Schriftsteller T.C. Boyle stellt am 04.02.1019 sein neues Buch "Das Licht" im Großen Sendesaal im rbb vor. (Bild: dpa/Britta Pedersen)
Audio: Inforadio | 05.02.2018 | Marie Kaiser | Bild: dpa/Britta Pedersen

Kritik | Weltpremiere von "Das Licht" - Ein LSD-Trip mit T.C. Boyle

Nicht in den USA, sondern in Berlin feierte T.C. Boyles neuer Roman am Montag Weltpremiere. "Das Licht" erzählt, wie Psychologe und Guru Timothy Leary in den 1960er Jahren einen Kreis von Jüngern für Experimente mit LSD um sich scharte. Von Marie Kaiser

Als beste Leser der Welt begrüßt T.C. Boyle seine begeisterten deutschen Fans, die zur Weltpremiere seines neuen Romans "Das Licht" in den Großen Sendesaal des rbb gekommen sind. Auch mit 70 Jahren ist Boyle immer noch der schlaksige Literatur-Rockstar mit knallroten Turnschuhen und schwarz-weißem Hahnentritt-Jackett.

Auf einen Blick könne er sehen, dass mindestens ein Drittel der Zuschauer im Saal regelmäßig LSD nehme, scherzt Boyle. Denn LSD spielt die Hauptrolle in seinem neuen Roman. Boyle verrät, dass er, als er jung war, alle möglichen Drogen ausprobiert, für seinen LSD-Roman aber keine neuen Selbstversuche angestellt habe. "Dafür bin ich zu alt. Ich hätte Angst, dass ich komplett den Verstand verlieren würde. Ich verlasse mich da lieber ganz auf meine Erinnerung."

Vom Verführer zum Kriminellen zum Verrückten

Boyle erzählt in "Das Licht", wie Psychologieprofessor Timothy Leary die kleine rosa Pille einsetzen will, um die Psychologie zu revolutionieren und dabei immer mehr zum LSD-Guru wird. Ein Menschenverführer, der seinen Anhängern göttliche Erleuchtung durch psychedelische Drogen verspricht. Boyle beschreibt, wie der Psychologiestudent Fitz und seine Frau Joanie in die Fänge von Leary geraten, der ein respektabler Harvard-Professor war.

"Er war ein großer Charismatiker, er war brillant. Er entdeckte eine Droge, mit der er den ganzen Psychiatrie-Betrieb auf den Kopf stellen konnte", schildert Boyle. "LSD war ein Schlüssel, um die Hierarchien zwischen dem Psychiater und seinem Patienten abzubauen. Leary sah die Zukunft in der partnerschaftlichen Beziehung zwischen Arzt und Patient, vereint im bewusstseinserweiternden LSD-Erlebnis. Aber schaut, was aus ihm geworden ist. Es wurde ein Krimineller aus ihm und dann ein Verrückter."

Wie verführbar sind wir selbst

Was Boyle aber auf keinen Fall wollte: einen biographischen Roman über Timothy Leary schreiben. "Natürlich ist Learys Leben faszinierend. Ich benutze es aber nur, um zu zeigen, welchen Einfluss er auf meine Figuren im Buch ausgeübt hat. Wie er uns vielleicht beeinflusst hätte, wenn wir an ihrer Stelle gewesen wären. Das wollte ich zeigen, dass es jedem von uns passieren kann."

Wie verführbar sind wir selbst, auf solche Menschenfänger hereinzufallen? Bei dieser Frage fällt an diesem Abend auch der Name des amerikanischen Präsidenten. Doch Donald Trump und Timothy Leary könne man nicht miteinander vergleichen, sagt Boyle. "Sie sind so unterschiedlich. Leary war ein Intellektueller. Und ich bezweifle, dass Donald Trump je ein Buch gelesen hat."

Leary und Trump sind gefährliche Menschen

Aber dann räumt Boyle doch eine Parallele zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Drogen-Guru ein. "Das sind sehr gefährliche Menschen und ich habe mich so oft mit ihnen beschäftigt, weil ich dazu erzogen wurde, frei zu denken – nicht irgendjemandem hinterherzulaufen", sagt Boyle. "Auch in Romanen wie 'Dr. Sex' oder 'Willkommen in Wellville' erzähle ich von solchen Männern, die das Talent haben, andere um sich zu scharen. Gurus, die ihren Anhängern sagen: 'Ich werde alle deine Probleme lösen'.

Am Ende verrät Boyle noch, dass er selbst LSD nie gemocht habe, wegen der beängstigenden Halluzinationen, die es bei ihm auslöse. Einmal habe er Schlangen aus seinem Bauch kriechen sehen. Heute würde er bei einem LSD-Trip weitaus Schlimmeres befürchten: "Wovor ich wirklich Angst hätte, wären kleine Donald Trumps, die aus meinem Bauch herausfliegen würden."

Doch Drogen braucht T.C. Boyle sowieso schon lange nicht mehr. Das Schreiben ist ihm Rausch genug. "Das Schreiben ist mein persönlicher Trip. Es ist für mich eine richtige außerkörperliche Erfahrung."

Beitrag von Marie Kaiser

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ja und T. Leary schwebt nun Outsite, Looking in( Moody Blues). Das waren noch die Easy Ryder Zeiten. Ohne LSD ging man gar nicht erst zu 3 tägigen Konzertveranstaltungen. Selbst die berühmten Beatles konnten nicht die Finger davon lassen. Es gab Trips für jeden Geschmack.

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