Szene aus dem Film von Philipp Eichholtz: Kim hat einen Penis. Mit den SchauspielerInnen Martina Schöne-Radunski und Christian Ehrich (Quelle: Fee Scherer)
Audio: Inforadio | 10.04.2019 | Jakob Bauer | Bild: Fee Scherer

Auftakt zu zehntägigem Filmfestival - "Kim hat einen Penis" eröffnet Achtung Berlin

Eine Komödie über eine junge Frau, die sich aus einer Laune heraus einen Penis machen lässt - mit diesem Film beginnt am Mittwoch das Festival Achtung Berlin. Wie Regisseur Philipp Eichholtz auf die skurrile Idee kam, erzählte er Jakob Bauer.

"Kim hat einen Penis" ist kein Transgender-Film. Kein Film zur aktuellen gesellschaftlichen Debatte über die Geschlechter. Nein, Philipp Eichholtz will einfach eine etwas andere, skurrile, humorvolle Beziehungsgeschichte erzählen.

Im Mittelpunkt steht Kim. Eine erfolgreiche Pilotin, die sich auf einer Geschäftsreise aus einer Laune heraus einen Penis machen lässt. Das geht in der Filmwelt innerhalb von 24 Stunden und ist auch nicht endgültig. Trotzdem müssen sich alle Figuren im Film, ob Kims Freund, ihre beste Freundin oder ihr Bruder, irgendwie zu ihrem Penis verhalten. Der Penis hinterlässt Spuren in jeder Beziehung.

Der Film entstand nach einem Traum des Produzenten

Die Grundidee zum Film kommt vom Produzenten Oliver Jerke, erzählt der Regisseur. "Olli hatte geträumt, dass seine Freundin einen Penis hat. In dem Traum hat ihn das aber nicht gestört - und darüber haben wir dann ernsthaft 3 bis 4 Stunden geredet. Was bedeutet eigentlich ein Geschlecht und was lieben wir an unserem Partner?

Kim liebt ihren Partner. Das ist im Film zu sehen. Und auch Kims Partner Andreas versucht, sich auf die neue Situation einzulassen, obwohl er da eigentlich nicht so drauf steht. In der Beziehung, das wird auch klar, war Kim schon immer der Boss. Sie hat allerdings das Gefühl, eine Leere in sich füllen zu müssen. "Wenn ich mit Freundinnen gesprochen habe, war schon immer mal eine Neugier da, wie es wäre, einen Tag lang einen Penis zu haben. Und das bedeutet nicht, dass man dadurch dominanter, männlicher oder whatever ist, sondern: Wie ist das überhaupt, in der anderen Person mal drin zu stecken? Das würde für Männer umgekehrt genauso gelten: Wie wäre es mit 'ner Muschi?", erzählt Eichholtz.

Ein maßgeschneiderter Penis für 3.000 Euro

Trotzdem, ein so sensibles, privates, gesellschaftlich hochbrisantes Thema: Warum in alles in der Welt mach Philipp Eichholz daraus eine Komödie? "Als ich und Christian Ehrich versucht haben, das Drehbuch zu schreiben, haben wir gemerkt, dass wir schon sehr verkrampft schreiben", begründet er. Sie hätten versucht, das psychologisch zu begründen. Deshalb holten sie zum Schreiben die Hauptdarstellerin Martina Schöne Radunski und Maxi Rosenheinrich hinzu. "Da haben wir gemerkt: Die gehen wesentlich unverkrampfter mit diesem Thema um. Es war wesentlich verspielter und wesentlich spannender, ihren Gedanken zu folgen."

Weit vor Drehbeginn hat Hauptdarstellerin Martina Schöne-Radunski angefangen, sich in die Rolle als Frau mit dem Penis einzuleben. In Hamburg war sie bei einer Spezialistin, die Attrappen für transsexuelle Menschen herstellt und hat sich einen Penis maßschneidern lassen. Kostenpunkt: 3.000 Euro. Bleibt noch eine letzte Frage: Hat Regisseur Philipp Eichholtz auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, wie es wäre, eine Vulva zu haben? "Nein, nicht wirklich," sagt er und lacht. "Aber ich würde doch auch gerne wissen, wie es ist. Ich glaube, wenn man wüsste, wie sich das andere Geschlecht manchmal fühlt, würde es sehr zur Kommunikation beitragen. "
 

Sendung: Inforadio, 10.04.2019, 12.30 Uhr

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