Stephanie Rosenthal, Direktorin des Martin-Gropius-Baus (Quelle: Mathias Völzke)
Audio: Radioeins | 19.03.2019 | Interview mit Stephanie Rosenthal | Bild: Mathias Völzke

Interview | Martin-Gropius-Bau-Direktorin Stephanie Rosenthal - "Wie ein Marktplatz, auf dem man sich treffen kann"

Mehr Licht, mehr Transparenz: Mit einem neuen Konzept präsentiert sich der Martin-Gropius-Bau ab diesem Wochenende seinen Besuchern. Der neuen Direktorin Stephanie Rosenthal war es vor allem wichtig, die Vorteile des Gebäudes in den Vordergrund zu stellen.

rbb: Nach der Berlinale haben Sie Ihr Haus komplett ausräumen lassen. Wie sieht es jetzt im Martin-Gropius-Bau aus?

Stephanie Rosenthal: Es gibt ganz viel Licht und es ist transparent. Wenn Besucher vom Foyer reinkommen, können sie direkt in den großen Lichthof schauen mit der großen Installation von Chiharu Shiotas. Es hat sich viel getan, ohne dass wir viel machen mussten.

Warum die Veränderung, was möchten Sie mit diesem neuen Konzept erreichen?

Die Grundüberlegung war, was eine Institution im 21. Jahrhundert eigentlich ist. Ein ganz wichtiger Punkt für eine Kunsthalle oder ein Kunstmuseum ist, dass man offen und transparent ist. Es ist wichtig, die Besucherinnen und Besucher mitzunehmen und ein Programm zu machen, das auch inspiriert. Da finde ich es ganz wichtig, dass das Gebäude sozusagen eine zentrale Rolle spielt. Wir haben natürlich Glück mit diesem wunderbaren Gropius-Bau. Mit diesem Lichthof, um den alle Räume angesiedelt sind, ist es wirklich wie in einem Atrium oder wie ein Marktplatz, an dem man sich treffen kann.

Es war uns wichtig, dass wir das wieder so hervorheben. Deswegen sollten auch alle Blicke in den Lichthof, aber auch die Blicke nach draußen geöffnet werden. Es ist ein außergewöhnliches Gebäude, um das kaum andere Gebäude herumstehen. Man hat das Gefühl, dass man den Potsdamer Platz von den Ausstellungsräumen sehen kann.

Welches Publikum möchten Sie anlocken - auch die Touristen, die über den Potsdamer Platz flanieren?

Wir wollen das Publikum ansprechen, das sich für Kunst und nicht nur für zeitgenössische Kunst interessiert. Wir wollen die Tradition weiterführen, dass sich im Gropius-Bau das Kunstgewerbemuseum und die Kunstgewerbeschule befanden. Danach war hier das Museum für Vor- und Frühgeschichte beheimatet. Seit der Wiedereröffnung in den späten 1980er Jahren gab es beispielsweise die Ausstellungen über die Wikinger und die Maya. Wir sehen uns deshalb auch als ein zeitgenössisches Haus, das all diese Themen in der Zukunft bearbeiten möchte.

In Ihrer aktuellen Ausstellung "And Berlin Will Always Need You" nehmen Sie Bezug zur Geschichte des Gropius-Baus als Kunstgewerbemuseum, die Kunsthandwerk und Kunst miteinander in Verbindung bringen soll. Warum wird diese Schau ausgerechnet zur Wiedereröffnung gezeigt?

Wir haben uns gedacht, dass es schön wäre, in der ersten Ausstellung den Berliner Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform zu geben. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe zu zeigen, was für unglaublich fantastische, wunderbare Arbeiten in Berlin entstehen, wie international die Künstlerinnen und Künstler sind, die hier arbeiten. Deswegen wollten wir diese Ausstellung am Anfang zeigen. Es ist uns wichtig, die Geschichte des Gropius-Baus zu zeigen, indem wir mit Künstlerinnen und Künstlern arbeiten, die den Fokus nicht nur auf Kunsthandwerk haben, sondern die sich für Material, Textilien – sozusagen für die Arbeit mit den Händen interessieren. Sich aber auch überlegen, was es heißt, Kunst auszustellen und was braucht man dafür. Diese Themen spielen in der Ausstellung auch eine Rolle.

Das Gespräch mit Stephanie Rosenthal führte Frauke Oppenberg für Radioeins.

Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben im Beitrag im Interview hören.

Sendung: Radioiens, 19.03.2019, 11:15 Uhr

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