The Lemonheads bei einem Auftritt in London am 19.02.2019 (Quelle: dpa/ Capital Pictures/ Harris)
Audio: Inforadio | 04.03.2019 | Simon Brauer | Bild: dpa/ Capital Pictures/ Harris

Konzertkritik | The Lemonheads im SO36 - Eine Nacht Indierock ohne Happy End

The Lemonheads schlugen in den 1990er Jahren, dem Jahrzehnt der Gitarrenmusik, die etwas weniger aggressiven und selbstzerstörerischen Töne an. Jetzt traten sie in Kreuzberg auf, mit vielen Coverversionen - doch eine entscheidende fehlte. Von Simon Brauer

Dieser Song war ihr erster richtiger Hit: Mrs Robinson, im Original von Simon and Garfunkel. Für die Lemonheads aus Boston der Durchbruch im Jahr 1992. Klar, dass am Sonntag im gut gefüllten SO 36 in Kreuzberg die meisten Besucherinnen und Besucher diesen Hit auch gern gehört hätten. Aber er kam nicht.

Pünktlich um 21 Uhr betreten die Lemonheads die Bühne. Von der Ur-Besetzung ist nur noch Sänger und Gitarrist Evan Dando übrig geblieben, begleitet von zwei weiteren Musikern an Bass und Schlagzeug. Ohne Begrüßung und ohne Pausen jagt das Trio durch die ersten Songs; ein rumpelndes Schlagzeug, eine Schrammelgitarre und Dandos unverkennbare und immer noch honigsüße Stimme – viel mehr brauchen die Berliner Indierock-Fans nicht für einen nostalgischen Abend.

Keine Zeit zum klatschen

Neben eigenen Songs spielen die Lemonheads auch viele Coverversionen – schließlich ist der Anlass für die aktuelle Tour das neue Album mit dem Titel "Varshons 2", das ausschließlich Coverversionen enthält von Nick Cave bis zu den Eagles. Nach 45 Minuten verlassen der Bassist und der Schlagzeuger die Bühne, Evan Dando wechselt von E- zu Akustikgitarre und macht munter weiter bei seinem Versuch, so viele Lieder wie möglich in kürzester Zeit zu spielen. Das Publikum kommt kaum dazu, die einzelnen Stücke ausgiebig zu beklatschen, denn während der eine Song noch ausklingt, zum Beispiel ein Coversong von Lionel Ritchie, fängt Dando schon mit dem nächsten an.

30 Songs in eineinhalb Stunden

An die 30 Songs spielen die Lemonheads in dem insgesamt nur eineinhalbstündigen Konzert. Was davon eigene Songs und was Coverversionen sind, ist Nebensache - Evan Dando  macht mit seinem scheinbar mühelosen Gesang alles zu Lemonheads-Stücken.

Als die Band wieder komplett auf der Bühne steht, steuert der Abend dem Höhepunkt entgegen – so fühlt es sich zumindest an. Das Publikum sehnt sich nach dem großen Hit, der den Abend perfekt machen könnte.

Ein unbefriedigendes Ende

Evan Dando kündigt die letzten beiden Songs an, aber der große Hit "Mrs Robinson" ist nicht dabei. Auch kein kleiner Hit mehr; stattdessen tauschen die Musiker noch die Instrumente, der Schlagzeuger spielt Bass, der Bassist Gitarre, Dando sitzt am Schlagzeug und klöppelt ein bisschen vor sich hin. Schade, dass dieses ansonsten tolle Konzert der Lemonheads so plötzlich und unbefriedigend zu Ende geht.  

Kommentar

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Antwort auf [Darksoul] vom 04.03.2019 um 16:45
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2 Kommentare

  1. 2.

    Dem kann ich mich nur anschließen. Von den meisten Fans wurde der Song überhaupt nicht erwartet und es braucht ihn nicht für ein „happy end“. Er hat ja nun wahrlich genug andere schöne eigene Songs und braucht sich nicht darüber definieren. Ich fand das Konzert toll und hatte einen wunderschönen Abend, Evans gute Laune war ansteckend.

  2. 1.

    Etwas Recherche schadet nicht: "Mrs Robinson" ist ein äußerst unregelmäßiger Gast auf Dandos Setlists, seinen größten Hit spielt er seltenst, auf der laufenden Tour gerade einmal. Hätte er ihn gestern Abend aufgeführt, wäre es eine große Überraschung gewesen - in etwa so, wie bei einem Radiohead-Konzert "Creep" zu hören zu bekommen - einen Hit den die Band fast nie spielt und den sie vermutlich ebenso hasst wie Dando "Mrs Robinson".

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