gesucht, bei seinen Eltern untergetaucht. Am Ende zieht ein geschasster Ehemann (Marek Helsner) ein, sowie die einsame Nachbarin (Johanna Schall). Aus vieren sind neun geworden, stoisch ertragen von Mama Hase. Das wunderbare Bühnenbild von Momme Röhrbein erinnert dabei unwillkürlich an einen unterirdischen Hasenbau.

Pierre Besson berührt als Mama Hase

Pierre Besson als Mama Hase ist der berührendste und allein durch seine Statur präsenteste Charakter, alle anderen müssen sich anstrengen. Sein Bruder Philippe Besson, Katharina Thalbach und auch Johanna Schall liefern immer wieder Lichtblicke in einer ansonsten an Witz und Emotionen eher armen Inszenierung. Das Ende überrascht, driftet aber auch in kompletten Klamauk ab - leider nicht den der feinsinnigen Art.

Altes Stück in neuer Fassung

Mit der Überarbeitung, die Regisseurin Coline Serreau selbst an ihrem Stück vorgenommen hat und in dem nun Cyberkriminalität auf Terrorismus trifft, ist sie auch 26 Jahre nach der Uraufführung auf der Höhe der Zeit. Aber es wird nicht ganz klar, wohin sie mit "Hase Hase" 2019 will. Es bleibt das unbefriedigende Gefühl zurück, nicht wirklich gelacht und auch nicht geweint, lediglich vielen großen Namen auf der Bühne im Einzelkampf zugeschaut zu haben, als wäre die Zeit zum gemeinsamen Proben zu kurz gewesen. Wirklich schade.

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