Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert
Bild: ZB/Bernd Settnik

Oberbürgermeister von Potsdam - Kuratorium der Garnisonkirche muss ohne Schubert tagen

Der Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) sieht Widersprüche in seiner Rolle als Mitglied im Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche und lässt seinen Sitz vorerst ruhen. "Er möchte nach der Kommunalwahl ein klares Votum über die Rolle des Oberbürgermeisters haben", sagte eine Sprecherin am Samstag. Medien berichteten am Samstag über einen Brief Schuberts an die Stiftung, in dem er ankündigt, nicht zur Sitzung des Kuratoriums an diesem Montag zu kommen.

Stadtparlament gegen Bürgerbegehren

Zum einen geht es um einen Beschluss der Stadtverordneten von 2008, den Wiederaufbau des Kirchturms zu unterstützen - die Stiftung nennt in ihrer Satzung den Wiederaufbau des Kultur- und Baudenkmals Garnisonkirche als Ziel. Zum anderen gibt es einen Beschluss nach einem Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau von 2014, nach dem der OB alle rechtlich zulässigen Möglichkeiten nutzen solle, um auf die Auflösung der Stiftung hinzuwirken. Schubert sieht in den Widersprüchen einen gesellschaftlichen Konflikt und einen unter den Stadtratsfraktionen. Er will aber nach Angaben der Sprecherin mit der Stiftung im Gespräch bleiben.

Der Turm der Garnisonkirche in Potsdam wird derzeit wieder aufgebaut. Die DDR-Führung hatte das Gotteshaus 1968 sprengen lassen. Die Stiftung will im neuen Bau den Geist der Versöhnung und des Friedens pflegen. Gegen den Wiederaufbau wenden sich mehrere - auch christliche - Initiativen, die in der Kirche eine Stätte des preußischen Militarismus sehen. Sie erinnern auch an den "Tag von Potsdam", als am 21. März 1933 Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler vor der Garnisonkirche die Hand reichte.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Versöhnung kann nie und nimmer eine Pflicht sein, genau deshalb sind ja alle Initiativen bspw. erklärter "Völkerfreundschaft" während der DDR faktisch wegen ihres Propagandistischem an die Wand gelaufen. Auch die erklärte "deutsch-(US-)amerikanische Freundschaft" trägt ja immer etwas Ideologisches in sich.

    Versöhnung kann immer nur etwas Freiwilliges sein. Zielgruppe sind Menschen, die sich bspw. in einer Grauzone befinden. Sowohl das Hirtenwort der katholischen Kirche in Polen wie auch die Antwort der evangelischen Kirche in Deutschland, die das Hirtenwort schon in den 1960ern positiv aufnahm, hat ja viel zur deutsch-polnischen Versöhnung beigetragen, unabhängig (der) Kaczynski(s). Die verbal Herumtobenden und diejenigen, die Willy Brandt "Vaterlandsvorrat" vorwarfen, bringen heute nur noch ein simples Hohngelächter hervor. Das ist nicht gesetzlich beschlossen worden, es ist durch Entspannung und Versöhnung so entstanden, weil Menschen dies wollten.



  2. 5.

    Auch der Bundestag tagt im Reichstagsgebäude, warum soll es kein Versöhnungszentrum in einer historisch so überlieferten Garnisonkirche geben?

  3. 4.

    "die andererseits wohl aus normal denkenden Menschen des 21. Jahrhunderts besteht. Meiner Wahrnehmung nach halten es heute nämlich tendenziell weniger Menschen für ein legitimes politisches Mittel, Krieg zu führen. Außerdem definiert sich meines Wissens nach kaum jemand ausschließlich als Antimilitarist, ..."

    Ich persönlich glaube nicht, dass es diese Normalität gibt, sondern eher eine Übereinstimmung in den Gewohnheiten. Gerade die ausdrücklich erklärten Antimilitaristen sind es ja, die am Verhärmtesten und am Lautstärksten gegen die Garnisonkirche protestieren, wider besseren Wissens, was die handelbden Akteure angeht.

  4. 3.

    Sofern ich Ihren Kommentar richtig verstehe, hegen sie die Vermutung, dass die Gegner des Militarismus diesen zumindest als Idee aufrecht erhalten wollen, um ein Feindbild zu haben?
    Also zum einen hat die Geschichte meiner Ansicht nach gezeigt, dass Feind- und geschlossene Weltbilder gerade für Formen und Auswüchse des Militarismus von Nöten sind als für die "Gegenseite", die andererseits wohl aus normal denkenden Menschen des 21. Jahrhunderts besteht. Meiner Wahrnehmung nach halten es heute nämlich tendenziell weniger Menschen für ein legitimes politisches Mittel, Krieg zu führen. Außerdem definiert sich meines Wissens nach kaum jemand ausschließlich als Antimilitarist, so dass ihm beim Wegfall des Militarismus durchaus noch andere Betätigungsfelder offen bleiben.
    Zudem halte ich den Militarismus in anbetracht der weltpolitischen Lage für noch lange Unüberwunden, so dass mir ein wachhalten dieser Ideologie vollkommen unnötig erscheint.

  5. 2.

    Ein Garnisonkirche ohne Garnison ist keine Garnisonkirche, die einen Turm braucht.

  6. 1.

    Ist Überwindung eines unheilvollen Militarismus möglich?
    Soll Überwindung überhaupt sein?
    Oder ist es am besten, wenn er zumindest geistig in die Höhe gehalten wird, damit das eigene Feindbild stimmt?

    Zum erklärten Antimilitarismus braucht es unabdingbar Militarismus. Wo dieser weder in der Garnisonkirchen-Stiftung noch in der Fördergemeinschaft zu finden ist, wird er eben anders definiert. Für eine offene Gesellschaft ist eine derartige Verengung schade.

    Der genannte Konflikt ist einer zwischen einem offenen Gesellschaftsbild, das Menschen zutraut, Überwindung zu bewerkstelligen und einem geschlossenen Weltbild, das es ihnen nicht zutraut. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.



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