Eine Besucherin betrachtet ein Selbstpoträt von Salvador Dalí im Berliner Museum Dalí (Quelle: dpa/Pillick).
Bild: dpa/Stephanie Pillick

Klage gegen Berliner Museum Dali - 30.000 Euro Strafe für Youtube-Video mit Dali-Werken

Ein Video mit Werken von Salvador Dali kommt das Museum Dali Berlin teuer zu stehen: 30.000 Euro wegen Urheberrechtsverletzungen muss das Kunsthaus zahlen. Nach Ansicht des Oberlandesgerichts München ist es mit dieser Strafe noch gut davongekommen.

Das Museum Dali Berlin muss wegen Urheberrechtsverletzungen 30.000 Euro an die Dali-Stiftung zahlen. Das Kunsthaus zog am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht (OLG) München seine Berufung zurück. Damit gilt das erstinstanzliche Urteil.

Das Museum hatte von Ende April 2011 bis Mitte März 2015 mit einem 31-sekündigen Video bei Youtube auf seine Ausstellung hingewiesen, das knapp 28.000 Mal angeklickt wurde. Darin wurden surrealistische Motive des spanischen Künstlers Salvador Dali (1904-1989) mit Berliner Sehenswürdigkeiten kombiniert. Auf der Homepage des Museums gab es einen Link zum Video.

Keine "selbstlose Ehrung eines großen Künstlers"

Darin waren beispielsweise ein kubistischer Engel am Fernsehturm zu sehen, eine zerlaufende Uhr an der Gedächtniskirche, ein Schmetterling vor der Berliner Mauer und ein Torero neben dem Brandenburger Tor. Der Argumentation, es handle sich nicht um ein Werbevideo, sondern eine Hommage an Dali, folgte das Gericht nicht. "Es handelt sich nicht um eine selbstlose Ehrung eines großen Künstlers."

Insgesamt 13 Dali-Motive waren nach Gerichtsangaben zu sehen, in sechs davon erkannte das Oberlandesgericht eine Urheberrechtsverletzung. Bei einem Schadenersatz von 30.000 Euro bedeute das 5.000 Euro pro Werk, also 1.250 Euro pro Werk und Jahr. Damit zahle das Museum rund 100 Euro im Monat für die Verwendung eines Dali-Werkes. "Das erscheint uns sehr sehr günstig", sagte der Vorsitzende Richter und empfahl dem Museum, die Berufung zurückzunehmen und das Urteil des Landgerichtes zu akzeptieren.

"Pro Klick einen Euro - ein teurer Spaß"

Damit wird nämlich auch die Anschlussberufung der Stiftung, die mindestens 200.000 Euro gefordert hatte, hinfällig. Der Geschäftsführer des Museums, Carsten Kollmeier, folgte dem richterlichen Rat - allerdings zähneknirschend. "Pro Klick einen Euro - ein teurer Spaß", sagte er. Seinen Angaben zufolge ist es nicht das erste Mal, dass die Stiftung gegen sein Haus vorgeht. Insgesamt laufen seinen Angaben zufolge fünf Verfahren. "Wir können es nicht nachvollziehen", sagte er. "Wir versuchen, Gutes zu tun - und dann macht man uns das Leben so schwer."

Das Museum "Dali - Die Ausstellung am Potsdamer Platz" zeigt seit rund zehn Jahren mehr als 450 Dali-Exponate aus privaten Sammlungen. Dass ein Münchner Gericht über das Video des Berliner Museums verhandelte, liegt daran, dass das Video bundesweit auf Youtube abrufbar war. Darum konnte sich die Stiftung als Klägerin einen Gerichtsstand aussuchen.

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4 Kommentare

  1. 3.

    hmm..verstößt dann nicht auch das Bild zum Text gegen das Urheberrecht? Da sieht man ja auch ein Werk des Künstlers drauf.

  2. 1.

    Unglaublich, das heutige Urheberrecht, in digitalen Zeiten, ist vollkommen kaputt und verhindert zunehmend jede kulturelle Kommunikation bzw. kriminalisiert eine breite Bevölkerungsschicht. Wir reden hier von Bildern eines Künstlers der seit 30 Jahren tot, aber fest in der globalen Kultur verankert ist. Fair-Use, wie in den USA, wäre gesellschaftlich sinnvoll. Stattdessen versucht gerade die CDU alles, damit das Internet kaputt gemacht wird. Zum Beispiel aktuell, entgegen dem Koalitionsvertrag, möchte man Upload-Filter durchzusetzen. Schöne neue Welt.

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