Montage: Paul Ripke (links) und Joko Winterscheidt (Quelle: imago)
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Showkritik | "Alle Wege führen nach Ruhm" im Huxleys - Kalkulierte Verbrüderung mit dem Publikum

Paul Ripke und Joko Winterscheidt haben aus ihrem Podcast "Alle Wege führen nach Ruhm" eine Liveshow mit prominenten Gästen gemacht. Manchmal etwas banal, aber kurzweilig, meint Regina Lechner.  

Zwei Männer unterhalten sich rund eine Stunde lang über das, was sie gerade erlebt haben, worüber sie nachdenken und was sie bewegt. Das könnte furchtbar langweilig sein, bei zwei deutschlandweit bekannten Menschen aus der Medienbranche ist die Chance aber doch recht groß, dass es einen gewissen Unterhaltungswert bietet. Bei "Alle Wege führen nach Ruhm" geht dieses Konzept in der Tat gut auf: Starfotograf Paul Ripke und Moderator Joko Winterscheidt erzählen kuriose Anekdoten aus ihrem Alltag, der mit dem von Max Mustermann wenig gemein hat. Trotzdem denkt man oft: Hach, die sind eigentlich zwei recht normale Typen. 250.000 Menschen haben die erste Staffel des Podcasts verfolgt.

2017 ist das Audio-Format gestartet, derzeit läuft die zweite Staffel. Außerdem haben sie sich jetzt auf ein neues Experiment eingelassen - und aus dem Podcast eine Liveshow gemacht. Der vorletzte Termin ihrer Tour fand am Montag im Berliner Huxleys statt. Ganz ausverkauft war das Event nicht, aber doch recht gut gefüllt.

"Das muss aber unter uns bleiben"

Während sich Ripke und Winterscheidt im Podcast meist nur zu zweit unterhalten, haben sie in der Show prominente Unterstützung: Die Rapper Sido und Marteria sowie Sängerin Lena Meyer-Landrut kamen auf die Bühne.

Zum Konzept des Podcasts gehört, dass Ripke und Winterscheidt in ihrer Plauderei quasi vergessen, dass sie ein Publikum haben, und sehr private Dinge preisgeben. Das klappt so auch auf der Bühne und im Gespräch mit ihren Gästen. Marteria erzählt beispielsweise Pinkelgeschichten aus seinen Anfangsjahren als Rapper und von Sido erfährt man, dass er Winterscheidt lange überhaupt nicht leiden konnte, weil der einen Roadtrip mit Bushido gemacht habe. Das wirkt lässig und beiläufig, es fallen Sätze wie: "Das muss aber unter uns bleiben." Wobei man aber auch eine kalkulierten Verbrüderung mit dem Publikum annehmen kann. Dazu gibt’s Schnaps für alle - Sido hat verschiedene Kurze mitgebracht und zahlt dann auch noch für alle eine Runde an der Bar.

Smartphones als neues Tool - leider zu selten eingesetzt

Ein kreatives Element der Show sind zwei Smartphones, die Ripke und Winterscheidt an einen Beamer auf der Bühne anschließen. Darüber zeigen sie Fotos und Videos, filmen sich gegenseitig und können auch Nachrichten aus dem Publikum empfangen. Dafür sorgt eine Whatsapp-Gruppe, der die Besucher des Abends beitreten können. "Unsere Telefone klingeln die ganze Zeit, und was auch immer passiert, wir zeigen das und teilen das mit allen", sagt Paul Ripke im Gespräch im Vorfeld der Show. "Das ist sehr spontan - kann auch teilweise sehr, sehr peinlich werden."

Bei ihrem Auftritt im Huxleys nutzen Ripke und Winterscheidt dieses interaktive Element jedoch kaum, was schade ist, da es eigentlich viel Potenzial für Neues bietet. Sie konzentrieren sich mehr auf die Gespräche mit den Promi-Gästen, was dadurch nah an einer Fernsehsendung ist - dem bekannten Terrain vor allem von Pro-Sieben-Moderator Joko Winterscheidt.

Die eine oder andere Saufgeschichte zuviel

Er wirkt natürlich sehr routiniert im Umgang mit den Gästen - manchmal fast zu sehr. Etwa, wenn er eine Anekdote erzählt, die auch schon im Podcast vorkommt. Dann wirkt er wie ein Stand-up-Comedian, der immer wieder mit denselben Gags auf der Bühne steht.

Dagegen überrascht Ripke mit seinen Fähigkeiten als Unterhalter: Seine Parts sind immer flüssig und pointiert vorgetragen und er scheut sich auch nicht, von sehr intimen Themen wie seiner Vasektomie in einer sehr dubiosen Klinik in Los Angeles in allen Details zu erzählen.

Die zweieinhalbstündige Show geht schnell vorbei und bleibt unterhaltsam. Einzig der Fäkalhumor ist manchmal eins zu viel, auch auf die ein oder andere Saufgeschichte hätte man verzichten können. Ihrem Ruf als Berufsjugendliche werden der 38-jährige Ripke und der 40-Jährige Winterscheidt da eindeutig gerecht.

Beitrag von Regina Lechner

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