Eine Person steht in der Ausstellung "Mischpoche" des Künstlers Andreas Mühe im Hamburger Bahnhof vor dem Werk "Mühe I 2016-2019". Die Ausstellung läuft vom 26.04.2019 bis 11.08.2019. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Audio: rbb | 26.04.2019 | Silke Hennig | Bild: dpa/Christoph Soeder

"Mischpoche" im Hamburger Bahnhof - Fotograf Andreas Mühe setzt eigene Familie ins Licht

Er fotografierte Angela Merkel, George Bush und Helmut Kohl: In seiner neuen Ausstellung "Mischpoche" porträtiert der Fotograf Andreas Mühe, Sohn von Schauspieler Ulrich Mühe und Theaterintendantin Annegret Hahn, nun seine Familie. Von Silke Hennig

"Familie, das ist Fluch und Segen. Und das Schönste der Welt", sagte Fotograf Andreas Mühe einmal. International bekannt wurde er selbst durch Bilder zu zeitgeschichtlichen Themen und markante Porträts bekannter Personen. Jetzt hat Mühe - Sohn von Theater- und Filmschauspieler Ulrich Mühe und dessen Frau in erster Ehe, der Regisseurin Annegret Hahn - die eigene Familie in den Blick genommen: Für sein Projekt "Mischpoche" entwickelte er eine fotografische Familienaufstellung der besonderen Art.

Das Entree zu der Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin bildet eine Installation, die Andreas Mühe im Gespräch "Familie in Aspik" nennt. In schrankhohen Vitrinen hängen unterschiedlich große Fotografien - ein Kopf in Großaufnahme, ein Interieur mit Gummibaum, eine unbekleidete Puppe mit den Gesichtszügen seines Vaters Ulrich Mühe. Die Bilder und die Spiegelungen im Glas der Vitrinen verstellen sich gegenseitig.

Andreas Mühe, Fotograf, hält bei einer Pressekonferenz zu seiner Ausstellung "Mischpoche" im Hamburger Bahnhof den Ausstellungskatalog. Die Ausstellung läuft vom 26.04.2019 bis 11.08.2019. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Andreas Mühe | Bild: dpa/Christoph Soeder

Die Toten und die Lebenden

Dahinter, aber nur auf den ersten Blick eindeutiger, befindet sich der dunkle Saal mit dem Kernstück der Ausstellung: zwei großformatige Fotografien von Andreas Mühes "Mischpoche" - was, aus dem Hebräischen entlehnt, ungefähr soviel wie Sippschaft bedeutet. Wie auf einer Bühne hat Mühe hier mehrere Generationen seiner Familie versammelt: Auf dem einen Bild die mütterliche Linie, und auf der gegenüberliegenden Seite des Ausstellungsraums die des Vaters.

Andreas Mühe und sein Bruder wuchsen bei der Mutter auf, Annegret Hahn, die im Zentrum der einen Fotografie steht. In der Mitte der anderen ist der Vater, Ulrich Mühe, zwischen seinen Ehefrauen Nummer zwei und drei: den Schauspielerinnen Jenny Gröllmann, der er zuletzt vorgeworfen hatte, als IM für die Stasi gearbeitet zu haben, und Susanne Lothar. Alle drei leben nicht mehr.

Mit Silikonpuppen lebensecht ins Bild gesetzt

Wie auch die Großeltern des Fotografen sind sie mithilfe lebensecht wirkender Silikonpuppen ins Bild gesetzt, die wiederum nach Fotografien entstanden und alle Personen im Alter von Ende 30 zeigen. In diesem Alter war Andreas Mühes Großvater, als die Mauer gebaut wurde, und sein Vater, als sie fiel. Und auch er selbst, der in beiden Fotografien als Rückenfigur auftaucht, ist heute Ende 30.

Die künstliche Gleichzeitigkeit, die Andreas Mühe erzeugt, indem er die Lebensalter nivelliert und Lebende neben Verstorbene stellt, unterstreicht, daß diese Familienaufstellung eine Konstruktion ist, eine Inszenierung. Damit, sagt der Fotograf, habe er stets auch die Zweifel seiner Verwandten an diesem Projekt beruhigt.

Es verweist auch auf etwas, was in Mühes Schaffen als Fotograf schon immer wichtig war: die Frage nach der Rolle der Fotografie selbst. Den hohen Glaubwürdigkeitsfaktor, der ihr immer zugebilligt wird, stellte er auch in anderen Arbeiten in Frage. Hier ist es nun darüber hinaus ihr paradoxes Vermögen, alles Lebende "einzufrieren" und damit über den Tod hinaus festzuhalten. In Andreas Mühes "Mischpoche" spielt dieser Widerspruch die Hauptrolle und sagt am Ende wohl mehr aus über sein Verständnis von Fotografie, als über seine oder die Familie.

25.04.2019, Berlin: Die "Serie: Mischpoche 2016-2019" ist in der Ausstellung "Mischpoche" des Künstlers Andreas Mühe im Hamburger Bahnhof zu sehen (Quelle: dpa/ Soeder)

Beitrag von Silke Hennig

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1 Kommentar

  1. 1.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich finde es mindestens als geschmacklos die Behauptung von Mühe, Ulrich gegen seine ehemalige Frau Jenny Gröllmann, der er zuletzt vorgeworfen hatte, als IM für die Stasi gearbeitet zu haben.
    Auch die Wiederholung macht diese nicht wahrer.
    Ferner sollte man Tote nicht beschuldigen, wen diese sich nicht mehr wehren können.

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