Menschen feiern auf dem RAW-Gelände in Berlin (Quelle: dpa/Sophia Kembowski)
Audio: Inforadio | 13.02.2019 | Klaas-Wilhelm Brandenburg | Bild: dpa/Sophia Kembowski

Studie über Berliner Clubs - "Clubs sind keine Gelddruckmaschinen"

Wie geht es den Berliner Clubs? Das sollte eine Studie im Auftrag der Clubcommission herausfinden. Manche Ergebnisse überraschen, andere bestätigen: Die Branche steht unter Druck. Von Klaas-Wilhelm Brandenburg

Wenn die Clubcommission, das Netzwerk der Berliner Clubs, zum Jahresauftakt lädt, wird das keine Veranstaltung wie jede andere – das war Dienstagabend schon sehr früh klar. Zu Beginn sang eine russische Band mit schrill geschminkten Gesichtern über ihre Liebe zum Darkroom des Neuköllner Clubs "Ficken 3000" – und das ausgerechnet im queeren Club SchwuZ, ebenfalls ansässig in Neukölln, in den die Clubcommission geladen hatte.

Nach diesem ungewöhnlichen Auftritt kamen dann unerwartete Ergebnisse – und zwar die einer Studie über die aktuelle Lage der Berliner Clubs. "Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut", sagt Klaus Goldhammer, der die Studie im Auftrag der Clubcommission durchgeführt hat. Eine Antwort, die durchaus überrascht, schließlich gibt es immer wieder neue Meldungen über Clubs, die von der Schließung bedroht sind oder endgültig dicht machen müssen. Mindestens genauso überraschend: 280 Clubs und Veranstalter gebe es in Berlin – und damit nicht weniger als vor zehn Jahren.

Jeder fünfte Clubbetreiber schreibt Verluste

Also kein Clubsterben in der Stadt? Doch, sagt Lutz Leichsenring von der Clubcommission, denn es gebe auch einen qualitativen Verlust: "Dass also die Clubs so unter Verwertungsdruck geraten, dass man einfach nicht mehr experimentieren kann." Unbekannten DJs eine Plattform geben oder neue Bands ausprobieren, das gehe dann nicht mehr, weil man nur noch Umsätze generieren müsse, um Kosten zu decken.

Noch gibt es in Berlin viele, die dieser Logik nicht folgen wollen, aber die müssen schon heute die Konsequenzen tragen. Jeder fünfte Clubbetreiber macht laut eigenen Angaben Miese, jeder dritte geht zumindest ohne Gewinn heraus. Für Klaus Lederer (Linke), Berlins Kultursenator, ist deshalb laut eigener Aussage klar: "Wer immer noch glaubt, Clubs seien nichts weiter als große Gelddruckmaschinen, in denen sich Leute die Hucke zulöten, der hat’s wirklich nicht verstanden – oder kennt sie nicht."

Steigende Mieten und Verdrängung machen Clubs zu schaffen

Dafür sprechen auch andere Zahlen der Studie: So habe sich der Gesamtumsatz der Clubs mit 168 Millionen Euro und die Zahl der etwas mehr als 9.000 Beschäftigten in der Branche im Zehn-Jahres-Vergleich kaum verändert. Und das, obwohl eigentlich mehr Touristen wegen der Clubs nach Berlin kommen: Etwa drei Millionen waren es vorletztes Jahr. Sie brachten knapp 1,5 Milliarden Euro in die Stadt.

Dass der Umsatz der Clubs trotzdem nicht stieg, liege an den steigenden Mieten, die sie oft zu zahlen hätten. Es sei nicht die einzige Sorge der Clubbetreiber, sagt Klaus Goldhammer, der die Studie im Auftrag der Clubcommission durchgeführt hat: "Die Veranstalter sagen zu Recht, dass sie ein großes Problem mit Verdrängung haben." Denn immer mehr Menschen ziehen in die Stadt, und im Konflikt zwischen alten Clubs und neuen Wohnungen werden die Clubs oft benachteiligt.

Eine Lösung: Clubs nicht mehr als Vergnügungsstätten?

Deshalb fordern die Betreiber, dass ihre Läden baurechtlich nicht mehr als Vergnügungsstätte eingestuft werden, sondern als Kulturstätte. "Vergnügungsstätte bedeutet, dass wir auf einer Ebene sind mit Pornokinos oder Casinos", sagt Lutz Leichsenring. Dabei seien Clubs nicht einfach ein Wirtschaftsbetrieb wie jeder andere: Mitunter funktionierten sie als Schutzräume für marginalisierte Gruppen. Das SchwuZ als Schutzraum für queere Menschen sei da das beste Beispiel.

Lutz Leichsenring (Quelle: rbb/Klaas-Wilhelm Brandenburg)
Lutz Leichsenring Bild: rbb/Klaas-Wilhelm Brandenburg

Der Studien-Autor Klaus Goldhammer unterstützt die Forderung, Clubs als Kulturstätten einzuordnen. "Dann wäre es eben nicht einfach möglich, zu sagen: Wegen der Lärmentwicklung muss ein Club schließen oder darf nur noch bis 22 Uhr offen sein." So könnten Clubs deutlich schwerer verdrängt werden.

Schon jetzt gucken, wo neue Orte für Clubs sind

Ob es jemals so weit kommt, ist allerdings fraglich: Denn das ist Sache des Bundes. Ganz untätig will Berlin aber nicht bleiben: Klaus Lederer hat schon laut über eine Bundesrats-Initiative nachgedacht. "Wir müssen außerdem jetzt schon gucken, wo wir perspektivisch Orte für neue Clubs identifizieren", sagt der Kultursenator. Die Alte Münze in Mitte sei so ein Ort, der geschützt wäre vor Wohnbebauung, wenn man es von Anfang an mitdenke.

Auch der Flughafen Tegel komme in Frage, wenn er nach der Eröffnung des BER endgültig für den Luftverkehr schließe, sagte Lederer. Doch auch dort ist die Frage, ob es jemals so weit kommt, noch nicht endgültig beantwortet.

Beitrag von Klaas-Wilhelm Brandenburg

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10 Kommentare

  1. 10.

    Entschuldigung, aber was hat eine Schwangere überhaupt in einem Nachtclub zu suchen?? Demnächst fordern Sie bestimmt noch Buggy-freundlichere Clubs mit Séparées zum Stillen! Jeder der Clubs besucht weiß, dass es laut, stickig und ungesund ist! Für das was sie wollen gibt es doch genügend Läden aber damit locken Sie keine Touristen nach Berlin. Und warum wollen Sie das Rauchen für alle verbieten? Es muss beides geben und es gibt beides in Berlin! Es ist ein Stück Freiheit eine Wahl zu haben!
    Berlin ist/war beliebt wegen seines ausgelassenen und bunten Nachtlebens, keine Sperrstunde und anything goes! Alles andere haben andere Städte auch. Clubs immer weiter in die Peripherie zu pushen wird auch nicht funktionieren, weil die Hotels in der Innenstadt und in den Kiezen liegen wo früher noch Nachleben war. Niemand will eine lange Anreise in einen Club. Berlin schafft sich Stück für Stück ab oder wird es einfach nur so langweilig und teuer wie andere europäische Hauptstädte?

  2. 9.

    280 Clubs? Hab ich da was verpasst? Wo sind die?? Fun Lollipop, Kussmund, La Belle oder Kudorf sind KEINE Clubs, sondern Diskotheken. Niemand aus dem Ausland würde deswegen nach Berlin kommen! Berlin ist dabei den einzigen Anziehungsfaktor, den es für einen Besuch attraktiv machte, zu verspielen, unwiederbringlich! Und wieviele kommen schon nach Berlin, um das Brandenburger Tor zu bewundern?! Museen, teure Restaurants und Shopping-Malls gibt es überall anders auch...

  3. 8.

    beim Thema mangelnder Nichtraucherschutz in Berliner Clubs gebe ich dir auf jeden Fall recht! Eine absolute Katastrophe, die jedem Nichtraucher, Schwangeren und chronisch kranken Menschen das Nachtleben leider oft zunichte macht. Ich bin wirklich nicht gegen Drogenkonsum, aber ich bin sehr wohl der Meinung dass eine Fremdschaedigung, wie in Form von Passsivrauch, in jedem Fall verhindert werden muss. Die Clubs scheint es nicht wirklich zu interessieren, weil es ihnen offenbar doch mehr um Geld als um Kultur und Werte geht. Das ist natuerlich schade, aber ich finde nicht, dass man davor resignieren sollte. Nichtraucher sollten aufstehen und endlich mal fuer ihre Rechte kaempfen.
    Bei Verstoessen gegen das Nichtrauchschutzgestz empfehle ich dir/euch deshalb das naechste mal das Beschwerdeformular des Vereins Pro Rauchfrei zu nutzen. Die haben einen Anwalt und werden sich der Sache dann kostenlos annehmen (in Form einer strafbewaehrten Unterlassungserklaerung)!

  4. 7.

    Das viele Clubs den Bach herunter gehen liegt natürlich an den exorbitanten Kosten, die zu einem ordnungsgemäßen Betrieb anlaufen. Das sind in erster Linie die Gewerbemieten und Nebenkosten. In den 70iger und 80ziger Jahren war es wesentlich einfacher einen Club oder Disco erfolgreich zu betreiben. Fette Gewinne lassen sich mit Clubs definitiv nicht mehr einfahren. Heute eher ein Verlustgeschaeft und Risikobehaftet. Und ich als unbekannter DJ habe damit, wie in dem Beitrag schon beschrieben, Null Möglichkeiten meine musikalische Kreativität auszuprobieren und anderen Menschen damit eine Freude zu bereiten, weil es nur noch darum geht, Umsatz einzufahren, und mit einem schon bekannten DJ Promo zu machen. Sonst läuft nix.

  5. 6.

    Im Jammern ist die Clubkommission ziemlich gut. Die sind ja auch der Meinung, dass die Clubs nur existieren können, weil man dort jeglichen Drogenkonsum und das Zigarettenrauchen duldet. Komischerweise geht es andernorts auch, ohne dass man reihenweise gegen Regeln verstößt.

  6. 5.

    "Dass der Umsatz der Clubs trotzdem nicht stieg, liege an den steigenden Mieten, die sie oft zu zahlen hätten."

    Wo liegt hier der Zusammenhang? Weil ich mehr Miete bezahle habe ich dadurch nicht die Möglichkeit mehr Einnahmen zu haben? Will hier doch niemand erzählen das in 10 Jahren sich nichts an den Eintritts- und Getränkepreisen geändert hat... Ich glaube hier ist Umsatz mit Gewinn verwechselt worden.

  7. 4.

    Da Berlin es ja leider seit Einführung des Rauchverbots bei öffentlichen Veranstaltunen nicht schafft, diesen Nichtraucherschutz auch umzusetzen, ist miir das Ausgehen als Asthatiker gründlich verleidet worden und ich kennen einige Leute, die auch keine Lust mehr auf den blauen Dunst in Clubs haben und daher zu hause bleiben. Es wird doch nahezu überall weitergequalmt, als gäbe es kein Rauchverbot, und niemanden intertessierts, die Club-Betreiber trauen sich nicht, sich mit den Süchtigen anzulegen. Nur weil die Nikotin-Junkies nicht (mehr) in der Lage sind, ohne ihre Droge zu feiern, und sich egoistisch und rücksichtlos über Verbote hinwegsetzen, müssen andere zu hause bleiben.

  8. 3.

    Ich glaube nicht, dass die meisten Klubs arm sind. Die werden schon wissen, wie man die Gewinne am Fiskus vorbeischleust. Dann gibt es wiederum ein Paar Klubs die gerade so über die Runden kommen.

  9. 2.

    Vor einem Club (nicht event) lange Schlange stehen und dann nicht reinkommen?
    In welcher Szene seid ihr denn unterwegs?
    Das beste am Berlin ist eben doch die Autobahn nach Hamburg


  10. 1.

    Ich bin Berliner und gehe auch gerne aus. Jedoch ist die Türpolitik bei den Berliner Clubs so, dass ich zu häufig nicht eingelassen werde oder zumindest ein Teil der Gruppe. Das ist mir leider zu frustrierend und natürlich auch sehr schade für die armen Clubbesitzer, da ich als Besserverdiener natürlich auch gerne mal ne Münze springen liesse. Aber dieser Zug ist abgefahren und das Problem hausgemacht. Viel Spass beim Kassensturz.

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