Das Ensemble des Stücks "In der Sache J. Robert Oppenheimer" am Deutschen Theater
Audio: Inforadio | 21.01.2019 | Cora Knoblauch | Bild: Arno Declair

Theaterkritik | In der Sache Oppenheimer am Deutschen Theater - Monotoner Abend zu düsterem Sound

Zweimal ist Christopher Rüping als Nachwuchsregisseur ausgezeichnet worden, zweimal waren seine Inszenierungen zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Am Deutschen Theater in Berlin bringt er nun "In der Sache J. Robert Oppenheimer" auf die Bühne. Von Cora Knoblauch

Auf die Frage, ob er der Vater der Atombombe sei, antwortet Oppenheimer: Die Atombombe hat hundert Väter. Und damit springt das Stück am Deutschen Theater gleich rein in die Kernfrage nach Verantwortung und Moral von Politikern und Wissenschaftlern.

1954 wird der amerikanische Physiker Robert Oppenheimer von der Atomenergiekommission in Washington verhört. Nachdem der Physiker versucht hatte, die Entwicklung der Wasserstoffbombe zu behindern, zweifelte Washington an der Loyalität des Wissenschaftlers.

Regisseur Christopher Rüping verlegt die Anhörung Oppenheimers in einen laborartigen, weißen Raum. Dort, an einem runden Tisch, muss er sich befragen lassen. Auf dem Tisch sind Kameras und Mikrofone aufgebaut. Die Schauspieler sprechen direkt in diese Kameras, ihre Gesichter werden überlebensgroß und synchron auf einer großen, an der Decke schwebenden Leinwand übertragen. Kläger und Verteidiger sprechen auf diese Art direkt zum Publikum. 

Düsterer Sound zu ernster Atmosphäre

Nach gut der Hälfte des Abends gibt Rüping diese Methode leider auf und die Schauspieler wechseln zum klassischen Sprechtheater. Ein düster-sphärisches Soundbett, komponiert von Christoph Hart, drückt bleiern auf die eh schon ernste Atmosphäre. 

Für ein paar heitere Momente sorgt der Schauspieler Michael Goldberg, der mehrere Zeugen in der Anhörung spielt und dafür mitten auf der Bühne Schnurbärte und Dialekte wechselt. In den weißen Bühnenraum werden zwischenzeitlich hübsche Retromöbel aus den 1960er Jahren geschoben und ein stilvoller, amerikanischer Bungalow aufgebaut. Aus der Mikrowelle gibt es Toast Hawaii, auch so eine geniale Erfindung der Zeit.

Katharina Matz überzeugt

Das Ensemble braucht am Anfang etwas, um in Schwung zu kommen. Vor allem Felix Goeser kommt zuerst etwas hölzern daher, findet dann aber doch noch seinen zweifelnden Oppenheimer. Allein Thalia-Ehrenmitglied und DEFA-Schauspielerin Katharina Matz als Vorsitzende des Energieausschusses ist von der ersten Minute an voll da.

Christopher Rüping macht keinen Hehl daraus, dass auch die Theaterhäuser eine Frauenquote vertragen könnten. Und so besetzt er seinen Oppenheimer konsequent 50/50. Mit dabei auch Wiebke Mollenhauer, mit der er oft zusammenarbeitet. Ausgerechnet zur Premiere ist sie etwas verschnupft, hält die gut eineinhalb Stunden aber ohne Probleme durch.

Und so endet der bisweilen etwas monotone Abend mit der von Mollenhauer vorgetragenen, schriftlichen Absage der Atomenergiebehörde.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

2 Kommentare

  1. 2.

    Habe vor etwa 50 Jahre erste Bekanntschaft mit dem Stück gemacht und wahr begeistert. Insofern waren meine Erwartungen auf die Aufführung im DT hoch, - viel zu hoch, wie sich leider zeigte.
    Wenn der Regisseur meint, er müsse unter allen Umständen, unabhängig vom Stück, 50:50 besetzen, dann scheint mir das eine merkwürdige Auffassung von Gleichberechtigung zu sein, ist aber natürlich seine Entscheidung. Viel entscheidender ist m.E. jedoch, dass die Atmosphäre des Stückes ('Anhörung') darunter leidet. Unentschuldbar ist jedoch, dass zum Schluss der Aufführung das Plädoyer des 'Anklägers' Robb extrem in den Vordergrund gestellt wird, während die entscheidenden Textstellen (das abschließende Plädoyer von Garrison und die Rechtfertigung Oppenheimers) fast vollständig weggelassen wurden. Das ist m.E. eine bemerkenswerte Verfälschung des Stückes.

  2. 1.

    Ich hatte das große Glück, dass ich zur Premiere in Berlin sein konnte. Schon die Ankündigung hat mich fasziniert.
    Christopher Rüping vermeidet die platte Analogie des Gewissenskonfliktes, den er durch die Rolle der Jean Tatlock, Oppenheimers Verlobte und verfolgte Kommunistin, als Geist inszeniert – eindringlich gespielt von Wiebke Mollenhauer.
    Vielmehr bringt er das „Verantwortungsproblem des technischen Fortschritts“ durch die Hintertür auf die Bühne.
    Die Entwicklung der A-Bombe, die Rolle Robert Oppenheimers und der Schwenk zur heutigen Zeit haben mich förmlich in den Bann gezogen.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Weiße Salon im Schloss Cecilienhof (Quelle: dpa/Christoph Soeder).
dpa/Christoph Soeder

Kommentar | Hohenzollernwahnsinn - Adel ist von Übel

Vor über 100 Jahren dankt Kaiser Wilhelm II. von Preußen ab. Kunstschätze und Schlösser gelangen in öffentliche Hand. Nun fordern seine Nachfahren eine hohe Entschädigung. Ein Unding, kommentiert Tomas Fitzel.