Omar-Moschee in Berlin-Kreuzberg (Quelle: Imago/Lars Reimann)
Audio: Kulturradio | 06.01.2019 | Elena Griepentrog | Bild: Imago/Lars Reimann

Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee in Berlin-Kreuzberg - Zu Besuch in einer Kreuzberger Moschee

Am Görlitzer Bahnhof in Berlin-Kreuzberg liegt die Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee. Während draußen die U-Bahnen vorbeirattern, herrscht drinnen wohltuende Ruhe. Und besucht man das Dach, entdeckt man, was die Moschee einzigartig macht. Von Elena Griepentrog

Sieben Stockwerke aus Stahlbeton und Sandstein, große Glasflächen, harte Kanten, eine ausladende Drehtür am Eingang: Steht man vor dem Eingang des Maschari-Centers mitten im tobenden Verkehr, glaubt man, vor einem beliebigen Bankgebäude zu stehen. Doch im Inneren der Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee, die das Center beherbergt, herrscht wohltuende Ruhe, reiche Verzierungen im maurischen Stil und arabische Kalligraphien schmücken die Räume, dicke, weiche Teppiche liegen aus.

Über die Kuppel sind Grasmatten gespannt

Über dem zentralen Gebetsraum, der sich auf drei Etagen verteilt, wölbt sich eine hohe Kuppel, rund vier Meter im Durchmesser. Von außen ist die Kuppel komplett begrünt, ein kleines Biotop über der Stadt. "Es ist ein Novum, ich kenne keine weitere Moschee, die ein begrüntes Dach hat", sagt Öffentlichkeitschef Birol Ucan.

Jetzt im Winter eher moosig, erstrahlt die Kuppel im Frühsommer als bunte Wiese. Möglich wird das durch spezielle Grasmatten, die über die Kuppel gespannt wurden - ähnlich wie in einem Fußballstadion. Die Vereinsmitglieder der Moschee pflegen ihre Wiese liebevoll. Regelmäßig wird sie gegossen. Am höchsten Punkt der Kuppel reckt sich der der traditionelle Halbmond in den Berliner Himmel, nach oben offen, in Gold.

Begrünte Kuppel auf dem Dach der Omar-Moschee in Berlin-Kreuzberg (Quelle: imago/Lars Reimann)
Biotop auf dem Dach der zweiten Kuppel | Bild: imago/Lars Reimann

Von der Straße aus ist sie kaum sichtbar, doch quer über das komplette Dach zieht sich eine riesige Terrasse. Sogar eine Wohnung ist hier eingebaut. Grillpartys gibt es allerdings nicht, zu gefährlich. Nur die Haus-Techniker dürfen die Terrasse betreten.

Es gibt noch eine zweite Kuppel, direkt über dem Haupteingang zur Straße hin. "Die zweite Kuppel soll von außen signalisieren, dass in diesem Gebäude eine Moschee ist. Die ist in Glas ausgeführt", sagt Birol Ucan. Unter der Kuppel sei ein Versammlungsraum mit einem großen Tisch, an dem man sich zusammensetzen könne. "Da kann man auch die Skyline von Berlin, den Fernsehturm und das Rote Rathaus sehen."

Standort an ehemaligem Bolle-Supermarkt

Die gläserne Kuppel strahlt Selbstbewusstsein aus - und das ist beabsichtigt. Träger der Moschee im Maschari-Center ist der Islamische Verein für wohltätige Projekte. Der gilt als gemäßigt konservativ, arabisch geprägt. Im Maschari-Center, 2010 eingeweiht, gibt es neben der Moschee auch eine Koranschule, einen Kindergarten, einen Fleischer, eine religiöse Buchhandlung und eine muslimische Damen-Boutique, Seminar- und Festräume sowie ein Café. Zehn Millionen Euro hat das Zentrum gekostet, finanziert allein aus Spenden, so der Verein.

Geplünderte und abgebrannte BOLLE-Filiale nach Krawallen am 1. Mai 1987 (Bild: imago/Homann)
Geplünderte und abgebrannte Filiale des Bolle-Supermarktes nach Krawallen am 1. Mai 1987 | Bild: imago stock&people

Das Zentrum steht auf historischem Grund. Bis 1987 stand hier ein berühmt-berüchtigter Bolle-Supermarkt. Autonome setzten ihn bei einer 1.-Mai-Demo in Brand. Jahrzehntelang war die Ruine eine vermüllte Brache, Attraktion allein für Gruseltouristen. "Als wir das Haus gebaut haben, haben sich viele auch gefreut. Auch Leute, die keine Muslime sind, haben gesagt: Hauptsache, diese Schmuddelecke kommt weg. Es ist ein schönes Haus geworden, äußerlich auch ein bisschen an die Umgebungsarchitektur angelehnt. Das hatten wir so entschieden", sagt Ucan.

So sind auch die vier Minarette auf dem Dach relativ klein und so schmal, dass niemand sie besteigen kann. Kein Muezzin ruft von hier aus zum Gebet auf, kein Lautsprecher überträgt den Ruf aus dem Inneren. Die Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee hat darauf verzichtet, eine Genehmigung zu beantragen - wohl auch, weil die Stimmung im Kiez bei Projektbeginn keinesfalls nur positiv war. "Als wir das Projekt 2003 bekannt gegeben haben, wurde gefragt: 'Kommt der Gebetsruf?' Wir haben gesagt: 'Er kommt, aber nur in der Moschee!'"

Beitrag von Elena Griepentrog

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6 Kommentare

  1. 6.

    Wohnung zu bauen, wäre wohl die weitaus sinnvollere Lösung zur Beseitigung der Schmuddelecke gewesen.

    „Träger der Moschee im Maschari-Center ist der Islamische Verein für wohltätige Projekte. Der gilt als gemäßigt konservativ, arabisch geprägt.“ —> Gibts zu diesem Verein, der mal eben 10 Mio aus Spenden für die Moschee aufbringt, unabhängige Informationen? Was sind denn dessen wohltätige Projekte? Der Moscheebau ja wohl nicht.

  2. 5.

    Na und wenn schon? In einem deutschen Dom wurde ich schon aufgefordert, meine Kopfbedeckung abzusetzen, obwohl ich sie gerne trage. Habe ich selbstverständlich auch gemacht. Genauso wie ich in einer Moschee die Schuhe ausgezogen und in einem buddhistischen Tempel auf kurze Hosen verzichtet habe. Wo ist denn Ihr Problem?

  3. 4.

    Trugen Sie während des Besuchs, wie redpektvoll gefordert, ein Kopftuch?

  4. 3.

    Bemerkenswert, dass der soziale Treffpunkt aus Spenden finanziert wurde. Aktive Gemeinden sind dazu gut in der Lage. Unverständlich, warum der Senat weiterhin Tempelbauten wie das "House of One" mit 10 Millionen Euro Steuergeldern finanziert. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Bahai Tempel schon Lichtjahre weiter sind bezüglich der Offenheit für alle Weltreligionen. "Die Bahai errichten weltweit ihre Häuser der Andacht, die der Einheit der Religionen gewidmet sind und allen Menschen offenstehen. Im Mittelpunkt der Andacht stehen die Heiligen Schriften aller Weltreligionen, welche ohne Predigt, Auslegung oder Kommentar in der Originalsprache oder Übersetzung rezitiert werden. Gesungene Gebete in allen Sprachen und spirituellen Traditionen der Menschheit sind in den Tempeln willkommen. Die Akustik des zentral angelegten Kuppelbaus trägt die menschliche Stimme. Keine anderen Geräusche sollen die individuelle Reflexion und Meditation stören." https://de.wikipedia.org/wiki/Tempel

  5. 2.

    Es ist schlichtweg toll da und Frau Elena Griepentrog durfte bestimmt auch in einem Raum mit den Männern beten. Bitte mehr davon.

  6. 1.

    Dafür sollten lieber Wohnungen gebaut werden..Es gibt schon mehr als genug Moscheen.

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