Wie der Palast der Republik: Haus der Berliner Festspiele mit Farbfolien (Quelle: imago/Peter Meissner)
Bild: imago/Peter Meissner

Haus der Berliner Festspiele - Künstler lassen Palast der Republik symbolisch auferstehen

30 Jahre nach dem Mauerfall sieht der Intendant der Berliner Festspiele noch Gesprächsbedarf. "Wir müssen anfangen, die Sicht der Ostdeutschen ernst zu nehmen", sagte Thomas Oberender, wie die dpa am Dienstag berichtete. Es gehe nicht darum, die DDR oder Helmut Kohl zu verklären, sondern darum, "ein realistischeres Bild der Revolution und der Langzeitfolgen des Einheitsvertrages für die Ostdeutschen zu zeigen".

Um diese Themen in den Blick zu nehmen, wollen Künstler am Wochenende den Palast der Republik symbolisch wieder auferstehen lassen. Schauplatz des Geschehens ist das Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstraße in Berlin-Wilmersdorf.

Haus der Festspiele mit Bronzefolien beklebt

Auf den Fensterscheiben des Hauses kleben bereits Bronzefolien. "Unser ganzes Gebäude wird Las-Vegas-mäßig umgetauft, aber es ist keine Doublette", sagte Oberender.

Im Palast der Republik hatte unter anderem die DDR-Volkskammer ihren Sitz. Der einstige Prestigebau der DDR wurde zwischen Februar 2006 und Dezember 2008 abgerissen - nach einem Beschluss des Bundestags von 2003. "Unser Projekt ist nicht von Nostalgie geprägt", sagte Oberender. Stattdessen sei es ein Anlass, "über die Geschichte zu sprechen, über Ost und West und eine Reformagenda von heute".

Geplant sind etwa eine Diskussion mit Autor Bernhard Schlink ("Der Vorleser"), ein Gespräch mit der französischen Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy oder eine "parlamentarische Anhörung" mit dem früheren griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis.

Anknüpfen an die Zeit der "Selbstermächtigung"

Es fühle sich an, als ob die Gesellschaft auseinanderdrifte statt zusammenzuwachsen, sagte Oberender, der in Jena geboren wurde. Das mache er zum Beispiel an den AfD-Wahlergebnissen im Osten oder der niedrigen Zahl von Ostdeutschen in Führungspositionen fest.

Damals seien im Osten Gewerkschaften, Parteien und Zeitungen gegründet worden. "An diese Selbstermächtigung sollten wir uns erinnern und an sie anknüpfen", sagte Oberender, "denn die Art des Beitritts, die Politik der Treuhand und der westliche Elitentransfer haben viele im Osten später sehr gekränkt".

"Schwierige Geschichte wach halten"

Der Palast der Republik, ein Prestigebau der DDR, stand auf der Berliner Museumsinsel. Die DDR-Führung hatte dort 1950 das alte Stadtschloss sprengen lassen, das vom Krieg beschädigt war. Stattdessen wurde in den 1970er Jahren der Palast der Republik gebaut. Darin gab es auch Restaurants, eine Bowlingbahn und einen großen Veranstaltungssaal. Nach dem Mauerfall wurde der Palast zunächst wegen Asbestbelastung geschlossen und schließlich abgerissen. Heute entsteht dort eine Rekonstruktion des alten Schlosses.

"Ich finde falsch, dass das alte Preußenschloss abgerissen wurde. Und ich finde auch falsch, dass später der Palast der Republik abgerissen wurde", sagte Festspiele-Intendant Oberender. "Heute wäre er im Stadtzentrum von Berlin ein Gebäude, das eine schwierige Geschichte wach halten könnte."

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Es gab ja einen regelrechten Überbietungswettbewerb was die Frühzeitigkeit des Tages der deutschen Einheit angeht. Mithin ging es im wesentlichen darum, den 41. Jahrestag der DDR, den 1. Jahrestag einer wirklichen deutschen demokratischen Republik zu verhindern, die mehr war als eine ideologische Formel, begleitet von Großbuchstaben auf den Häuserwänden.

    Es darf keine zweite deutsche Demokratie geben neben uns.

    Es war der simple Beitritt, nicht aber die wirkliche Vereinigung, was die unzähligen Wunden hat entstehen lassen.

  2. 2.

    Das gegenseitige Überbieten darin, wann denn nun der Tag der deutschen Einheit im Frühestmöglichen stattfinden kann, war davon geprägt, die DDR nicht den 41. Jahrestag erleben zu lassen. Mithin den 1. Jahrestag einer wirklichen deutschen demokratischen Republik, die als ideologische Formel eben nicht nur groß auf Häuserwänden stand.

    Es darf keine zweite deutsche Demokratie geben neben uns.

    Es war der simple Beitritt, nicht aber eine wirkliche Vereinigung, was die unzähligen Wunden hat entstehen lassen.

  3. 1.

    "die Politik der Treuhand und der westliche Elitentransfer" es geht ja nicht an, dass die Ossies eine starke Wirtschaft haben und eine eigene Elite, die sich um die Sorgen des Ostens kümmert. Das musste verhindert werden. Das hat auch geklappt.

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