T.C. Boyle bei einer Buchvorstellung in Berlin (Quelle: rbb/ Böhm)
Bild: rbb/ Böhm

T.C. Boyle im Großen Sendesaal Berlin - Wiedersehen im literarischen Wohnzimmer

Zum zweiten Mal stellt am Montag Kultautor T.C. Boyle in Berlin einen neuen Roman als Weltpremierenlesung vor. Radioeins-Literaturexperte Thomas Böhm holte den amerikanischen Weltstar damals nach Berlin. Ihn verbindet eine besondere Beziehung mit Boyle.

1987, ich steckte grade im Abitur, las ich T.C. Boyles ersten Roman "Wassermusik" über den Afrika-Forscher Mungo Parks, der versucht, die Quellen des Niger zu entdecken. Ich war von der ersten Zeile an begeistert. Einen solchen respektlosen, fast schon punkigen Umgang mit der Geschichte kannte ich bis dato nicht. Boyles Buch ließ mich die Literatur und die Geschichte auf eine ganz neue Art betrachten.

Als ich Boyle dann einige Jahre später persönlich kennenlernte, sagte ich, dank seiner Bücher habe ich "erst richtig lesen gelernt". Das Kompliment gefiel ihm offensichtlich - ein erster Kontakt zu "Tom" war geknüpft.

Große Bühne für die Weltstars der Literatur

Viele Jahre später, 2015,  kam ich als Moderator der Sendung "Die Literaturagenten" zu Radioeins – und hatte eine Idee im Gepäck. Denn damals fehlte etwas in Berlin: eine große Bühne für die Weltstars der Literatur. Ein Ort, an dem das Erscheinen neuer Bücher bedeutender Autorinnen und Autoren gefeiert wird. Vor großem Publikum, mit bekannten Schauspielern und am Besten auch noch live übertragen im Radio.

Die Idee stieß bei Radioeins auf Interesse. Ort sollte der Große Sendesaal des rbb im Haus des Rundfunks in der Masurenallee sein – seit Jahrzehnten eine erste Adresse für internationale Persönlichkeiten. Ein perfekter Rahmen also.

Und wer wagte sich als erster auf die große Bühne?  Natürlich: T.C. Boyle. Ihm – der bekannt dafür ist, aus seinen Lesungen eine Show zu machen, mit vielen scharfen Sprüchen, politischen Bosheiten und einer beinahe rocksängerhaften Vortragskunst  - gefiel die Idee der großen Bühne und der Liveübertragung auf Anhieb.

Also nahm T.C. Boyle die Einladung an, der erste Autor in der Reihe zu werden und beschenkte uns mit einer Überraschung: Denn sein Roman "Hart auf hart", den er im Februar 2015 in Berlin vorstellte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Amerika erschienen. Dort kam er erst im Herbst heraus. Das hieß, in Berlin feierte das Buch seine Weltpremierenlesung.

Es wurde ein besonderer Abend. Das Publikum wie der Autor, der im Anschluss an die Lesung stundenlang Bücher signierte, schwärmten von der Atmosphäre des Raumes.

Seitdem waren Weltstars wie Paul Auster, Umberto Eco, Zadie Smith, Mario Vargas Llosa und Orhan Pamuk zu Gast im Haus des Rundfunks. Auch Stars der deutschen Literaturszene wie Robert Seethaler, Juli Zeh und Joachim Meyerhoff gastierten in der Masurenallee.

Und immer wieder: T.C. Boyle, der den Großen Sendesaal mittlerweile zu seinem Literatur-Wohnzimmer in Berlin erklärt hat.

Neue Folge einer lese-lebenslangen Beziehung

Dort treffen wir uns am Montagabend wieder, zum Trip durch seinen neuen Roman "Das Licht", in dem es um Timothy Leary geht, den Drogenguru der Flower Power-Generation.

"Die Menschen verlangen ja immer wieder nach einem starken Mann, sie wollen einen Gott, einen vorgegebenen Sinn, jemanden, der ihnen sagt, was sie tun sollen", sagte mir Boyle im November in einem Interview – und ihn habe an der Figur Leary interessiert, wie ein Guru seine Anhänger beeinflusse.

Boyle verbindet eben in seinen Romanen hintergründige Geschichten mit der Analyse der Gegenwart – denn "starke Männer" haben ja derzeit in manchen Ländern auf der Welt die Oberhand gewonnen.

Auch diese Gesellschaftsanalyse ist ein Grund, warum ich mich mit jedem neuen T.C.-Boyle-Buch und jeder neuen Lesung auf die Fortsetzung unserer lese-lebenslangen Beziehung freue.

Sendung: Radioeins , 04.02.2019, 20:00 Uhr

Beitrag von Thomas Böhm

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    War zur Lesung in Berlin leider nicht dabei, habe aber am Abend in 3sat "Kulturzeit" das T.C.Boyle Gespräch mit der Schweizerin Nina Mavis Brunner gesehen und war begeistert über -beider- Rhetorik und Sprachwitz. Man sah und hörte, wie gut das gespräch T.c. Boyle und N.M.Brunner gefiel -Wunderbar.

  2. 2.

    Habe erst vor kurzem ein älteren Roman von T.C.Boyle gelesen“ Der Samorai von Savannah“. Ich liebe diesen Autor. Freue mich auf den neuen Roman.

  3. 1.

    Vielen Dank!Ich liebe T.C.Boyls Bücher und freue mich auf den Abend!

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