Der Lichthof im Berliner Gropius Bau © radioeins/Michael Hölzen
Audio: Kulturradio | 21.03.2019 | Silke Hennig | Bild: radioeins/Michael Hölzen

Saisonauftakt mit neuer Ausstellung - Das Licht kehrt in den Martin-Gropius-Bau zurück

Der Martin-Gropius-Bau erstrahlt in neuem Gewand. Verantwortlich dafür ist die Intendantin Stefanie Rosenthal. Mit "And Berlin will always need you" knüpft sie an die Geschichte des Hauses an und bietet der Berliner Kunstszene eine Plattform. Von Michael Hölzen

Der Berliner Gropius-Bau will sich neu erfinden. Und möchte das mit der Neugestaltung seines Herzstückes auch nach außen sichtbar machen. Der Lichthof hat seinen Namen wieder verdient, Sichtachsen nach draußen wurden freigelegt, störende Rigipswände entfernt. Zukünftig ist das Atrium des 1881 als Kunstgewerbemuseum konzipierten Hauses für das Publikum ohne Eintritt frei zugänglich. Und soll so auch einfach nur zum Aufenthaltsort werden.

Neue Intendantin mit neuen Visionen

Stefanie Rosenthal ist seit Februar letzten Jahres Intendantin des Gropius-Baus. Gleich zu Beginn ließ sie das wuchtige Gebäude, das zwischen der Topographie des Terrors und dem Berliner Abgeordnetenhauses thront, auf sich wirken. Und sie kam zu dem Schluss, dass der Lichthof der Dreh- und Angelpunkt des Gebäudes ist und besonderer Aufmerksamkeit bedarf.

Der Gropius Bau in Berlin (Quelle: rbb/ Hölzen)
| Bild: rbb/ Hölzen

Auch die im Eingangsbereich angesiedelte Buchhandlung ist umgestaltet worden und das Museums-Restaurant hat ein neues Konzept und einen neuen Namen bekommen. Betreiberin Shani Leidermann: "Wir sind inspiriert von der jüdischen Küche, wir bereiten alles mit frischen Zutaten zu, das ist für uns das wichtigste."

Und frisch heißt auch wirklich frisch, an einer Seitenwand des Restaurants mit den hohen Decken stehen riesige, hell ausgeleuchtete Glasvitrinen, in denen verschiedenste Kräuter wachsen und gezogen werden. Egal ob Zitronenmelisse oder Sauerampfer, die Zutaten wandern direkt aus den Gewächsschränken in den Kochtopf oder auf den Teller.

Videoinstallationen und kultische Puppen

Die Ausstellung "And Berlin will always need you" liefert an diesem Wochenende den kulturellen Saisonauftakt. Julienne Lorz, Chefkuratorin des Gropius-Baus, will mit den ausgestellten Arbeiten an die Geschichte des Gebäudes anknüpfen, das auch mal als Kunstgewerbeschule diente: "Das war so eine Art Nukleus, aus der wir diese Ausstellung generiert haben, um so auf die zeitgenössische Berliner Kunstszene zu schauen."

Kunst im Gropius Bau (Quelle: rbb/ Hölzen)
Bild: rbb/ Hölzen

Die insgesamt 5.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche werden mit den Arbeiten von Künstlern bespielt, die oft einen direkten Bezug zu Berlin haben. Eine Videoinstallation zeigt Fotografien des in Berlin lebenden Äthiopiers Theo Eshetu. Kultische Puppen, in einer Musikvideo-Ästhetik schnell hintereinander geschnitten, entwickeln ein regelrechtes Eigenleben und eine hypnotische Wirkung.

Kunsthandwerk und Politik

In einem anderen Raum hängt ein Herrenanzug an der Wand, auch das Schneidern gilt schließlich als Kunsthandwerk. Daneben ist auf einem Schild akribisch aufgelistet: "Wer hat den Anzug in China genäht? Welchen Stundenlohn hat die Näherin dafür erhalten? - 30 Cent! Wie viele Wochenstunden arbeitet diese Näherin in dieser Fabrik? - Es sind durchschnittlich 70." Kunsthandwerk und Politik - das will der Gropiusbau mit dieser Ausstellung immer zusammen denken.

Am Wochenende 23./24. März wird die Öffnung des Hauses mit Performances von documenta-Künstlerin Otobong Nkanga und Führungen und Workshops zur Architektur des Hauses begangen werden. Der Eintritt am Samstag ist frei.

Beitrag von Michael Hölzen

Kommentar

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Antwort auf [Zenzi Kruse] vom 24.03.2019 um 06:35
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2 Kommentare

  1. 2.

    Immer wieder begeistert mich der Martin-Gropius-Bau. So wie beschrieben, wird es mir eine besondere Freude sein, die Räumlichkeiten in einem ganz neuen Blickwinkel betrachten zu dürfen.

  2. 1.

    "Zukünftig ist das Atrium des 1881 als Kunstgewerbemuseum konzipierten Hauses für das Publikum ohne Eintritt frei zugänglich. Und soll so auch einfach nur zum Aufenthaltsort werden."

    Das heißt also, die für Ausstellungen (die womöglich wegen des Wertes der Objekte auch eine Aufsicht brauchen) verfügbare Fläche ist um soundsoviel hundert Quadratmeter verringert worden?

    Aber klar: jede/r neue Chef/in will ja immer erstmal eigene Duftmarken setzen.

    Und wenn nach dem nächsten Leitungswechsel die Rigipswände wieder eingebaut werden, kann man ja ebenso begeistert darüber berichten, zu welch intimem Ort, der zur Kontemplation und Konzentration einlädt, durch dieses "neu denken" entstanden ist, inmitten des (auch Touristen-) Trubels des Berliner Zentrums - genial!

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