Die Band Britta.
Audio: Inforadio | 19.02.2019 | Nadine Kreuzahler | Bild: Ralf Metzler

Konzertkritik | "Britta" und Barbara Morgenstern in der Volksbühne - Wie ein wohliges Bad in einer Wanne voll Nostalgie

Die Berliner Band "Britta" ist wieder da - und feiert mit einem Best-Of-Album und Konzerten ihr 20-jähriges Bestehen. Am Montag war die Gruppe um Christiane Rösinger zusammen mit Barbara Morgenstern in der Volksbühne zu Gast. Von Nadine Kreuzahler

Seit 1997 sind Christiane Rösinger und ihre Band "Britta" fest in der Berliner Musikszene verankert mit ihrem verschrobenen Deutsch-Indie-Pop, der gleichzeitig ironisch, melancholisch und politisch sein kann. Die Sängerin, Komponistin und Keyboarderin Barbara Morgenstern entpuppt sich in der Volksbühne als Fan und Wegbegleiterin von "Britta". Sie war vor 20 Jahren mal deren Vorband, erzählt sie auf der Bühne. Seitdem pflegten sie ein eheähnliches Verhältnis.

Ein-Frau-Betrieb im Klanggebirge

Morgenstern möchte das Publikum - Berliner Szenegänger, geschätzt zwischen 25 und Mitte, Ende 50 – zum Tanzen animieren. Aber ihre Aufforderung  bleibt ungehört – stattdessen wird überall bequem in den Theatersesseln im großen Saal der Volksbühne mit den Beinen gewippt und mit dem Kopf genickt. Barbara Morgenstern aber tanzt am Rand des Saals, als "Britta" an der Reihe ist.

Die gebürtige Hagenerin ist selbst ein Urgestein der Berliner Musikszene. Sie macht Elektropop mit deutschen Texten, der aus fragilem Gesang besteht, umgeben von Klanggebirgen. Zwischen melancholisch und heiter bewegt sich ihr Sound - auch auf ihrem neuen Album "Unschuld und Verwüstung". Eingespielt hat sie es gemeinsam mit dem Saxofonisten Christian Biegai, der auch live dabei ist.

Abgesehen davon ist Barbara Morgenstern ein Ein-Frau-Betrieb - sie singt, komponiert, bedient Laptop, Effektgeräte, Synthies und Keyboard. In ihren Texten geht es um Schlafstörungen, Ängste, die Verrohung der Sprache, kurz: um das Private und das Politische. So wie bei "Britta" - dieser Berliner Band, die Ende der 1990er und Anfang der Nullerjahre Kult war, die zwar nie den großen Durchbruch schaffte, aber immer treue Fans hatte.

Lustig, scharf, traurig und voller Poesie

"Britta" werden gefeiert, als sie die Bühne betreten. Christiane Rösinger singt wie gewohnt nicht schön und perfekt, sondern ehrlich und gehaltvoll. In den Texten geht es um Prekariat, Depression, dem Glück der Liebe abseits der Zweier-Beziehung und um Kapitalismuskritik. Ironisch und lustig sind die Texte, sie können aber auch scharf,  traurig und voller Poesie sein. Dazu kommt der trockene Humor von Christiane Rösinger, mit dem sie zwischen den Songs ihre Fans unterhält.

20 Jahre "Britta" feiert die Band, obwohl es sie genau genommen schon seit 22 Jahren gibt. Als Frauen-Band mit Haltung und Humor werden sie seitdem verehrt - und auch so viele Jahre später bleibt dies immer noch eines ihrer Alleinstellungsmerkmale. Auch wenn mit Sebastian Vogel von der Band Kante ein Mann an den Drums sitzt, seit die namensgebende Schlagzeugerin Britta Neander 2004 verstarb.

Lakonie, Lust und Lustigkeit

Alle haben nebenbei Solo- oder andere Projekte, so wie Christiane Rösinger, die nicht nur allein Platten veröffentlicht, sondern auch Bücher und Kolumnen schreibt und Flüchtlinge unterrichtet.

Über zehn Jahre war es still um "Britta" geworden. Der Abend in der Volksbühne ist für viele wie ein Wiedersehen unter Freunden, wie ein Bad in einer Riesenwanne voll Nostalgie. Dass man darin aber nicht ertrinkt, liegt an der Mischung aus Lakonie, Lust und Lustigkeit, die vor allem Frontfrau Christiane Rösinger verkörpert. Beweisen muss die Band niemandem mehr irgendwas - es geht um den Spaß. Das merkt man. Und das fühlt sich gut an.

Sendung: Inforadio, 19.02.2019, 6:55 Uhr

Beitrag von Nadine Kreuzahler

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