Ethnologisches Museum in Berlin (Quelle: dpa/Schoening)
Audio: Kulturradio | 29.01.2019 | Tomas Fitzel | Bild: dpa/Schoening

Debatte über Museumsstandort - "Das Herz der Sammlungen schlägt weiterhin in Dahlem"

Das Ethnologische Museum und das Museum für asiatische Kunst präsentieren sich künftig im Humboldt-Forum. Die bisherigen Räumlichkeiten in Dahlem wecken Begehrlichkeiten. Doch der Generaldirektor der Staatlichen Museen will von Leerstand und Zwischennutzung nichts hören. Von Tomas Fitzel

Wenn alles nach Plan geht, soll Ende dieses Jahres das Humboldt-Forum in Berlin zumindest in Teilen seine Pforten öffnen - und das Ethnologische Museum sowie das Museum für asiatische Kunst könnten dann ihre Schätze wieder der Öffentlichkeit präsentieren. Aber was passiert mit den alten Räumlichkeiten in Berlin-Dahlem, die vor zwei Jahren endgültig geschlossen wurden? Darüber wird seit Langem debattiert. Das Regionalmanagement Südwest möchte einen Ideenwettbewerb dazu vorantreiben und lud daher am Montag zu einer Podiumsdiskussion ein. Thema: "Wie sollen die geschlossenen Räume temporär genutzt werden?"

Das Missverständnis vom Leerstand

Michael Eissenhauer, der Generaldirektor der Staatlichen Museen, räumte eingangs aber gleich mit einem grundlegenden Missverständnis auf. Denn weder seien die Räume leer - im Gegenteil, sie seien "rappelvoll" -, noch stelle sich daher die Frage einer möglichen Zwischennutzung. "Das Herz der Sammlungen wird weiterhin dauerhaft in Dahlem schlagen", stellte Eissenhauer fest. "Wir bleiben hier."

Am Montag zeigte er sich ratlos wie auch erbost über Berliner Politiker und Kulturagenten: Diese würden die neue Faktenlage schlicht nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Denn die ursprüngliche Idee, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ihren Standort Dahlem komplett aufgeben, womöglich sogar an die Freie Universität Berlin verkaufen würde, sei schon lange vom Tisch. Zum einen ziehe das Museum für Europäische Kulturen nicht mit um in das Humboldt-Forum, zum anderen seien Pläne für ein neues Depot in Berlin-Friedrichshagen schon lange aufgegeben worden. 97 Prozent der Sammlungsbestände verbleiben demnach in Dahlem.

Außerdem sollen Einrichtungen aus dem Geheimen Staatsarchiv sowie wie das Rathgen-Forschungslabor, das derzeit noch im Bröhan-Museum untergebracht ist, neu und zusätzlich angesiedelt werden. Dahlem solle unter anderem künftig als "Experimentierbühne und Schaufenster für das Humboldt-Forum" dienen, sagte Eissenhauer.

Bei seinen Ausführungen über all die Aktivitäten, die in Dahlem künftig stattfinden sollen, wurde aber auch klar, dass das Humboldt-Forum in seiner barocken Prachthülle für die Aufgaben eines modernen Museums ein vielleicht doch zu eng geschnürtes Korsett darstellt.

Beziksbürgermeisterin fürchtet weniger Zulauf

Cerstin Richter-Kotowski, die Bezirksbürgermeisterin von Zehlendorf, zu dem der Ortsteil Dahlem gehört, zeigte sich von Eissenhauers Plänen nicht sonderlich überzeugt. Sie fürchtet, dass diese nicht genügend Publikum anziehen. Hier wäre vor allem das Land Berlin gefragt, das seine Wünsche und Vorstellungen nicht ausreichend gegenüber der Stiftung Preußischer Kulturbesitz artikuliere, argumentierte der ehemalige Kultursenator Volker Hassemer von der Stiftung Zukunft Berlin. Berlin müsse konkrete Pläne für eine mögliche Zwischennutzung entwickeln.

Das Missverständnis "Zwischennutzung" war an diesem Abend offenbar nicht aus der Welt zu schaffen. Christophe Knoch, bis vor kurzem noch Sprecher der Koalition der freien Szene Berlin, spazierte gedanklich durch wunderbare Räume, die jegliche kulturelle Nutzung erlauben würden: Tanz, Theater, Kunst und vieles mehr. Doch seine frei flottierenden Fantasien besaßen nur einen kleinen Schönheitsfehler: Die von ihm imaginierten Räume sind derzeit weder frei noch verfügbar, wie Michael Eissenhauer immer wieder betonte.

Interessante Diskussion über dauerhafte Entwicklung

Inzwischen hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Potentialanalyse zu den Räumen in Dahlem in Auftrag gegeben. Die sollte eigentlich schon 2017 abgeschlossen sein, wäre dann aber heute auch schon wieder Makulatur, da in der Zwischenzeit die Nutzungspläne für das Humboldt-Forum geändert wurden. Ende März soll nun endlich das Ergebnis vorliegen, das aber erst im Juli nach der Stiftungsratssitzung bekannt gegeben wird.

Welche Räume können wie und wozu genutzt werden? Die Antwort auf diese Frage liegt vermutlich noch in weiter Zukunft. Denn das jetzige Depot ist nicht nur brechend voll, es muss auch dringend saniert werden, was wiederum eine neue, große Baustelle bedeutet. Was im Augenblick leer steht, wird dann als Zwischenlager benötigt. Erst nach Abschluss der Sanierung könnte ein bestimmter Anteil von Flächen und Räumen also dauerhaft für eine andere kulturelle Nutzung dienen.

Die wirkliche interessante Diskussion wird daher nicht um eine Zwischennutzung geführt werden, die es wohl ohnehin nicht geben wird, sondern über die Frage, wie der Standort dauerhaft entwickelt wird. Sabine Bangert, die Vorsitzende des Berliner Kulturausschusses, forderte die Einrichtung von sogenannten Schaudepots, also öffentlich zugänglichen Museumslagern - und das wäre ein Novum für Berlin.

Sendung: Kulturradio, 29.01.2019, 7:10 Uhr

Beitrag von Tomas Fitzel

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3 Kommentare

  1. 3.

    Gebt die "Raubobjekte" komplett den “ehemals kolonialisierten Völkern“{Mexiko, etc.) zurück, das Gebäude wird frei, das freigesetzte Museeumspersonal wird dringend bei der BVG gebraucht

  2. 2.

    Vielen Dank-kann mich leider nicht zerteilen und habe gewürfelt. Kultrat hat gewonnen,in Mitte die andere Seite.
    Bereits vor Jahren habe ich vorgeschlagen Minderheitenschutz für die West Berliner Inselkinder und die Bühnen-und Bauhausklasse inkl.neue freie Volksbühne Berlin West-Aufarbeitung.
    Wir haben die EU-Wahl,weder ein Warschauer Getto möchte ich ,noch eine Parlamentarische Wilhelmine, sowie die weitere Vertreibung von uns Landeseigene Kinder in 3.Wiege,mit einzu beziehen in der Kulturellen Vielfalt mit anständigen Lohn und Brot ohne Vormund mit Not.Als Kulturschaffende-und vertriebene aus dem Innenstadtring an den Stadtrand Steglitz,wünsche ich auch keine Warschauer Brücke mit Tourismus Gangs....doch Ort bietet sich an wie früher kreuzberg an Stadtrand -unsere Kreativwirtschaft-Kultur Bühne und Atelierräume Fachkräfte sowie eingesparten Öffentlichen Dienst im Kultur-Handwerk-Bauhaus vor Barrakenbau von Gropius- umzusetzen.Kunst baut auf Handwerk auf ist im BAUHAUS nichts übrig.

  3. 1.

    Der Bezirk heißt Steglitz-Zehlendorf.
    Und hat nicht bspw. das Naturkundemuseum Depots, die zumindest gelegentlich öffentlich zugänglich sind? (Nebenher: Was veranschlagt Frau Bangert denn dafür, die Depots so herzurichten, dass sie erstens für Besucher verkehrssicher sind - und zweitens die Exponate vor Beschädigung und Diebstahl gesichert? Weiß die Dame z.B., wieviel Feuchtigkeit Menschen allein durch ihre Anwesenheit in Räume bringen? )
    Und danke für diesen Bericht darüber, wie gewisse Herrschaften offenkundig mal eben Liegenschaften verplanen, die ihnen gar nicht gehören und voraussichtlich auch nie gehören werden. Natürlich ist es legitim, Wünsche und Kritik zu äußern. Aber die Staatlichen Museen brauchen die Gebäude offenbar dringend. Und es ist durchaus von Vorteil, wenn deren Nutzung künftig weniger all jenen dient, die auf einer Touristenrennbahn mit "Highlights" und "Must-Sees" abgefertigt werden, sondern jenen, die wirklich an Kultur und Wissenschaft interessiert sind.

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