Die Statue der Schwimmer wurde im Mai 2018 gestohlen, zersägt und verkauft. (Bild: Polizei Berlin)
Bild: Polizei Berlin

Seit 2009 - Mehr als 30 öffentliche Kunstwerke in Berlin gestohlen

Sie reißen, sägen, zerbrechen: Diebe haben in den vergangenen Jahren Dutzende Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum entwendet - nicht selten mit brachialer Gewalt. Denn den Dieben geht es oft nur ums Material.

Mehr als 40 Jahre lang stand die Bronzeskulptur "Schwimmer" im Park am Baumschulenweg in Berlin-Treptow. Im Mai 2018 wurde die Figur gestohlen - ein Schrotthändler war bereit, 185 Euro für die zerlegte Skulptur zu zahlen. Anfang des Jahres wurde ein 36-Jähriger für den Diebstahl verurteilt.

In Berlin werden immer wieder Statuen, Skulpturen oder Installationen gestohlen, die in Parks oder anderen öffentlich zugänglichen Orten ausgestellt waren. Seit 2009 sind insgesamt 32 solcher Kunstwerke verschwunden, wie die Senatsverwaltung für Kultur nun auf Anfrage der AfD-Fraktion mitteilte. Am häufigsten betroffen ist der Bezirk Pankow mit elf gestohlenen Kunstwerken, gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg mit neun. Acht der betroffenen Kunstwerke wurden dabei stark beschädigt oder zerstört.

Geklaut für ein paar Euro vom Schrotthändler

Selbst Zäune, massive Verankerungen im Boden oder schwere Sockel halten die Diebe nicht auf: Denn ihnen geht es in den allermeisten Fällen nicht um das Kunstobjekt selbst, sondern um das verarbeitete Material, vor allem Buntmetall. Deswegen fanden sich viele gestohlene Objekte später bei Schrotthändlern wieder - oft zerlegt in Einzelteile.

So versuchten zum Beispiel im September 2018 Unbekannte, die Skulptur eines Kojoten von Künstler Robert Patz auf dem Campus der FU-Berlin zu stehlen. Sie versuchten, die Füße der Eichenholzfigur abzusägen. Dabei zerbrach das Kunstwerk. Nun soll es repariert und an einer besser gesicherten Stelle wieder aufgestellt werden.

Kojote-Skulptur auf dem Gelände der FU-Berlin
Kojoten-Statue auf dem Gelände der FU-Berlin | Bild: Friederike Steinberg

"Die Kunstwerke werden also nicht nur gestohlen, sondern wohl auch unwiederbringlich vernichtet", sagte der kulturpolitische Sprecher der AfD, Dieter Neuendorf. Er vermutet "in den meisten Fällen organisierte Banden" hinter den Taten und fordert, dass Kunst im öffentlichen Raum besser gesichert wird, mit mehr Licht auf Straßen, Plätzen und in Parks, mehr Videoüberwachung und mehr Polizei.

Bekannte gestohlene Were sind unter anderem die "Feuerschale" von Fritz Kühn, die 2012 auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde verschwand. Auch die Bronzeskulptur "Die große Liegende" von Siegfried Kropp und der "Männliche Akt Tomski" von Sabina Grzimek wurden gestohlen. Anfang des Jahres verschwand in Weißensee eine Fuchs-Skulptur des Künstler Stephan Horota, wie die "B.Z." berichtete. Besonders bitter: Der Fuchs stand auf dem Gelände einer Kindertagesstätte und war bei den Kleinen sehr beliebt.

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2 Kommentare

  1. 1.

    Stehen aus demselben Clan die Diebe bei den Diebstählen in Verdacht wie im Bodemuseum bei der Riesengoldmünze?

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