Flaggen mit dem Logo der Buchmesse Leipzig wehen auf dem Messegelände (Quelle:dpa/Woitas).
dpa/Jan Woitas
Audio: Inforadio | 20.03.2019 | Nadine Kreuzahler | Bild: dpa/Jan Woitas

Leipziger Buchmesse - Viele Berliner Autoren im Rennen um den Buchpreis

Die Leiziger Buchmesse ist eröffnet. Gleich am ersten Tag gehen nun 15 Schriftstellerinnen und Schriftsteller in das Rennen um den renommierten Preis der Leipziger Buchmesse. Viele von ihnen leben und arbeiten in Berlin.

Die Leipziger Buchmesse ist eröffnet und bereits am Donnerstag wird der renommierte Preis des wichtigsten Branchentreffs neben Frankfurt verliehen.

Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis wird seit 2005 vergeben und ehrt herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Insgesamt sind 15 Autoren mit 15 Werken nominiert – viele von ihnen leben und arbeiten in Berlin. Die siebenköpfige Jury setzt sich aus deutschen Journalisten und Literaturkritikern zusammen.

06.03.2019, Berlin: Kenah Cusanit, Autorin, steht nach einer Veranstaltung zu ihrem Roman „Babel" im Literaturhaus Berlin (Quelle: dpa/ Soeder)
Kenah Cusanit bei einer Veranstaltung im März 2019 | Bild: dpa/ Soeder

BELLETRISTIK

KENAH CUSANIT: "Babel" (Hanser Verlag)

Der Inhalt: Der deutsche Archäologe Robert Koldewey, im Auftrag der Deutschen Orientgesellschaft Leiter der Ausgrabung Babylons, muss in seinem Arbeitszimmer ausharren, weil ihn eine Blinddarmentzündung plagt. Dabei steht sein ehrgeiziges Projekt unter großem Zeitdruck, denn es ist Teil des Wettlaufs der europäischen Mächte, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs nicht nur um militärische, sondern auch um kulturelle Vorherrschaft konkurrieren.

Die Jury: "In einer großen Erzählbewegung umfasst dieses Debüt das Zimmer des Babylon-Ausgräbers Koldewey, als wäre es selbst ein archäologisches Artefakt, ein Mosaikstein, der aufs ganze Bild verweist: Vergangenheit und Zukunft, Traum und Wirklichkeit, Deutschland und die Welt."

Die Autorin: Kenah Cusanit (geboren 1979 in Blankenburg/Harz) ist studierte Altorientalistin, Ethnologin und Afrikanistin und war als Wissenschaftsjournalistin tätig. Für ihre Lyrik wurde sie mehrfach ausgezeichnet. "Babel" ist das Romandebüt der in Berlin lebenden Schriftstellerin.

Matthias Nawrat bei einem Auftritt 2015 (Quelle: Imago)
Matthias Nawrat bei einer Lesung 2015 | Bild: imago stock&people

MATTHIAS NAWRAT: "Der traurige Gast" (Rowohlt Verlag)

Der Inhalt: Es ist der Winter des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. Ein Mann ohne Namen beobachtet seine prekäre Nachbarschaft mit wachsender Beunruhigung. Den Blick auf die eigene Biografie wie auch auf andere Lebensgeschichten gerichtet, sucht er Antworten auf die Fragen nach dem Wesen des Menschen, nach dem Leben und dem Tod.

Die Jury: "Was bleibt, wenn der Firnis der Zivilisation porös wird? Matthias Nawrats Roman legt die versehrte Mentalität unserer Gegenwart frei. In eindringlichen Bildern und mit konzentrierter Sprache fragt "Der traurige Gast" nach dem Sinn unseres Daseins."

Der Autor: Matthias Nawrat (geboren 1979 in Opole (Oppeln)/Polen) lebt als Autor in Berlin. Für den Debütroman "Wir zwei allein" (2012) erhielt er unter anderem den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, der Roman "Unternehmer" (2014) wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert.

30.01.2019, Tschechien, Prag: Jaroslav Rudiš, einer der bekanntesten tschechischen Schriftsteller, bei einem Stadtspaziergang in Prag (Quelle: dpa/ Zimmermann)
Jaroslav Rudiš 2019 in Prag | Bild: dpa/ Zimmermann

JAROSLAV RUDIŠ: "Winterbergs letzte Reise" (Luchterhand Literaturverlag)

Der Inhalt: Ein biersüchtiger Altenpfleger und ein uralter Sudetendeutscher reisen per Eisenbahn durch Ostmitteleuropa. Jan Kraus kommt aus Vimperk, dem früheren Winterberg im Böhmerwald, und begleitet in Berlin Schwerkranke in den letzten Tagen ihres Lebens. Seine Erzählungen wecken die Sehnsucht seines aus Liberec (ehemals Reichenberg) stammenden Patienten Wenzel Winterberg, sich auf die Suche nach einer verlorenen Liebe zu begeben.

Die Jury: "Mit einfacher und kraftvoller Melodie trifft Jaroslav Rudiš ebenso bedacht wie witzig ein Geschichtsgefühl und den Ton der Trauer um die privaten Toten."

Der Autor: Jaroslav Rudiš (geboren 1972 in Turnov/Tschechien) lebt als Autor in Prag. Seine ersten Romane wurden aus dem Tschechischen ins Deutsche übersetzt und bei Luchterhand und btb veröffentlicht. "Winterbergs letzte Reise" ist sein erster auf Deutsch verfasster Roman.

Anke Stelling Anke Stelling, deutsche Schriftstellerin, am 22.02.19 bei einer Veranstaltung im Vorfeld der Leipziger Buchmesse (Quelle: Imago/ Willnow)
Anke Stelling bei einer Vorstellung im Zuge der Leipziger Buchmesse 2019 | Bild: Imago/ Willnow

ANKE STELLING: "Schäfchen im Trockenen" (Verbrecher Verlag)

Der Inhalt: Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn Freundschaft hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren brüchig geworden. Nun sieht Resi sich angesichts einer Wohnungskündigung mit der harten und enttäuschenden Wirklichkeit konfrontiert.

Die Jury: "In Anke Stellings Roman einer Aufsteigerin werden die starken Affekte - Wut, Zorn, Stolz - literarisch produktiv. Im Rückblick auf verlorene Illusionen entsteht eine verstörend uneindeutige, scharf belichtete Momentaufnahme der Gegenwart."

Die Autorin: Anke Stelling (geboren 1971 in Ulm) lebt als Autorin in Berlin. Sie hat ein Kinderbuch sowie sieben Romane, zwei davon gemeinsam mit Robby Dannenberg, verfasst. "Bodentiefe Fenster" (2015) stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

Feridun Zaimoglu, deutscher Schriftsteller und bildender Künstler türkischer Herkunft, am 22.02.19 bei einer Veranstaltung im Vorfeld der Leipziger Buchmesse (Quelle: Imago/ Willnow)
Feridun Zaimoglu im Februar 2019 | Bild: Imago/ Willnow

FERIDUN ZAIMOGLU: "Die Geschichte der Frau" (Kiepenheuer  Witsch)

Der Inhalt: Der Autor erzählt aus der Sicht der Frau die Menschheitsgeschichte neu. Zehn Frauen sprechen, deren Sicht auf die Dinge von den mächtigeren Erzählungen der Männer bisher verdeckt wurde: von Antigone und Brunhild über Judith und die der Hexerei bezichtigte Prista Frühbottin, eine Fabrikantentochter, eine Trümmerfrau sowie eine Gastarbeiterin Leyla. Diesen Frauen war es vorbehalten zu schweigen, unsichtbar oder dekorativ zu bleiben.

Die Jury: "Feridun Zaimoglu gräbt sich mit berserkergleicher Kraft in die Weltgeschichte hinein und findet diejenigen, die bislang hinter den Stimmen ihrer Männer verborgen blieben: die Frauen. Ein Roman, sprach- und bildmächtig und zugleich voll zarter Empathie für jene, die er zu Gehör bringt."

Der Autor: Feridun Zaimoglu (geboren 1964 in Bolu/Türkei) lebt als Autor und Journalist in Kiel. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise. Seine Romane "Isabel" (2014), "Siebentürmeviertel" (2015) sowie "Evangelio" (2017) standen auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

SACHBUCH/ESSAYISTIK

FRANK BIESS: Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik (Rowohlt Verlag)

HARALD JÄHNER: Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955 (Rowohlt Berlin)

MARKO MARTIN: Das Haus in Habana (Wehrhahn Verlag)

LOTHAR MÜLLER: Freuds Dinge. Der Diwan, die Apollokerzen 6 die Seele im technischen Zeitalter (Die andere Bibliothek)

KIA VAHLAND: Leonardo da Vinci und die Frauen. Eine Künstlerbiographie (Insel Verlag)

ÜBERSETZUNG

Aus dem Rumänischen von GEORG AESCHT: Liviu Rebreanu: Der Wald der Gehenkten (Paul Zsolnay Verlag)

Aus dem Spanischen von SUSANNE LANGE: Aura Xilonen: Gringo Champ (Carlo Hanser Verlag)

Aus dem Ungarischen von TIMEA TANKÓ: György Dragomán: Löwenchor (Suhrkamp Verlag)

Aus dem Französischen von KARIN UTTENDÖRFER: Jean-Baptiste del Amo: Tierreich (Verlag Matthes & Seitz Berlin)

Aus dem Rumänischen von EVA RUTH WEMME: Gabriela Adameşteanu: Verlorener Morgen (Die andere Bibliothek)

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Ich persönlich glaube nicht, dass die genannten Autoren ins RENNEN um den Buchpreis gehen. Ich glaube eher, sie haben sich alle Zeit der Welt genommen, um ein Buch zu schreiben. Wenn das Anerkennung findet, gut, wenn nicht, hat es sie persönlich immerhin bereichert.

    Von einem abgehetzten Rennen - eine modische Terminologie - keine Spur.

Das könnte Sie auch interessieren