St. Hedwigs - Kathedrale am am Bebelplatz in Berlin am 05.03.2003. (Quelle: imago)
Bild: imago

Katholische Theologie an der HU - Sechs Professoren forschen über Gott und die Welt

Gibt es Gott? Welchen Platz hat das Christentum in einer säkularen Welt? Solche Fragen sollen am neuen Zentralinstitut für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität Berlin diskutiert werden. Insgesamt sind sechs Professuren vorgesehen. Von Carmen Gräf

Am neuen Zentralinstitut für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität (HU) sind insgesamt sechs Professuren vorgesehen, zwei davon kommen von der Freien Universität und werden an die HU verlagert. Angeboten werden ab dem Wintersemerster 2019/20 ein Bachelor- und ein Masterstudiengang in Theologie sowie ein Sonderstudiengang Religion und Gesellschaft. Die Absolventen hätten somit viele Perspektiven, sagt Johannes Helmrath, der Gründungsdirektor des Instituts.

Theologen finden breite Einsatzmöglichkeiten vor

Einen Bedarf gebe es unter anderem für Religionslehrer, auch wenn das in Berlin kein offizielles Schulfach sei. Viele der Studentinnen und Studenten würden sich aber auch für einen Kombinationsstudiengang entscheiden, sagte Helmrath dem rbb, zum Beispiel indem sie Fächer wie Sozial- oder Kulturwissenschaften mit dem Bachelor in Theologie kombinierten.

Dabei sehe er ein breites Feld an Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel in der Erwachsenenbildung oder im Journalismus - "und mit dem Master kann man dann natürlich woanders dann auch voll Theologie zu Ende studieren, wenn man will", ergänzt Helmrath.

Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst (Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin) und Erzbischof Dr. Heiner Koch (Erzbistum Berlin) auf der Pressekonferenz zur Einrichtung eines Instituts für Katholische Theologie an der HU Berlin. (Quelle: imago/Christian Spicker)
HU-Präsidentin Sabine Kunst und der Berliner Erzbischof Heiner Koch | Bild: imago/Christian Spicker

"Auf wissenschaftlicher Ebene und hohem Niveau"

Der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, hat sich schon lange für den Ausbau der katholischen Theologie in Berlin stark gemacht. Auf diese Weise könne, "schlicht und ergreifend auf wissenschaftlicher Ebene und hohem Niveau", der Dialog mit den säkularen Wissenschaften geführt und intensiviert werden - über die wesentlichen Fragen des Menschen- und Weltbildes sowie zu ethischen Fragen. Hinzu komme der Dialog mit anderen Theologien. Das pulsierende Leben der Stadt präge und befruchte auch das wissenschaftliche Leben - Berlin sei ein toller Ort "für diese Auseinandersetzung und das Einbringen der katholischen Theologie", sagt Koch.

HU-Präsidentin betont Austausch mit anderen Fakultäten

Die Zusammenarbeit mit anderen geistes- und sozialwissenschaftlichen Instituten der Humboldt-Universität ist auch deren Präsidentin Sabine Kunst wichtig. Die angehenden katholischen Theologen sollen sich mit Philosophen, Philologen, Historikern, Soziologen, Ethnologen, Kunst- und Kulturwissenschaftlern austauschen. "Wie ist das Verhältnis zwischen Religion und Gesellschaft? Wie leuchtet man auch von der ethischen Konzeption Grenzen des Lebens aus?" - das ist aus Sicht der HU-Präsidentin das Kerninteresse der HU am neuen Institut. "Wir sehen uns auch motiviert durch das Interesse unserer Studierenden an solchen Fragen, und deswegen wollen wir das machen", erläutert die HU-Chefin.

Der Ausbau der katholischen Theologie fällt in eine Zeit, in der die Kirche unter großem Rechtfertigungsdruck steht. Hinzu kommt, dass in Berlin nur neun Prozent der Einwohner katholisch sind. Für Erzbischof Koch ist das kein Argument, im Gegenteil: "In dieser Stadt ist das theologische Denken wichtig, weil es dann auch beweisen kann und muss, dass schlicht und ergreifend auch die Theologie ja 'ne vernünftige, wissenschaftlich ausgerichtete Wissenschaft ist, ihre eigenen wissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten hat, ihre eigenen Voraussetzungen hat, die in keinster Weise hinter dem wissenschaftlichen Standpunkt zurückbleibt", sagt Koch. Der alte Glaube, dass Religion gleich unvernünftig ist, sei längst überwunden. "Keine Physik ohne Metaphysik."

Drei Theologien an einer Universität

Der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung der Senatskanzlei Berlin Steffen Krach will mit dem Institut die Theologie in Berlin als Standort der Wissenschaft stärken. Es sei die beste Lösung, nach der evangelischen Theologie auch die katholische Theologie von der FU an die Humboldt-Universität zu verlagern, sagt Krach. "Hier entsteht auch das Institut für Islamische Theologie - und so haben wir diese drei Theologien jetzt an einer Universität, und wir sind der Meinung, dass eine wunderbare Lösung ist."

Am neuen Institut für Katholische Theologie sollen  künftig hochkarätige bio- und medizinethische Debatten geführt werden. Mit Beginn des kommenden Wintersemesters.

Sendung: Kulturradio, 29.03.2019, 19.00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

3 Kommentare

  1. 3.

    Wissenschaft und Religion das passt nicht zusammen. Es ist nun einmal der erste April.

  2. 2.

    Dann bitte auch Lehstühle für die Erforschung des fliegenden Spaghettimonsters und der Zahnfee.

  3. 1.

    "säkulare Welt" war jetzt der Aprilscherz des Tages?
    Zu den genannten Wissenschaften dürfen sich die angehenden und Theologen dann auch gerne noch mit den Sexualwissenschaften austauschen.

Das könnte Sie auch interessieren