Symbolbild: Vorstellung im Chamäleon Theater.
Audio: Inforadio | 14.03.2019 | 10.45 Uhr | Bild: imago/DRAMA-Berlin.de

Kritik | Artisten-Ensemble Cirk la Putyka - Versuch einer Zirkusrebellion im Chamäleon-Theater

Leidenschaftlich bedient das Chamäleon-Theater in den Hackeschen Höfen das Genre Neuer Zirkus. Das Star-Ensemble des tschechischen Cirk la Putyka überzeugt dort in "Memories of Fools" mit der Performance, die Geschichte aber holpert. Von Magdalena Bienert

Ein Junge träumt davon, Astronaut zu werden. Im niedlichen, gestreiften Pyjama und mit Stoffhase Bugs Bunny im Arm, schaut er Weltraumvideos, anstatt zu schlafen. Die Eltern -  beide sind Zauberkünstler - müssen abends zum Auftritt, Opa passt auf. Dann schläft der kleine Johnny wohl doch ein. Oder ist das real, dass er sich bald im Trainingslager für Astronauten befindet, und zwar gut gecoacht von seinem agilen Großvater, der ihm an Luft-Ringen Handstand vormacht, um ihn zu motivieren?

Das neunköpfige Ensemble Cirk la Putyka wird als die große tschechische Zirkusrebellion gehandelt. Es erzählt Geschichten zu treibender Musik, dabei immer mit einem Zwinkern im Augenwinkel und spielerisch in der Erzählung verwobenen Akrobatikkünsten. Cirk la Putyka machen das, wofür das Chamäleon seit 15 Jahren steht: neuen Zirkus. Ein noch recht junges Genre in der darstellenden Kunst und eines, dass alles darf: tanzen, schauspielern, turnen oder auch 'mal in Slapstick abdriften.

Überfrachtete Mondlandung

Und so betritt Johnny nach bestandener Prüfung in kompletter Weltraummontur und in Slow-motion den Mond, wie einst Neil Armstrong. Aber natürlich hisst er eine tschechische Flagge. Oder er versucht es zumindest. Warum auf dem Mond plötzlich sein Kuschelhase lebensgroß und quicklebendig auftaucht, Drinks mixt und Adam und Eva präsentiert? - Man muss nicht alles verstehen, was da auf der Bühne passiert und sich manchmal selbst überfrachtet.

Zum Beispiel, wenn alle Artisten gleichzeitig ihr Können zeigen: Jonglage, Luftring-Nummern oder irre Schleuderbrett-Einlagen. Stärker sind da die konzentrierten Solo-Nummern, wie eine berührende Paarakrobatik an Boden und Trapez. Die wirklich packende Magie eines solchen Abends bleibt dabei jedoch hinter der Geschichte zurück. Bei "Memories of Fools" geht es nicht um pure Effekthascherei. Und genau das ist auch gewollt. Die Produktion gehöre zu den außergewöhnlichsten Stücken, die das Chamäleon je präsentiert habe, sagt die Künstlerische Leiterin Anke Politz über das Stück.

Ein Weltraumabenteuer für die ganze Familie

Die Leute des Cirk La Putyka sind in ihrer Heimat Prag preisgekrönte Stars. Sie beherrschen nahezu alle akrobatischen Elemente. Mit "Memories of Fools" bringen sie ein Weltraumabenteuer nach Berlin, eine Kleinjungenfantasie und eine durchgeknallte Zirkus-Reise, die jedoch nach der Pause nur noch lose der Story anhaftet und eher Kunststück an Kunststück reiht. Dennoch ist es eine liebevolle Produktion für die ganze Familie. Vor allem beeindruckt auch das Bühnenbild. Ein riesiges Holzgerüst, scheint aus zig weißen Fensterrahmen zusammengesetzt und ist sehr vielseitig bespielbar.

Schade ist allerdings, dass nur zwei Artistinnen im Ensemble dabei sind und ganz klassisch der kleine Junge Astronaut werden möchte und sich darin auch durchsetzen kann, weil seine Konkurrentin schwanger ist. Der neue Zirkus sollte als rebellischer Pionier der darstellenden Kunst unbedingt auch in seinen Erzählstrukturen auf der Höhe der Zeit bleiben.

Sendung: Inforadio, 15.03.2019, 10.45 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

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1 Kommentar

  1. 1.

    Warum schreiben Frauen für Mädchen Ponnyhofgeschichten. Warum machen Frauen bei solchen " Ungerechtigkeiten" wie Schwangerschaften mit. Warum studieren Frauen sowenig in technischen Berufen und wenn doch kommt zumeist etwas kreatives herraus. Warum nutzen die Frauen nicht das Potential dahin vorzudringen.
    Frauen In Führungspos. haben oft eine Assitentin die auch gleichzeitig das Kindersitting übernimmt. Frauen unterhalb einer solcher Führungsposition haben diese Chance nicht. Warum suchen Kindergärtnerinnen Kinder b.z,w. deren Familien nicht nach Dringlichkeit sondern nach wirtschaftl. Stärke aus.
    An all den Ungerechtigkeiten sind auch immer Frauen beteiligt.
    Für Gender gilt scheinbar das Gleiche.

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