Die Jury des Theatertreffens, Christian Rakow (l-r), Eva Behrendt, Andreas Klaeui, Dorothea Marcus, Margarete Affenzeller, Shirin Sojitrawalla und Wolfgang Höbel, lässt sich im Rahmen einer Pressekonferenz zum Berliner Theatertreffen fotografieren. (Quelle: dpa/Carstensen)
Video: Abendschau | 30.04.2019 | Vanessa Kockegei | Bild: dpa/Carstensen

Ab 2020 - Berliner Theatertreffen führt Frauenquote ein

Das Berliner Theatertreffen führt eine Frauenquote ein. Ab 2020 soll zunächst für zwei Jahre mindestens die Hälfte der zehn ausgesuchten Stücke von Regisseurinnen stammen. Das teilten die Berliner Festspiele am Mittwoch bei der Vorstellung des diesjährigen Theatertreffen-Programms mit. "Im Theatertreffen gibt es eine großes Missverhältnis zwischen männlichen und weiblichen Regisseuren. Und das seit den 1960er Jahren", sagte Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer der Deutschen Presse-Agentur.

"Absichtserklärungen bringen nichts"

Für das Theatertreffen in der Hauptstadt wählt eine Jury jedes Jahr die "zehn bemerkenswertesten Inszenierungen" aus dem deutschsprachigen Raum aus. Bei der aktuellen Ausgabe, die am Freitag (3. Mai) beginnt, stammen drei der zehn ausgesuchten Stücke von Regisseurinnen oder einem überwiegend weiblichen Kollektiv.

"Ich dachte lange, es geht auch ohne Quote. Aber ich habe einfach gemerkt: Es ändert sich nichts", sagte Büdenhölzer. Daher gebe es nun für die Jahre 2020 und 2021 die Quotenregelung. "Freundliche Absichtserklärungen, mehr Regisseurinnen zu nominieren, reichen nicht. Es braucht ein Instrument von außen und das Theatertreffen kann hier eine Vorreiterrolle einnehmen."

Theatertreffen will Brücken zur freien Szene bauen

Den Auftakt der diesjährigen Inszenierungen macht am Freitagabend um 18 Uhr im Haus der Berliner Festspiele “Hotel Strindberg“ von Simon Stone. Das Stück entstand in Zusammenarbeit des Wiener Burgtheaters mit dem Theater Basel. Auch viele andere Inszenierungen sind aus Koproduktionen heraus entstanden und wollen "neue Verbindungen zwischen Stadttheatern und freien Strukturen und internationalen Ensembles" schaffen, wie die Organisatoren des Berliner Theatertreffens am Dienstag ankündigten.

Weitere Höhepunkte des diesjährigen Theatertreffens sind "Oratorium" vom Performancekollektiv She She Pop, "Girl From the Fog Machine Factory“ des Schweizer Regisseurs Thom Luz und "Unendlicher Spaß" in der Regie von Thorsten Lensing, der erstmals beim Theatertreffen dabei ist. Das komplette Programm gibt es auf der Internetseite der Berliner Festspiele.

Inszenierungen beim Theatertreffen

"Das große Heft" nach dem Roman von Ágota Kristóf
In einer Fassung von Ulrich Rasche und Alexander Weise; Regie und Bühne: Ulrich Rasche; Staatsschauspiel Dresden

"Das Internat" von Ersan Mondtag (kann beim Theatertreffen nicht gezeigt werden)
Mit Texten von Alexander Kerlin und Matthias Seier; Regie, Bühne und Kostüme: Ersan Mondtag; Schauspiel Dortmund

"Dionysos Stadt" Antikenprojekt von Christopher Rüping
Regie: Christopher Rüping; Münchner Kammerspiele

"Erniedrigte und Beleidigte" nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski
Unter Verwendung der Hamburger Poetikvorlesung von Wolfram Lotz; Regie und Bühne: Sebastian Hartmann; Staatsschauspiel Dresden

"Girl From The Fog Machine Factory" von Thom Luz
Regie, Bühne und Lichtdesign: Thom Luz; Produktion von Thom Luz und Bernetta Theaterproduktionen in Koproduktion mit Gessnerallee Zürich, Theatre Vidy-Lausanne, Kaserne Basel, Internationales Sommerfestival Kampnagel Hamburg, Theater Chur, Südpol Luzern

"Hotel Strindberg" von Simon Stone nach August Strindberg
Regie Simon Stone; Burgtheater, Wien; Koproduktion mit dem Theater Basel

"Oratorium" von und mit Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf und dem Chor der lokalen Delegierten; HAU Hebbel am Ufer, Berlin
Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer, Festival Theaterformen, Münchner Kammerspiele, Schauspiel Stuttgart, Kaserne Basel, Schauspiel Leipzig, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf, Konfrontacje Teatralne Festival Lublin und ACT Independent Theater Festival Sofia

"Persona" von Ingmar Bergman
Regie: Anna Bergmann; Deutsches Theater, Berlin; Koproduktion mit dem Malmö Stadsteater

"Tartuffe oder das Schwein der Weisen" Komödie von PeterLicht nach Molière
Regie: Claudia Bauer; Theater Basel

"Unendlicher Spaß" von David Foster Wallace in einer Textfassung von Thorsten Lensing unter Mitarbeit von Thierry Mousset und Dirk Pilz
Regie: Thorsten Lensing; Sophiensäle, Berlin; Produktion von Thorsten Lensing in Koproduktion mit Schauspiel Stuttgart, Schauspielhaus Zürich, Ruhrfestspiele Recklinghausen, Kampnagel Hamburg, Theater im Pumpenhaus Münster, Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste, Künstlerhaus Mousonturm, Les Theatres de la Ville de Luxembourg und Sophiensäle

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4 Kommentare

  1. 3.

    Höchste Zeit dass auch eine Quote für ZuschauerInnen eingeführt wird. Die letzten Theatertreffen waren durchwachsen mit sexistischen und rassistischen Kommentaren seitens der Zuschauer.

  2. 2.

    Um was geht es da eigentlich? Um die Stücke?

  3. 1.

    Posten nicht nach Qualifikation sondern nach Geschlecht zu besetzen, schwächt langfristig jede Gruppierung.
    Und irgendwann wird das Theater nur noch aufsuchen, wer von seinem Pfleger dorthin geschoben wird.

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